Ein gutes Wort.

Das Internet ist ja bekanntlich unser aller Freund, also frage ich dort zuerst.

„Was ist ein gutes Wort?“. Nun, das Ergebnis ist durchwachsen. Vorwiegend kommen Impulse, Gedichte und natürlich diverse hoch motivierende Sprüche auf tiefgründigen Hintergrundbildern.Irgendwo schwebt natürlich noch die Definition von„Ein gutes Wort für jemanden einlegen“ herum. War es das?

Mir helfen diese Ergebnisse nicht. Ich kann mitdiesen Spruchbildern nichts anfangen – finde siemeistens sogar eher nervig als hilfreich, aber vielleicht bin ich genau damit auf der richtigen Spur. Wenn ich an meine Zeit hier in Hallein zurückdenke, was in den letzten zwei Jahren alles passiert ist, dann waren es nicht immer die großen Worte, die das meiste bewirkt haben. Es waren nicht unbedingt exakte Worte, sondern vielmehr etwas, das durch sie ausgedrückt wurde. Wahrnehmung und Akzeptanz: Ich denke an meine Predigt, als Petrus einen Lahmen geheilt hat. Der erste Unterschied zu all den anderen Menschen: Er hat diesen Mann angesprochen! Ihn wahrgenommen und zu ihm gesprochen, nicht über ihn. Petrus nahm den Mann bei der Hand und führte ihn zurück in die Gesellschaft. Worte, die uns wieder miteinander verbinden, die Brücken schlagen, wo Menschen durch einen Abgrund voneinander getrennt sind.

Das Gefühl: Ich erinnere mich dabei an ein „ok“. Kleiner als zwei Buchstaben wird es wohl kaum mehr, aber die Wirkung ging weit darüber hinaus. Es war das ok zu meinen Ideen, meinen Projekten und Versuchen, die diese Gemeinde so offen angenommen hat. Zwei zusammengefügte Buchstaben haben es geschafft, eine Vielzahl an Gefühlen auszulösen. Es war das darin enthaltene Vertrauen und die mitschwingende Erlaubnis „sei wie du bist“, die aus einem einfachen „ok“ ein gutes Wort gemacht haben.

Die Stille: Die Stille als ein Ausdruck für „ein gutes Wort“? Ja! Denn wenn alles gesagt ist, kann das zu einem gegenseitigen, tiefen Verständnis führen. Oder auch einfach nur die Stille nach einem guten Gespräch, um das eben Gehörte nachwirken zu lassen.

Wenn dieser Gemeindebrief herauskommt, geht es für mich langsam in den Endspurt meines Vikariats in Hallein. Zeit, sich noch einmal zu erinnern, was in diesen zwei Jahren alles passiert ist. Keine Sorge, es kommt jetzt nicht zu einer Auflistung diverser toller Momente, denn ich glaube, es spricht für sich, wie ich meine Zeit in Hallein empfunden habe, wenn ich sage: Mir fehlen die Worte. Ich hätte mir eine Gemeinde wie Hallein selbst nicht besser wünschen können und bin dankbar für das Erlebte und natürlich die Dinge, die in der verbleibenden Zeit, noch auf mich zukommen werden.

Euer Vikar Jörg Kreil