Sonntagsgruß zum 22. Mai 2022

[20.05.2022] Sonntag Rogate

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet.“ (Psalm 66,20) – so lautet das biblische Wort für diesen Sonntag und die kommende Woche.

Dieses Psalmwort drückt das tiefe Vertrauen des Beters bzw. der Beterin aus: Gott hört mich, wenn ich zu ihm bete, also mit ihm spreche. Er hört mein Danken und Loben, aber auch meine Bitten und Klagen. Es sieht und weiß, wo es mir gut geht, und mein Leben gelingt, aber auch, wo ich nicht mehr weiterweiß, wirklich in Not stecke. Und vor allem: Gott ist und bleibt mir gnädig und barmherzig zugewandt.

Aber Beten ist mehr, als dass ich mit Gott spreche – laut oder leise, daheim, in der Kirche oder auch auf dem Fahrrad, im Freien in Gottes wunderbarer Schöpfung.

Beten bedeutet auch, wie es Søren Kierkegaard ausdrückte: „Beten heißt: Still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.“
Beten ist also keine Einbahnstraße, kein nur vor mich Hinreden oder gar mit mir selbst Reden, sondern wenn ich bete, erwarte und hoffe ich auf eine Antwort Gottes.

Für mich ist dabei klar: diese kommt nicht auf Knopfdruck, sondern es braucht Zeit und Geduld, um Gott zu spüren und zu hören. Gott antwortet mir auf andere Weise als ein Mensch. Und es kann auch sein, dass Gottes Antwort anders ist, als ich es mir erwartet habe. Es tut sich zwar eine Tür für mich auf, doch vielleicht nicht die, die ich mir erwünscht habe.

Im Vaterunser spreche ich es zwar immer wieder „dein Wille geschehe“, aber es fällt mir dann schwer zu akzeptieren, wenn Gott meine Pläne durchkreuzt, wenn es anders kommt, als ich es mir erträumt habe.

Dann bin ich enttäuscht, manchmal fühle ich mir sogar von Gott im Stich gelassen, obwohl ich doch eigentlich weiß, dass Gott mich nie und nimmer verlässt. Doch mein Gefühl ist manchmal stärker als mein Vertrauen…

Dieser Sonntag fordert mich auch, mir immer wieder Zeit zu nehmen zum Beten, in die Stille und die Einsamkeit zu gehen, um Gott zu erzählen, was mich bewegt und auf ihn zu hören.

Oder auch mit anderen gemeinsam zu beten, im Gottesdienst oder Zuhause. Denn oft hilft mir die Gemeinschaft mit anderen, brauche ich die feste Zeit, das Ritual, damit im Trubel des Alltags das Gebet nicht untergeht, ich vor lauter Aufgaben und Beschäftigungen darauf vergesse.

Beten ist für mich deshalb auch eine Unterbrechung, eine wohltuende Pause. Unser Mittagsgebet am Freitag erlebe ich in besonderer Weise so.

So hoffe ich mit dem Apostel Paulus auf den Heiligen Geist, der mir beten hilft!

Euer Pfarrer Peter Gabriel