Sonntagsgruß vorletzter Sonntag des Kirchenjahres, 14.11.2021

[12.11.2021]

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Die Blätter fallen von den Bäumen, die Natur bereitet sich auf ihren Winterschlaf vor – und wir Menschen gedenken im November unserer Verstorbenen.
Viele von uns waren Allerheiligen oder Allerseelen auf dem Friedhof an den Gräbern unserer Lieben, am Toten- oder Ewigkeits-Sonntag (heuer der 21. November) nennen wir im Gottesdienst die Namen all der Menschen aus unserer Pfarrgemeinde, die im vergangenen Jahr verstorben sind.

Die Beschäftigung mit dem Tod lässt in mir die Frage laut werden: was ist danach? Da gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen, die Bibel und wir Christen und Christinnen hoffen und vertrauen: nach dem Tod gibt es ein Leben bei Gott, in seiner Ewigkeit.

In seinem zweiten Brief an die christliche Gemeinde in Korinth beschreibt der Apostel Paulus das so (2. Korinther 5,1):
Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.

Ja, unser Haus, unsere Wohnung, unsere Behausung ist uns sehr wichtig. „My home is my castle“ heißt es. Viele Menschen haben sich mit ihrer eigenen Hände Arbeit ein Heim, ein Zuhause geschaffen. Manche mussten schmerzhaft erleben, wie sie aus ihrer Heimat vertrieben wurden oder fliehen mussten. Manche leben seit Geburt immer in demselben Haus, andere sind schon vielfach übersiedelt.

Wenn ich ehrlich bin, weiß ich: mein Zuhause schenkt mir keine hundertprozentige Sicherheit. Und ich kann es nur auf eine begrenzte Zeit bewohnen. Wenn ich sterbe, kann ich mein Haus nicht mitnehmen, es ist sozusagen eine Leihgabe auf Lebenszeit. Das meint Paulus, wenn er von einer „Hütte“ spricht.

Paulus denkt aber auch an den menschlichen Körper als meine Behausung hier auf Erden. Auch dieser Körper, mir von Gott geschenkt, hat nur eine begrenzte Lebensdauer. Zwar haben wir es mit unserem medizinischen Fortschritt geschafft, die Lebenserwartung der Menschen zu steigern, aber für immer und ewig ist unser Körper nicht gebaut.

Paulus ist jedoch voller Hoffnung: wenn ich sterbe, bekomme ich in doppelter Weise ein neues Haus bei Gott, in seiner Ewigkeit. Damit ist eine himmlische Wohnung gemeint, aber eben auch ein neuer, ein Auferstehungskörper.

Wie der genau aussehen wird, kann ich mir nicht vorstellen, aber wenn ich vertraue, ich bin ein einmalig von Gott geschaffener und geliebter Mensch, dann bin das noch Ich, dann ist meine Identität, das, was mich auszeichnet, noch erhalten und lebt weiter bei Gott.

Mich tröstet diese Vorstellung im Blick auf den Tod lieber Menschen und auch dann, wenn ich an mein eigenes Sterben denke.

Euer Pfarrer Peter Gabriel

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