Sonntagsgruß 9. Jänner 2022

[07.01.2021]

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Zwischen den Jahren waren wir als Familie Skifahren. Ich stand unten am Lift und hab meinen beiden Mädels zugeschaut. Eigentlich hatte ich ihr Kommen auf der Piste erwartet, an ihrer Kurventechnik feilend. Doch stattdessen entdeckte ich die zwei im lichten Wald, direkt neben der Piste. Sie kämpften sich im anspruchsvollen Gelände um die Bäume. Immer wieder setzte es sie auf den Hosenboden, manchmal verloren sie sogar einen Ski. Immer wieder rappelten sie sich auf und machten sich bereit, um ihre Fahrt fortzuführen. Mein Vaterherz wurde von dem Gefühl des Stolzes erfüllt: „Das sind meine Kids!“

Als die beiden dann allerdings auch noch die große Schanze ansteuerten, blieb mein Vaterherz erstmal kurz stehen …

Unsere Kinder übernehmen unser Verhalten. Das wünschenswerte sowie das eher nicht gewünschte. Das liegt einerseits an den Genen, andererseits an der Tatsache, dass sie viel Zeit mit uns verbringen. „Lernen am Modell“ – das ist einfach die effektivste Form menschlicher Entwicklung.

Daran muss ich denken, als ich das Bibelwort lese, das uns in der kommenden Woche begleiten will (Röm 8,14): „Die der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ Kinder Gottes sind wir – er hat uns seinen Geist geschenkt und tut dies immer wieder neu. Die „Gene“ haben wir also. Uns von seinem Geist treiben zu lassen und als seine Kinder in unserem Umfeld erkannt zu werden, das kann ganz verschieden aussehen. Zum Beispiel wie wir umgehen mit „geknickten Rohren“ oder einem „glimmenden Docht“. Vielleicht auch wie wir denen begegnen, die wir für „Blinde“ oder „Gefangene“ halten. Das sind vier Bildvergleiche aus dem aktuellen Predigttext Jesaja 42.

Wie Jesus, unser Herr und Bruder, der Gottessohn, mit solchen augenscheinlich unbrauchbaren Dingen und unattraktiven Begegnungen umgegangen ist, darüber werden wir uns in der Gottesdienstpredigt Gedanken machen. Herzlich Willkommen dazu! Lernen am Modell, das prägt auch unsere Entwicklung als Gotteskinder. Ich will meiner Geistesprägung „Futter“ geben und viel Zeit mit meinem dreieinen Gott verbringen. Außerdem immer wieder ganz bewusst mit Menschen, die den selben Vorsatz, vielleicht als „Neujahrsvorsatz“ verfolgen.

In diesem Sinne grüße ich Euch mit wunderbaren Metaphern einer Liedstrophe aus dem kommenden Sonntagsgottesdienst (EG 251,1):

Herz und Herz vereint zusammen sucht in Gottes Herzen Ruh‘!
Lasset eure Liebesflammen lodern auf den Heiland zu!

Er das Haupt, wir Seine Glieder, Er das Licht und wir der Schein;
Er der Meister, wir die Brüder, Er ist unser, wir sind Sein.

Pfarrer Jens-Daniel Mauer

Der Sonntagsgruß als pdf-Dokument