(2) Wie feiern andere?

Wie feiern andere Christen und Christinnen ihren Glauben, wie unsere muslimischen Glaubensgeschwister? Davon könnt ihr in den folgenden Beiträgen etwas lesen.

Das Osterfest in der orthodoxen Kirche

Die byzantinische Osternachts-Liturgie ist im Westen seit vielen Jahren sehr beliebt. Auch viele Österreicher besuchen jährlich die feierliche Liturgie der Russen, Serben, Rumänen oder Griechen, die in Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck am Karsamstag zelebriert wird. Der Osterjubel gipfelt mit dem Hymnus „Christus ist von den Toten auferstanden, im Tode hat er den Tod zertreten und denen in den Gräbern das Leben geschenkt“.

Zu Beginn der Osternacht nach der Prozession um die verschlossene und noch dunkle Kirche wird er angestimmt und in der Nacht, in der folgenden Oktav und in der gesamten Osterzeit unzählige Male wiederholt. Desgleichen begrüßen sich von nun an die Gläubigen mit dem Gruß: „Christus ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden!“. Das Auferstehungsevangelium (Mk 16, 1-8) wird vor der Kirchentüre mit brennenden Kerzen in der Hand gelesen. Es folgt die Auferstehungs-Liturgie und die Eucharistiefeier, mit denen die fünfzigtägige Fastenzeit endet. Am Ende kommen die Gläubigen zum Handkuss und Ostergruß nach vorne zum Zelebrant und erhalten ein rotes Osterei. Anschließend nehmen sie von dem Osterlicht das Feuer mit nach Hause, wo auf sie ein gemeinsames Essen, ein Liebesmahl, wartet. Ein gebratenes Osterlamm mit anderen Speisen und Getränken, die vorher lange entbehrt wurden. Manchenorts lassen sogar die Gläubigen diese Speisen vorher in der Kirche segnen.

Die Osterfeierlichkeiten haben noch einen weiteren Höhe- und Schlusspunkt: die Ostervesper am Ostersonntag oder auch Vesper der Liebe genannt. Das Evangelium (Joh 20, 19-25), das hier gelesen wird und von der Sendung der Jünger in die Welt handelt, wird in möglichst vielen Sprachen gelesen. Die Vesper endet mit folgender Strophe: „Der Auferstehung Tag! … Lasst uns einander umarmen…und ‚Brüder‘ sagen, auch zu denen, die uns hassen“. Die Umarmung und geschwisterliche Liebe prägt tatsächlich das österliche Freudenfest.

Aber die Osterfreude ist so groß und so tief, dass sie hiermit nicht endet. Bis zum Fest der Himmelfahrt Christi werden der Ostergruß und der Osterkuss so oft gewechselt, und zwar nicht nur in der Kirche, sondern auch auf der Straße, im Geschäft, bei der Arbeit oder in der Schule, dass etwas von der Erlöstheit und Glückseligkeit der Christen sichtbar wird.

Pater Ilias Papadopoulos