Sonntagsgruß 1. Advent, 28.11.2021

[26.11.2021]

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

  • Es kommt die Zeit“ – in der wir den Advent wieder mit unserem Pfarrhaus-Basar unseres Bastelkreises und dem legendären Adventssingen beginnen.
  • Es kommt die Zeit“ – in der wir unsere traditionellen Advents-Gottesdienste mit viel Gesang, ohne Maske und Abstand in der besinnlichen Schaitbergerkirche feiern.
  • Es kommt die Zeit“ – in der wir die Wochen vor Weihnachten mit dem Flanieren auf den großen Adventsmärkten und den geschmückten Einkaufsstraßen genießen.
  • Es kommt die Zeit“ – in der unsere Terminkalender wieder mit beruflichen, vereinlichen oder freundschaftlichen Weihnachtsfeiern gefüllt sein werden.

Was machen diese Zurufe mit Euch? Wecken sie auch in Euch eine wehmütige Sehnsucht? In mir auf jeden Fall! Sie gehen mir gscheid ab, unsere wertvollen adventlichen Traditionen. Nun schon das zweite Jahr in Folge. Ich bin auch echt frustriert, warum es in unserer hochentwickelten Demokratie nicht gelingen konnte, diesen weiteren Lockdown-Advent zu vermeiden. Auch wenn ich den Umgang unsrer politischen Leiter*innen miteinander alles andere als dienlich finde – ich möchte nicht mit ihnen tauschen! Schimpfen und einander Beschuldigen bringt uns jedenfalls nicht aus der Pandemie. Wenn wir den Riss sehen, der durch unsere Gesellschaft, ja sogar durch manche Familien geht, gewinnt die Verheißung Jeremias wertvolle Aktualität:

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerech- tigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: »Der HERR ist unsere Gerechtigkeit«. (Prophetenbuch Jeremia, Kapitel 23)

Es ist Gottes Versprechen, dass der Priester und Prophet hier ausgesprochen hatte. In einer Zeit, in der die Leiter des Volkes dessen wehmütigen Sehnsüchten nicht entsprechen wollten. Dafür brauche es diesen Spross (Nachkommen) des ehrwürdigen König Davids, der Gottes Eigenschaften verkörpern werde.

Wir Christen interpretieren, dass mit der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus, des Gottessohnes, diese Zeit angebrochen ist. Er hat die göttliche Eigenschaft des gerechten Umgangs mit Jederfrau und Jedermann verkörpert. Er hat auf Risse in der damaligen Gesellschaft und in Familienbanden hingewiesen und Wege aufgezeigt, diese zu überwinden. Als seine Nachfolger*innen hat er uns beauftragt und durch seinen Geist befähigt, dieser Zeit der Gerechtigkeit Raum zu verschaffen und so den inneren wehmütigen Sehnsüchten zu entsprechen.

Es ist diese Zeit gekommen! – auch und ganz besonders heuer: Es ist Advent, unabhängig von der Möglichkeit und Verwirklichung unserer äußerlichen Traditionen. Die innere Ankunft unseres Herrn und seiner immer zuerst mich selbst ergreifenden Gerechtigkeit.

Lasst sie uns willkommen heißen!
Pfarrer Jens-Daniel Mauer

Der Sonntagsgruß als pdf-Dokument