Sonntagsgruß zum 13. März 2022

[11.03.2022]

(2. Sonntag der Passionszeit Namen Reminiszere)

Reminiszere, das heißt „Gedenke“, lautet der Name des zweiten Sonntags in der Passionszeit und bezieht sich auf einen Vers aus Psalm 25 (V.6): „Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind!“

In diesen Kriegstagen wollen wir in diese Bitte einstimmen und Gott anflehen, Menschen zu schützen – im Hagel der Granaten und Bomben, auf der Flucht, aber auch die, die als Soldaten kämpfen (müssen).

Und vor allem Gott inständig bitten, die Menschen zur Vernunft zu bringen, die Waffen nieder zu legen und friedlich eine Lösung zu finden. Hoffen, dass Gott Frieden stiftet und seine Barmherzigkeit und Güte zeigt.

So wie er immer wieder in der langen Menschheitsgeschichte, auch gegen alle Unvernunft und Sünde von uns Menschen, sich liebevoll erbarmt und gütig zugewendet hat!

So wie es im Wochenspruch heißt (Römer 5,8):
„Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“
Auch unser nachstehender Sonntagsgruß spricht über den Frieden aus biblischer Sicht

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Immer wieder, aber gerade in diesen vom Krieg gegen die Ukraine gezeichneten Tagen, fasziniert mich die Friedensvision des alttestamentlichen Propheten Micha: „Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken.“ (Micha 4,2-4)

Micha beschreibt sehr klar und eindeutig, wie Frieden möglich ist, was es braucht, damit Friede werden kann:

Da werden aus Waffen und anderem Kriegswerkzeug Geräte gemacht, die zum Bestellen der Felder, zur Erzeugung von Nahrungsmitteln gebracht werden.

Menschen werden nicht mehr eingeschult, mit einer Waffe umzugehen, zu schießen, sie lernen nicht mehr, Krieg zu führen.

Darüber hinaus soll jede und jeder das zum Leben Notwendige haben, damals ein kleines Stück Land, um von den Früchten der eigenen Ernte sich versorgen zu können.

Frieden und Gerechtigkeit hängen für den Propheten aufs Engste zusammen. Nur wenn Menschen nicht hungern müssen, gesehen und geachtet werden und zudem einen sicheren Platz zum Leben haben, ist Frieden.

Die Vision des Micha steht im krassen Gegensatz dazu, was wir gerade erleben müssen: Ein autoritärer Herrscher überfällt gegen jedes Völkerrecht einen Nachbarstaat, lässt seine Soldaten marschieren, Häuser und selbst Krankenhäuser zerstören und unterbindet im eigenen Land jegliche Form von Protest oder Eintreten für den Frieden.

Auch die Ukrainer greifen zu den Waffen und die NATO-Staaten liefern diese, erhöhen ihr Militärbudget, überlegen die Wehrpflicht wieder einzuführen oder zu verlängern. Menschen bangen um ihr Leben, verlieren ihre Heimat, sind auf der Flucht. Frauen und Kinder auf beiden Seiten zittern um ihre Männer im Kampf.

  • Wo sind diejenigen, die auftreten gegen die Rüstungsindustrie, die sich stark machen für Abrüstung auf allen Seiten?
  • Wer schlägt vor, Menschen gar nicht mehr am Dienst mit Waffen auszubilden, sondern das Schulfach Friedenserziehung einzuführen?
  • Wo sind die Maßnahmen aus Politik und Wirtschaft, die die soziale Ungerechtigkeit verringern und ausreichende Lebensbedingungen für mehr Menschen bewerkstelligen?
  • Wer denkt wie Jesus? „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt. 5,44-45)

Auch ich habe keine fertigen Antworten, aber ich will mich von der biblischen Botschaft leiten lassen, gewohnte Denkmuster zu hinterfragen und fantasievoll neue Wege zu gehen – gerade in diesen Tagen der Passionszeit.

Euer Pfarrer Peter Gabriel