Reformation – Mut zur Veränderung,
mehr Mut als manchmal vorstellbar ist

Martin Luther

Schon in den 1520er Jahren hatte die Reformation im Fürsterzbistum Salzburg viele Anhänger gefunden, obwohl ausschließlich die katholische Religion erlaubt war. Daher lebten diese als Geheimprotestanten im Salzburger Land.

Leopold Anton von Firmian versuchte 1729, die allgemeine Frömmigkeit im Land zu fördern, und rief aus Bayern die Jesuiten in das Land, um mit ihrer Hilfe das evangelische Glaubensbekenntnis auszurotten. Ketzergerichte fanden statt, die Kerker füllten sich, hohe Geldstrafen wurden verhängt. Aber alle Bekehrungsversuche hatten nur den Erfolg, dass die Evangelischen sich zu umso freudiger zum Bekenntnis ihres Glaubens zusammen schlossen.

Am 10. Juli 1731 überreichten die Protestanten ein Schriftstück, in dem sie sich offen zum evangelischen Glauben bekannten und mitteilten, dass sie sich an das »Corpus Evangelicorum« in Regensburg gewandt und um Hilfe angerufen hätten. Außerdem wurde der „Salzbund“ gegründet, bei dem vor der Eröffnung der Verhandlungen einer nach dem andern die Finger der rechten Hand in ein Salzfass tauchte und schwor, dass er bei dem evangelischen Glauben beharren und sich durch nichts davon abbringen lassen wolle.

Firmian stempelte die gemeinsame Verabredung des „Salzbundes“ zum Verbrechen der Rebellion und unterzeichnete am 31. Oktober 1731 den Emigrationserlass. Im Spätherbst und Winter 1731/32 wurden 4000 bis 5000 Mägde ohne Vorwarnung gefangen genommen und außer Landes gebracht.

Ihre Verteilung in den protestantischen Gegenden Süddeutschlands bereitete erhebliche Probleme. Zwischen Mai und August 1732 verließen dann vor allem Handwerker­ und Bauernfamilien das Land. Sie zogen auf Geheiß von Friedrich Willhelm I. geschlossen nach Preußen. Einige hundert der Ausgewiesenen überlebten die mühsamen Märsche im Zuge der Vertreibung nicht.

Die Wartburg

Nach Zusage des niederländischen Gesandten machten sich ca. 780 Personen, vor allem lutherische Bergknappen des Bergwerks Dürrnberg und ihre Angehörigen, im November 1732 auf die Reise in die Niederlande. Nach einer beschwerlichen Fahrt kamen sie im März 1733 auf der Insel Cadzand an. Da sie entgegen den Zusagen über die ganze Insel verteilt wurden und mehr als einhundert der Emigranten an einer Fieberepidemie starben, entschlossen sich nur 42 Familien im Land zu bleiben. Die anderen ließen sich in der Umgebung von Nürnberg nieder.

Wenige hundert Emigranten fanden Zuflucht in Nordamerika. Gut dreißig Kilometer nordwestlich der Stadt Savannah in Georgia gründeten sie die Siedlung Ebenezer. Durch das raue, ungesunde Klima starben in der Anfangszeit vor allem viele Kinder.

Insgesamt haben sich über 20 000 Protestanten aus Glaubensgründen entschlossen ihre Heimat zu verlassen, mehr als ein Siebtel der Bevölkerung des Landes Salzburg.

Ursula Brandweiner