Sonntagsgruß 2.1.2022

[30.12.2021]

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Ein wichtiger Teil des traditionellen Lebens besteht aus Fragesätzen. Da wäre einmal der Nikolo, der die lieben Kinder fragt: „Seid ihr auch alle schön brav gewesen?“. Eine durchaus rhetorische Frage, denn wer traut sich da schon „Nein“ zu sagen? Da wäre die Oma, die ihre Enkerl immer fragt: „Bist du etwa schon satt?“ Und in den Fällen, wo das Essen beschwerlich die Speiseröhre hinunterglitt, kommt die etwas bedrohliche Frage: „Hast eh schon aufgegessen?“ Viele dieser Fragen, die man traditionell in einem gewissen Setting des eigenen Lebens gestellt bekommt, liegen weit (oder weniger weit) in der Kindheit zurück. Es gibt aber auch Fragen, die den Erwachsenen gestellt wird. Traditionell geschieht dies rund um Silvester herum und die Frage dazu lautet wie folgt: „Welche Vorsätze hast du dir für das kommende Jahr gemacht?“

Das Wort „Vorsatz“ kann dabei höchst unterschiedliche Bedeutungen haben. Etwas vorgesetzt zu bekommen, ist nicht unbedingt angenehm. Sei es der leicht verbrannte Milchreis bei Oma oder seien es die meist kurzfristig anberaumten COVID-Verordnungen. Auch der oder dem Vorgesetzten haftet ein Beigeschmack an, dass man sie oder ihn irgendwann unwillentlich vorgesetzt bekommen hat. Warum also tun sich Menschen die Pein an, sich zu Silvester auch noch selber Dinge vorzusetzen? Und weshalb tun sie es jedes Jahr wieder?

Wer sich selbst einen Vorsatz macht, hat die Absicht, Dinge im eigenen Leben zu ändern. Meist handelt es sich dabei um Verzicht oder Reduzierung liebgewonnener Gewohnheiten: Man möchte weniger fettiges Essen zu sich nehmen, weniger rauchen, weniger Alkohol trinken etc. Gleichsam sollen unliebsamere Dinge im Konsum gesteigert werden: Mehr joggen gehen, mehr Ballaststoffe essen, mehr gesund leben und so weiter. Kurzum: Sich etwas vorsetzen heißt, auf einen guten Teil Freude zu verzichten.

Christinnen und Christen scheinen es noch etwas schwerer zu haben. Ihnen ist auch etwas vorgesetzt worden. „Den Herrgott“ haben sie als Vorgesetzten. Aber das erstaunliche dabei ist, dass dieser „zusätzliche Vorgesetzte“ uns nichts vorsetzen will, sondern in unser Leben als Befreier auftritt. Christus im Leben zu haben meint, dass wir von Dingen befreit sind, die wir uns vornehmen, daran scheitern und daran verzweifeln. Christus im Leben zu haben, soll uns zu Dingen ermutigen, die wir tun wollen und darum wissen, dass es nicht schlimm um uns bestellt ist, wenn wir daran scheitern sollten. In der Sicherheit, dass unser Wollen, Tun und Planen in Gottes Macht liegt, haben Christ*innen möglicherweise eine entspanntere Haltung zu Neujahrsvorsätzen. Mit Gottes Schutz und seiner Hilfe machen Vorsätze vielleicht sogar ein bisschen Spaß. Und Christus uns dabei stets Begleiter, gestern und heute und auch in Ewigkeit (Hebräer 13,8).

Ein gesegnetes neues Jahr mit spannenden Plänen wünscht euch
euer Vikar Thomas Müller

Der Sonntagsgruß als pdf-Datei