Sonntagsgruß zum Palmsonntag, 10. April 2022

[08.04.2022]

Liebe Mitglieder unserer Halleiner Pfarrgemeinde!


Der Palmsonntag steht vor der Tür. In unserer römisch-katholischen Schwesterkirche gehört er zu den beliebtesten Feiertagen. An den Prozessionen und der Weihe der Palmbuschen beteiligen sich viele Menschen, die sonst nicht so oft in die Kirche gehen. Aber auch bei uns Evangelischen ist der Palmsonntag in den letzten Jahren vor der Corona-Pandemie zu einem kleinen Höhepunkt im Kirchenjahr geworden. Ich bin schon gespannt, mit welchen Ideen uns das Jung&Alt – Gottesdienstteam an diesem Sonntag überraschen wird.

Die biblische Geschichte, die an diesem Sonntag im Mittelpunkt steht, kennen wahrscheinlich alle: der Einzug Jesu in Jerusalem. Jesus reitet auf einem Esel in die Stadt. Die Menschen verstehen, worauf Jesus damit anspielt: Ein Friedenskönig war vom Propheten Sacharja so beschrieben worden.
Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ (Sach 9,9).

Weniger bekannt ist vielleicht, wie diese Prophezeiung Sacharjas weitergeht: Alle Streitwagen werden vernichtet, die Kriegsbögen zerstört, es geschieht radikale Abrüstung nicht nur der Waffen, sondern auch der Herzen, denn der König gebietet Frieden unter den Völkern. Schön, wie das Luther ursprünglich übersetzt: „Er wird Frieden lehren unter den Heiden“.

Gerade in diesen Tagen erleben wir auf furchtbare Weise, wie das Gegenteil geschieht. Es bestätigt sich, was der Pazifismus seit langem begreiflich zu machen versucht: Es gibt im Krieg nur Verlierer. Am Ende hat er niemandem etwas gebracht, übrig bleibt nur Zerstörung, Tote, Verwundete, Hass, Hungersnöte auf der ganzen Welt. Der einzige Weg aus dieser Spirale heraus ist der Verzicht auf Gewalt, selbst dann, wenn ich angegriffen werde.

So wie Jesus das gesagt und gelebt hat. Und wir als Christen und Christinnen sollten nichts anderes sagen als ER – auch an diesem Palmsonntag.

Peter Pröglhöf