Sonntagsgruß zum 1. Mai 2022

[29.04.2022] 2. Sonntag nach Ostern – Miserikordias domini

Liebe Mitglieder unserer Pfarrgemeinde!

Im Evangelium dieses Gottesdienstes (Joh. 21,15-19) wird Petrus von Jesus beauftragt, seine Sache weiterzuführen – die „Herde Christi“ zu hüten. Im Wochenspruch für die kommende Woche (Joh. 10, 11ff) nennt Jesus sich selbst den guten Hirten.

Die älteste Christusdarstellung – abgesehen von einem Spottbild – zeigt ihn als guten Hirten. In vielen evangelischen Kirchen hat man dies als Altarbild gewählt. Damit wird deutlich: Gutes Hirtenamt orientiert sich immer am Beispiel Jesu und hat die Aufgabe, die Güte Gottes auf Erden sichtbar zu machen. So groß ist die Verantwortung aller Hirtinnen und Hirten in einer christlichen Gesellschaft! Darüber hinaus haben sie aber große Freiheiten, wie sie ihr Amt ausüben. Petrus bekommt keine weiteren Handlungsanweisungen. Gelingen und Versagen sind in unsere Hand gelegt.

Wir sind keine Marionetten Gottes.

In den Kirchen sind die Leitungsämter bekanntlich verscheiden geregelt. In gewisser Weise spiegeln sie sehr weltliche Vorstellungen wie eine Gemeinschaft gut zu leiten sei. Die einen bevorzugen eine straffe Führung. Das erscheint einfacher und klarer. Die Führungsperson entscheidet und setzt dies mit entsprechenden Ordnungsmaßnahmen durch.

Wenn sie es im Sinne Jesu tut, mag das gut gehen. Die Geschichte lehrt allerdings, dass große Macht uns Menschen leicht überfordert.

Unsere Kirche versucht möglichst konsequent den offenen Weg des Miteinander zu gehen. Dieser Weg ist mühsamer, Fehler passieren da auch, aber wir meinen, sie sind leichter zu korrigieren. Manchmal kann das allerdings lange dauern. Zum Beispiel ist es noch nicht so lange her, dass unsere Kirche das Miteinander von Frauen und Männern einigermaßen befriedigend geregelt hat. Nicht alle evangelischen Kirchen sind da so weit. Wir sind heute dankbar für jede Pfarrerin und Kuratorin, die ihre Pfarrgemeinden leiten. Leider sind die Kirchen diesbezüglich kein gesellschaftliches Vorbild, obwohl Jesus die Gleichheit von Frauen und Männern sehr deutlich vorgelebt hat.

Wenn also Jesus zwar einen Mann mit der Leitung der ersten Christengemeinde beauftragt hat, wollte er das ganz sicher nicht zur ewigen Regel machen, sondern lädt uns alle ein, Frauen und Männer, Verantwortung zu übernehmen – jede und jeden in dem Maß und auf dem Platz, wofür wir am ehesten geeignet sin. Im Bemühen um ein gutes Miteinander werden wir immer wieder Gottes segnendes Wirken erleben.

Ihr Pfr.i.R Wolfgang Del-Negro