Sonntagsgruß Ewigkeits-Sonntag, 21.11.2021

[19.11.2021]

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Toten- oder Ewigkeits-Sonntag – mit diesen beiden Namen wird der letzte Sonntag des Kirchenjahres, der Sonntag vor dem 1.Advent, bezeichnet. Evangelische Christen und Christinnen gedenken an diesem Sonntag der Verstorbenen des vergangenen Jahres. Im Gottesdienst werden ihre Namen genannt und für jede und jeden eine Kerze entzündet.

Dieses Totengedenken wendet meinen Blick zurück: ich denke an das Leben des geiebten Menschen, erinnere mich, was ich mit ihm gemeinsam erleben durfte, was sie mir geschenkt und für mein Leben mitgegeben hat. Auch die Bilder von den letzten Stunden, dem Abschiednehmen, von Trauerfeier und Beerdigung sind noch einmal sehr präsent. Wieder steigen Trauer und Tränen in mir hoch, denn noch immer schmerzt mich der Verlust, erlebe ich das Verlassen-Sein.

Wie gut, dass ich in meiner Traurigkeit zu Gott kommen darf, und gewiss sein kann: Er zählt meine Tränen und sammelt sie in einem Krug (Psalm 56,9). Ich will der Zusage Gottes trauen: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jesaja 66,13) Gerade in Not und Elend, in Trauer und Leid ist Gott mir nahe, denkt an mich und umhüllt mich stärkend mit seiner Liebe und seinem Segen. Gott nimmt mich in meiner Traurigkeit ernst – und richtet meinen Blick zugleich nach vorne, gibt mir Einblick in seine Ewigkeit und Herrlichkeit. Die Bezeichnung Ewigkeits-Sonntag drück die christliche Hoffnung aus: der Tod bedeutet nicht das Ende, schon gar nicht den Abbruch der Beziehungen.
Wie ich über den Tod hinaus mit den Verstorbenen verbunden bleibe, ebenso bleibt auch Gott mit ihnen in Verbindung, sie sind und bleiben seine geliebten Kinder.

Gott sagt mir und allen Menschen zu: „So will ich doch deiner nicht vergessen. Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet.“ (Jesaja 49,15-16)
Die Auferweckung Jesu Christi am Ostermorgen machte den Anhänger*innen Jesu deutlich: Der Tod hat seine Macht verloren, Gottes Liebe hat den Tod besiegt. Was Jesus von der liebenden Nähe Gottes erzählt, wie Jesus die Einladung Gottes gelebt hat, das bleibt gültig. Auch ich werde nach meinem leiblichen Tod bei Gott weiterleben, der Tod ist eben nicht das Ende, sondern der Übergang in das neue Leben bei Gott.

Bildlich gesprochen: an der großen Tafel Gottes wechsele ich nur von der Seite auf der Erde auf die himmlische Seite, bleibe jedoch Gast am selben Tisch, an den mich Gott eingeladen hat. Dort an Gottes Tisch erwarte ich das endgültige Neuwerden dieser Welt (Off. 21,4): „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.“

Gestärkt in dieser Hoffnung will ich diesen Sonntag feiern!

Euer Pfarrer Peter Gabriel

Der Sonntagsgruß als pdf-Datei