Sonntagsgruß 2. Advent, 05.12.2021

[03.12.2021]

„Seht auf und erhebt eure Häupter“ (Lukas 21,28)

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

„Steht auf für den KAC!“ So hab ich es im Klagenfurter Eishockeystadion gelernt, als ich im zarten Alter von 13 Jahren begann, mir je nach finanzieller Lage und Übernachtungsmöglichkeit ein Spiel anzusehen. KAC ist für alle Unwissenden der österreichische Rekord-Eishockeymeister. 32 mal durfte diese Mannschaft Meister werden. Kein anderer Eishockey-Verein hat das in Österreich bisher geschafft.

Um bei einem Hockeyspiel müde und bequeme Zuschauerknochen aus den Sitzen zu erheben, braucht es motivierte Menschen. „Einpeitscher“ werden sie genannt, auch „Capos“ (italienisch für „Kopf“) oder zu neudeutsch „Babo“. Menschen, die ihre Fans motivieren, sind wichtig. Sie tragen die Kraft aus den Kulissen direkt auf das Spielfeld. Sie können zum 12. Mann einer Mannschaft werden, um sich des Fußballjargons zu bedienen. Gute Capos achten darauf, dass selbst bei einer drohenden Niederlage ihrer Mannschaft die Fangesänge nicht verklingen. Die Fans stehen treu hinter ihrem Verein, ob in Freud oder Leid. Capos müssen aber auch gleichsam darauf schauen, dass eine Flaute in den Zuschauerrängen rasch beendet wird. Wenn die Fans ihren Verein nicht mehr anfeuern, dann hat die Mannschaft ein Problem. Ihr fehlt die moralische Unterstützung von der Tribüne. Zuschauer und Spieler bilden gewissermaßen eine Einheit.

Im eigenen Spiel des Lebens gibt es gleichsam Phasen, in denen man das Gefühl hat, es rennt richtig gut. Man betrachtet sich gerne selbst, kauft sich Popcorn, ist begeistert von den ausgeklügelten Moves und Spielzügen. Hier braucht es keinen Capo, der einpeitscht. Energiegeladen lässt man bei den Treffern die Angewohnheit des Sitzens hinter sich. Übertriebene Freude ist nicht immer gut, der Capo mahnt zumindest davor. Es gibt aber auch Spiele des Lebens, wo es nicht glatt läuft. Man steht am Spielfeld und weiß nicht, wohin es gehen soll. Wo ist der Puck bzw. der Ball in meinem Spiel? Für wen kämpfe ich eigentlich? Man ist verunsichert. Noch dazu kassiert man einen Treffer nach dem anderen. Zuschauen möchte man sich selber nicht. Eher im Gegenteil: Wo ist der nächste Ausgang? Man möchte sich der Schmach des Verlierens rasch entziehen. Für jede vergangene Spielminute möchte man einen Zentimeter tiefer in die Tribüne versinken.

In meinem Leben erlebe ich immer wieder Christus als meinen „Capo“. Er ist der „Babo“, der mich einbremst, wenn ich in Überschwänglichkeit gerate und mich einfach nur mehr „feiern möchte“. Er ist aber auch der „Babo“, der mich dazu anhält, in schwierigen Phasen meines Lebens nicht den Zuschauerrang zu verlassen oder zu resignieren. Nicht aufgeben, selbst wenn ich keinen Weg mehr sehe. Denn die Erlösung kommt eines Tages.

Mit diesem Wort wünsche ich euch allen eine gesegnete Adventwoche und lasst euch von mir sagen:
Im eigenen Leben ist es immer gut zu wissen, wer der Babo ist.

Euer Vikar Thomas Müller

Der Sonntagsgruß als pdf-Datei