Sonntagsgruß 16. Jänner 2022

[14.01.2022]

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Es ist schon Mittag. Meine „To do“-Liste heute ist lang. Von den vielen Dingen, die ich heute erledigen muss, habe ich nur eine Aufgabe abgehackt. Ich bin in Gedanken sehr unfokusiert. Ich versuche meine Energie auf die Bahn zu bringen, aber irgendwie schaffe ich es nicht und das frustriert mich noch mehr. Ich gebe „Gleichgewicht finden“ auf meine „to do“-Liste und noch was zu tun macht mich leicht grantig. Ich möchte ein paar Termine absagen, nur damit mein Plan kleiner wird und niemand muss mir entgegenkommen! Das geht aber nicht. Ich habe meine Bürotür zu gemacht und ich enthülle mich herinnen. Selbstschutz. Fremdschutz. Ich bin niedergeschlagen. Ich gebe es ungern zu, aber mein Allgemeinzustand ist heute geschwächt.

Ich schlage meine Bibel auf und lese: 1. Korinther 2, 1-5. Paulus und ich sind gleich gelaunt! Belastet. Frustriert. Entmutigt. Unelastisch. Komisch drauf. „Auch ich, meine Brüder und Schwestern, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu predigen. Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern. Und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft, auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.
Stopp! Einatmen, ausatmen.

Diese Worte von Paulus haben mich genau getroffen, genau in die Mitte meines Zweifels, meines Stresses. Ich komme auch nicht zu euch mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und auf Gottes Kraft. Ich merke in mir sofort eine Wirkung. Der Druck löst sich leicht, den ich seit heute Früh gespürt habe. Einfach einatmen, ausatmen. Ich komme in die Stille. Meine „to do“-Liste ist nicht mehr so wichtig oder überfordernd. Ich muss nicht alles mit meiner Kraft erledigen. Es ist gut so. Ich bitte Gott um Kraft. Seine Kraft. Ich bitte um Erweis des Geistes. Ich spüre Ruhe. Ich spüre meine Füße auf dem Boden. Die Knoten im Bauch sind jetzt weg. Ich genieße die Entspannung im ganzen Körper…

Später werde ich den restlichen Sonntags-Text (1. Korinther 2, 6-10) lesen. Für jetzt hat Gott mir etwas geschenkt. Seine Kraft. Seine Weisheit. Seine Ruhe und Stille. Ich habe mir Zeit für Ihn genommen und es hat sich gelohnt. Ich traue mich jetzt meine Tür zu öffnen. Ich traue mich mit anderen ins Gespräch zu kommen. Ich fürchte mich vor mir selbst und meiner Laune nicht mehr! Ich schaffe meine „to do“-Liste, und kann auch etwas für Andere tun. Es geht mir ganz anders.

Ich bin im Vorbeigehen ins Gespräch gekommen mit ein paar Arbeitskolleginnen. Ich bin nicht allein in meiner Schwäche und betrübten Laune und vielleicht geht es manchen von euch auch so. Ich bin froh, wenn du „nein“ sagst. Aber Paulus hat es bei mir heute rechtzeitig und auf den Punkt genau getroffen. Es geht uns allen nicht immer gut. Und es ist schon wichtig und mutig es zugeben zu können. Es ist aber auch wichtig zu wissen, du musst nicht alles alleine schaffen. Du musst und wirst nicht immer volle Kraft haben. Du musst und kannst nicht alle Antworten und Lösungen haben.

Heute, mit Menschenweisheit komme ich nicht weit. Wie Paulus, meine Worte, meine Weisheit ist zu wenig. Nur mein Glaube, an den Heiligen Geist und die Kraft Gottes hat mich weitergebracht. Zeit- und zwar eh wenig, in Gottes Wort vertieft, ins Gespräch zu kommen mit Gott durch Beten hat Kommunikation für mich mit euch ermöglicht.

Schwache Tagen passieren, aber gut ist es zu wissen, Gott wartet auf die Zeit mit uns. Er hat genügend Kraft für Jeden und Jede. Lad ihn ein. Gleichgewicht gefunden!

Liebe Grüße von deiner Schwester in Christus Jesus,
Suzanne Arensmeyer, Lektorin

Der Sonntagsgruß als pdf-Dokument