Von kleinen wunderbaren Worten

Es war einmal ein Junge, sein Name war Sebastian. Er lebte in einem Kinderheim in Kolumbien. Sebastians Eltern waren bei einem Unfall gestorben und er hatte leider keine anderen Verwandten.

Darum lebte er in einem kleinen bescheidenen Kinderheim. Das Leben dort war ganz gut. Er lernte schreiben und lesen, hatte genug zu essen und viele Freunde. Aber Sebastian wünschte sich aus ganzem Herzen eine große Familie. Er wollte viele Geschwister und vor allem eine Mutter und einen Vater. Im Kinderheim ging es ihm zwar gut, aber eine Mama und einen Papa zu haben, die immer für einen da sind und ihn lieben um seinetwillen, das war das Größte und Beste, das er sich wünschen konnte. Und natürlich wünschte er sich auch viele Geschwister.

Was er anfangs nicht wusste war, dass das Kinderheim bei einem tollen Urlaubsprogramm mitmachte. Das Programm sah vor, dass ein paar Kinder 5 Wochen bei einer Familie in den USA verbringen sollten. Sebastian wurde von Jo Ben und Amanda Barkey auserwählt und so kam es, dass dieser kleine Junge 5 Wochen bei der Familie Barkey in Kalifornien verbringen sollte. Die Familie Barkey hatte auch 4 Kinder: Asher, Judah, Mishayla und Jamie.

Anfangs war Sebastian sehr aufgeregt und wusste nicht, was auf ihn zukam. Er setzte sich ins Flugzeug und kam in den USA an. Mrs. und Mr. Baker warteten schon aufgeregt am Flughafen, und Sebastian wirkte etwas verunsichert. Als sie sich kennengelernt hatten und die Eltern mit Sebastian zu sich nach Hause fuhren, wurde er schon etwas lockerer und er begann sich wohler zu fühlen. Als sich jedoch die Haustür öffnete, wurde ihm ganz warm ums Herz! Die vier Kinder der Barkeys stürmten auf ihn zu und behandelten ihn, als wenn sie Sebastian schon ewig kennen würden und einfach schon lange nicht mehr gesehen hatten.

Sebastian blühte auf und es waren die schönsten Wochen seines Lebens. Sie machten tolle Ausflüge. Die Familie zeigte ihm viel von Kalifornien und von ihrem Leben dort. Sie gingen auf den Spielplatz, machten Spiele-Abende, kochten und aßen zusammen und er hatte sogar sein eigenes Zimmer, um sich zurückziehen zu können. Sebastian hatte von Anfang an das Gefühl, zu dieser Familie dazuzugehören und nicht nur ein Gast auf Zeit zu sein. Für Sebastian war das alles überwältigend und er betete zu Gott, dass die Zeit nie vergeht und er für immer bei den Barkeys bleiben könnte. Aber leider verging die Zeit wie im Flug und Sebastian musste schweren Herzens seine Koffer packen, umwieder nach Kolumbien zurück zu fliegen. Auch die Kinder der Barkeys wurdensehr traurig, als Sebastian sie wieder verlassen musste und nun standen alle am Flughafen, lagen sich in den Armen und weinten, weil Sebastian gehen musste.

Als die Familie wieder zu Hause war und der Alltag einkehrte, merkten sie, welch großes Loch Sebastian bei ihnen hinterließ und wie sehr er ihnen fehlte. Amanda und Jo Ben redeten lange miteinander und diskutierten viel mit ihren Kindern. Zuerst wollten die Eltern die Kinder trösten und versprachen bald in Kolumbien Urlaub zu machen, um Sebastian wieder zu besuchen, doch schnell wurde der Familie klar, dass das für sie zu wenig gewesen wäre. Sie hatten alle diesen kleinen Jungen sosehr in ihr Herz geschlossen, dass sie beschlossen, Sebastian für immer zurückzuholen. Somit beschlossen die Barkeys, Sebastian zu adoptieren. Nachdem alle rechtlichen Fragen geklärt wurden und nichts mehr der Adoption im Wege stand und auch die Immigration des Jungen in die USA genehmigt wurde, riefen sie per Videotelefon bei Sebastian im Kinderheim an.

In der Zwischenzeit verbrachte Sebastian seine Zeit wieder im Kinderheim, aber er sehnte sich nach der Familie zurück. Er haderte etwas mit Gott und fragte sich, warum er seine Gebete nicht erhörte, denn er wünschte sich doch nicht allzu viel, oder? Aber er fügte sich doch seinem Schicksal und ging wieder zur Schule und lebte weiter im Kinderheim. Doch eines Tages kam die Heimleiterin zu ihm und meinte, dass er sofort kommen müsse, er wird am Telefon verlangt. Nun saß er da, sah die Familie auf dem Bildschirm und konnte kaum seinen Ohren und Augen trauen, als die Kinder ihre Bilder in die Luft hielten und Jo Ben fragte: „Möchtest du für immer bei uns leben und ein Teil unserer Familie werden?“. Sebastian rief: „JA“ und alle lachten und weinten gleichzeitig.

Ein paar Tage später flog die ganze Familie Barkey zusammen nach Kolumbien,um Sebastian abzuholen. Sie blieben ein paar Tage dort und schließlich nahmen sie ihren ‚neuen Sohn‘ mit nach Hause nach Kalifornien. Sebastian wird wohl niemals diese Worte vergessen, die ihm so gut taten, und sein Leben ein für alle Mal komplett veränderten. Er bekam alles, was er sich so sehnlichst gewünscht hatte, und ich denke, auch Gott hat alles mit einem kleinen Lächeln beobachtet.

Yvonne Ennsmann (nach einer wahren Geschichte)