Nicht ohne Streit

Sri Fackler (Foto: Helmut Meisl)

Am dritten Vortrag der diesjährigen Fastenaktion versammelten sich die interessierten Zuhörer im Pfarrsaal der kath. Stadtpfarre. Dechant Johann Schreilechner hatte nach der Begrüßung durch Sri Fackler an diesem Abend die Aufgabe übernommen, über Marienfeste und Marien-Gedenktage im Jahreskreis vor allem aus Sicht der röm. kath. Kirche zu informieren.

Ausgangspunkt unserer Überlegungen zu Jesus ist natürlich die Frage seiner Herkunft. Alle Glaubensaussagen, die über Maria gemacht werden, dienen dazu, das „Geheimnis“ Jesu zu schützen, es abzusichern und nicht es zu lichten. Es bleibt ein Geheimnis, nur Gott kann Gott verstehen. Auch im Glauben gibt es eine „Hierarchie der Wahrheit“. Es gibt Einiges, das ganz wichtig ist und Einiges, das am Rande steht. Das gilt nicht nur über die Erzählungen aus dem Leben Jesu, das gilt auch bei allem, was wir über Maria wissen.

Es gibt einen Zugang zu Maria über die Verehrung bzw. den Kult und einen anderen Zugang über Nachdenken und auch über die Dogmatik. Der Kult umfasst mehrere Ebenen, das Gebet, das Lied und auch das Glaubensbekenntnis. Im Glaubensbekenntnis heißt es in den westlichen Kirchen „… empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria …“. In der Ostkirche hingegen heißt es „… für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist in der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden …“. Im 3. Jhdt. Ist ein Gebet entstanden, das älteste Mariengebet außerhalb der Hl. Schrift: „Unter deinem Schutz und Schirm …“. Darin kommt eine Bezeichnung für Maria hinzu und zwar jene als „Gottesgebärerin“. Zu dieser Zeit gab es geistige Strömungen, die Jesus als einen „großen Schein“ bezeichneten, die die wahre Menschheit Jesu nicht anerkannten und auch die Kreuzigung ablehnten. Dagegen hat sich der richtige christliche Glaube mit diesem Gebet gestemmt als Hinweis dafür, dass Jesus von einer Mutter geboren wurde. Das Gebet hat sich schnell verbreitet und fand großen Anklang. Gleichzeitig entstand darüber aber auch ein großer Konflikt, der über Jahrhunderte andauern sollte.

431 nach Christus

Dechant Johann Schreilechner (Foto: Helmut Meisl)

Den Anfang hatte das Christentum im Osten, vor allem in Ägypten und in Syrien. In diesen beiden großen Bereichen sind zwei theologische Strömungen entstanden, zwei stark unterschiedliche Sichtweisen. In Alexandria wurde eine eigene Methode der Schriftauslegung entwickelt, die Allegorie. Dabei ging man zB. soweit, beim Evangelium vom verlorenen Sohn Jesus als das „Mastkalb“ auszulegen, das bei der Rückkehr des Sohnes geschlachtet wurde. Es wurde eher dekorativ“ gearbeitet und die Verbindung der Gottheit und Jesu sehr intensiv gesehen mit der Gefahr, dass dadurch das Menschliche durch das Göttliche praktisch „aufgesogen“ wurde. Hauptvertreter dieser Auslegung war der damalige Bischof von Alexandrien, eine sehr zwielichtige Gestalt.

Die Christen in Syrien hatten mit dieser Entwicklung keine Freude und waren darum bemüht, und waren viel stärker von der griechischen Philosophie beeinflusst und dachten auch viel rationaler. Auch diese Entwickung hatte einen Bischof an der Spitze der Bewegung (Theodor).

Als dritte Person in dieser Diskussion gilt Kaiser Konstantin, der die Hauptstadt des Reiches vom Rom nach Konstantinopel verlegte. Zwischen den beiden Richtungen gab es Neid und Streit. In Syrien wurde Maria nicht als „Gottesgebärerin“ sondern nur als „Christusgebärerin“ anerkannt. Der Streit eskalierte über viele Jahre, bis der römische Bischof im Jahr 431 in Ephesus ein Konzil einberief. Dieses stand unter dem Einfluss der beiden Richtungen und war von Streit und Hinterlistigkeit geprägt. Am Ende wurde die Bezeichnung „Gottesgebärerin“ festgelegt, woraufhin ein Gegenkonzil gestartet wurde. Der Kaiser versuchte zu vermitteln um das Reich zu retten. Die Syrer waren aber „schlauer“ und bestachen die kaiserlichen Beamten der Reihe nach, bis sich die Meinung des Kaisers drehte und der Begriff „Christusgebärerin“ vorerst festgelegt wurde.

553 nach Christus

Wieder wurde ein Konzil (in Konstantinopel) einberufen, bei dem Festlegungen zu Maria getroffen wurden. Die „unbefleckte Gottesgebärerin Maria“ wurde dabei vom Konzil feierlich bestätigt, wobei die Jungfräulichkeit auch nach der Geburt Jesu bestätigt wurde. Die Marienverehrung wurde dadurch sehr verstärkt.

Dass Jesus ohne Sünde ist, war immer klar, wie aber war es mit Maria? Seit wann ist Maria ohne Sünde, seit ihrer Geburt oder schon früher ab dem ersten Augenblick ihres Daseins. Probleme bereitete die damalige Ansicht, dass Buben nach 40 Tagen und Mädchen erst nach 80 Tagen ab der Geburt eine Seele hätten.

Die Beschlüsse von Konstantinopel wurden 649 in einer eigenen Synode noch einmal bestätigt.