Sonntagsgruß zum 12. Juni 2022

[10.06.2022] Sonntag Trinitatis

Liebe Mitglieder unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

„Ich bin wunschlos glücklich!“ – vielleicht habt ihr das schon einmal zu jemandem gesagt? Oder es zur Antwort bekommen, z.B. auf die Frage, was jemand braucht.

Wahrscheinlich ist das so eine Redensart. Und sie meint meistens nur so viel, dass jemand eben gerade nichts Konkretes mehr von mir braucht. Aber ich möchte auf diese Redensart einmal etwas genauer schauen: Wäre das nicht ziemlich furchtbar, „wunschlos glücklich“ zu sein.

Ich meine: Wer sich nichts mehr wünscht, findet sich mit allem ab, was es an Grausamkeiten auf dieser Welt gibt. Das gnadenlose Aufrechnen und Vergelten, der zerstörerische Hass, die tödliche Einsamkeit – all das hätte das letzte Wort. Ich meine: Da gibt es noch sehr viel, was ich mir wünsche.

Unser Glaube hält diese Wünsche wach. Gott sei Dank lässt mich unser Glaube daran festhalten, dass es eine ganz andere Wirklichkeit gibt, die den Grausamkeiten auf dieser Welt entgegentritt: Die Wirklichkeit Gottes.

Ich finde es spannend, dass der Apostel Paulus diese Wirklichkeit Gottes als Wunsch beschreibt:
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! (2 Kor 13,13)

Dieser Wunsch wird auch heute oft als so genannter Kanzelgruß verwendet, also als Gruß an die Gemeinde, wenn der Prediger oder die Predigerin die Kanzel betritt und die Predigt beginnt.

Und das heißt doch: Ich stelle mich als Prediger mit meinen Wünschen hinein und lade die Gemeinde ein, sich mit ihren Wünschen hineinzustellen in diese ganz andere Wirklichkeit Gottes: Gütig aufeinander zu schauen, weil wir die Gnade, die sich in Jesus Christus gezeigt hat, alle brauchen; der Liebe zu vertrauen, die nicht aufgibt, weil Gott uns nicht aufgibt; die Gemeinschaft zu wagen, weil der Heilige Geist Grenzen überwindet.

Der Sonntag Trinitatis, das Fest der Dreieinigkeit Gottes, lädt uns ein, dieser dreifachen Kraft des einen Gottes zu vertrauen. Und vielleicht können wir dann sagen:
„Ich bin wunschvoll glücklich.“

Peter Pröglhöf