Sonntagsgruß 10.10.2021, Erntedank

[08.10.2021]

Liebe Mitglieder unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Am vergangenen Montag habe ich schon ein Erntedankfest mitfeiern dürfen. Als Schulseelsorger für die Evangelischen Schulen in Salzburg war ich bei den Jugendlichen in der Orientierungsstufe. Das ist eine Schule für 15 – 19jährige mit Beeinträchtigungen, in der sie besonders dabei gefördert werden, einmal ein selbstständiges Leben führen zu können. Einen Teil der Unterrichtstage lernen sie im Gebäude der Evangelischen Mittelschule, einen Teil im Evangelischen Oberstufengymnasium, sodass sie dort zum Schwerpunkt der Inklusion beitragen. An jedem Montag aber haben sie Unterricht auf einem Bauernhof!

So war ich also letzten Montag auf dem Bauernhof dabei. Die Jugendlichen haben dort ein eigenes Gemüsefeld, auf dem sie das ganze Jahr fleißig arbeiten. Das selbst geerntete Gemüse lernen sie auch zuzubereiten und genießen es, sich selbst versorgen zu können. Was für eine beglückende Erfahrung, das Wachsen, Gedeihen und Ernten mit den eigenen Augen zu sehen, mit den eigenen Händen zu fühlen, die Berührung mit Erde, Natur und Leben zu spüren.

Nach einem Dank-Tanz sind wir miteinander hinausgezogen auf das Feld, Lehrerinnen, Eltern, Jugendliche, der Zivi und ich, ich habe eine Geschichte erzählt, wir sind in einer langen Reihe über das Feld gegangen, haben uns bedankt für all das Gute, das uns geschenkt wurde und noch ein paar Köstlichkeiten geerntet. Zurück auf dem Hof gab es eine herrliche gemeinsame Jause.

Die meisten von uns haben kein eigenes Gemüsefeld. Aber wir haben alle so viele Momente des Erntens in unserem Leben, die uns oft gar nicht richtig bewusstwerden: Da ist etwas gelungen, das ich mir vorgenommen habe, da sind meine Kinder einen wichtigen Schritt in ihrem Leben weitergekommen, da habe ich eine Ausbildung abgeschlossen oder ein Arbeitsjahr erfolgreich beendet. Was für eine beglückende Erfahrung, dafür bewusst Danke zu sagen. Ich fühle mich verbunden mit dem Grund des Lebens, der mich trägt, weiß mich geliebt von dem Gott, der es gut mit mir meint, spüre, dass ich nicht alles selber in der Hand habe und auch nicht alles in der Hand haben muss.

Am kommenden Sonntag – im Gottesdienst für Jung & Alt – feiert unsere Gemeinde (heuer ein wenig später als sonst) Erntedank. Lasst euch hineinnehmen in den freudigen Ruf: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“
(Ps 103,2)

Peter Pröglhöf

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