Sonntagsgruß zum Ostersonntag, 17. April 2022

[15.04.2022]

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offenbarung 1,18)

Mit meinen Schüler*innen der ersten Gymnasiumsklasse habe ich in der letzten Stunde vor den Osterferien die Erzählungen vom leeren Grab gelesen. Einige fragten: Ist das wirklich so geschehen? Oder nur fake? Gab es Jesus überhaupt?

Ich habe ihnen versucht klarzumachen: Jesus von Nazareth hat gelebt und ist am Kreuz gestorben. Aber was genau am Ostermorgen geschehen ist, lässt sich historisch nicht beweisen.

Doch der Glaube der Jüngerinnen und Jünger, dass Jesus von Gott auferweckt worden ist, dass er dennoch der von Gott gesandte Christus ist, ist und war so stark, dass daraus die größte Weltreligion entstanden ist. Nur wegen dieses Osterglaubens feiern wir auch heute noch Ostern, bekennen die Auferstehung Jesu von den Toten.

In dieser Glaubenstradition steht auch das Wort des auferstandenen Christus aus der Offenbarung des Johannes, das biblische Motto für das Osterfest.

Für Christinnen und Christen ist klar oder besser, sie vertrauen darauf: Jesu ist nicht im Tod geblieben, sondern er lebt, er ist lebendig – am Ostermorgen vor ca. 2.000 Jahren genauso wie heute.

Dieses Dasein Jesu zeigt sich in den Erinnerungen seiner Anhänger*innen, aufgeschrieben im Neuen Testament.

Es zeigt sich darin, dass Christen und Christinnen bis heute versuchen, nach den Maximen Jesu zu leben, ihm als Vorbild nachzufolgen. Das ist immer wieder herausfordernd, wenn Jesus uns auffordert, keinen Widerstand zu leisten, nicht mit Waffen zu kämpfen und auch unseren Feind zu lieben. Das kostet immer wieder Überwindung, mich selbst anzunehmen und für meine Mitmenschen da zu sein. Das erfordert Mut, gegen die Gewalt der Mächtigen nach Spuren der Herrschaft Gottes heute unter uns zu suchen und selber Gottes Liebe und Einladung an alle Menschen zu leben.

Jesus hilft mir, immer wieder mein Vertrauen auf Gott zu werfen – auch in stürmischen Lebenszeiten, in Leiden und Not. Sein Gottvertrauen, sein Aushalten auch im Leid am Kreuz gibt mir Kraft, neue Stärke, Gelassenheit und Zuversicht.

Weil ich glaube, dass das Wirken und die Botschaft Jesu eben nicht mit seinem Tod zu Ende ist, sondern bis heute weitergeht, hat für mich der Tod seine letzte, schreckliche Macht verloren. Das letzte Wort hat nicht der Tod, sondern allein Gott.

Was für eine tröstliche Osterbotschaft: der Tod trennt mich nicht von Gott, sondern auch im Tod bin ich bei Gott geborgen. Und wie Jesus den Tod besiegt hat, so hat er auch die Höllentür fest zugesperrt – niemand kommt seit Christi Auferstehung mehr in die Hölle, denn Gott will, dass alle Menschen gerettet werden.

So will ich voller Freude jubeln und einstimmen in den Oster-Ruf: „Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Euer Pfarrer Peter Gabriel