Sonntagsgruß 3. Advent, 12.12.2021

[10.12.2021]

Liebe Mitglieder unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

  • Was halten die anderen von mir?
  • Wie komme ich rüber?
  • Welches Bild von mir zeigt mein Auftritt in sozialen Medien?
  • Was werden die anderen denken, wenn sie erfahren, dass …?

Diese Fragen beschäftigen nicht nur Jugendliche. Und wahrscheinlich war das immer schon so. „Was sollen denn da die Leute denken!“ Das hat schon meine Großmutter, Pfarrfrau in Wien, zu meiner Mutter gesagt, als sie ein Kind war und mit ihren Schwestern im Pfarrgarten gestritten hat.

Nur das Umfeld, dem man meint, es recht machen zu müssen, hat sich geändert: Früher war es wohl eher der enge Kreis der Familie, des Dorfes, der Schulklasse, der Arbeitsstelle … Heute ist es fast die ganze Welt: Was über mich im Internet zu lesen und zu sehen ist, wird gleichsam für immer das Urteil über mich bestimmen.

Kein Wunder, dass das Stress erzeugt – nicht nur Jugendlichen, die meinen, ihre Identität gleichsam selbst erschaffen zu müssen.

Halt! Das wäre wohl das Schlimmste an Selbstüberforderung, meine Identität selbst erschaffen zu müssen. Nein, wer ich wirklich bin, das weiß ein anderer:
Der liebevolle Gott, der mich erschaffen hat, mich liebt wie ich bin und mir die Zukunft offenhält.

Der Apostel Paulus schreibt das der Gemeinde in Korinth, und wir lesen davon im Predigttext, der für den 3. Adventsonntag 2021 vorgesehen ist.
(Lest nach: 1. Kor. 4,1-5)
Paulus bringt das in Zusammenhang mit dem Richten: Es ist mir ganz egal, meint er sinngemäß, ob ich von euch Korinthern gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht, denn das einzige Urteil, das für mich zählt, ist das Gericht des Herrn, also von Jesus Christus.

Das einzige Urteil, das zählt – und nicht das Gerede der Leute, und nicht die „Likes“ in sozialen Medien. Denn das Urteil des Herrn „wird auch ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist“ (1. Kor. 4,5) Und da werde ich vielleicht überrascht von mir selber sein: Meine Zukunft ist offen. Ich kann mir noch sehr viel von dem Gott schenken lassen, der die Zukunft kennt.

Ich darf voller froher Erwartung darauf zugehen – nicht nur jetzt im Advent.

Peter Pröglhöf

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