Sonntagsgruß zum 8. Mai 2022

[06.05.2022] Sonntag Jubilate

Liebe Mitglieder unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Während ich diese Zeilen schreibe, scheint draußen der Sommer anzubrechen. Da ich heute keine Termine auswärts habe, sitze ich in kurzen Sachen an meinem Schreibtisch im Dachzimmer des Pfarrhauses, wo es immer schneller warm wird als unten in den Gemeinderäumen.

So angezogen würde ich niemals eine Schulinspektion machen. Da gehört es sich, dass ich zumindest ein Sakko anhabe (und natürlich eine lange Hose ), meist trage ich
auch Krawatte. Das ist nicht nur ein Signal nach außen, also ein Zeichen der Wertschätzung für die Lehrkräfte und ihre Direktorinnen und Direktoren, die ich besuche. Sondern meine Kleidung wirkt sich auch auf mich selber aus: Ich bin in meiner Rolle. Ich weiß, wer ich bin und welche Aufgabe ich habe.

Das hilft mir zu verstehen, was der Wochenspruch für diesen Sonntag bedeutet:

„Ist jemand in Christus, so ist er neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Korinther 5,17)

In Christus sein: Paulus schreibt an einer anderen Stelle (Galater 3,27): „Ihr habt Christus angezogen“. Ich bin also in Christus wie in meiner Kleidung. Und das wirkt sich auf mich selber aus: Ich bin in meiner Rolle. Ich weiß, wer ich bin und welche Aufgabe ich habe.

Es kann sein, dass ich gestern noch gedacht habe: Mit diesem Menschen kann ich nie wieder ein vernünftiges Wort reden. Aber weil ich Christus angezogen habe, mein „Christus-Sakko“, ist das Alte von gestern vergangen und ich weiß heute: Vergebung ist der einzige Weg, der Menschen trotz aller Unterscheide miteinander leben lässt und ich werde diesen Schritt wagen.
Es kann sein, dass ich gestern noch gedacht habe: Nach dieser Erfahrung kann ich nie wieder glücklich sein. Aber weil ich Christus angezogen habe, mein „Christus-Kleid“, ist das Alte von gestern vergangen und ich weiß heute:

Der, der den Weg durch die dunklen Täler mit mir geht, wird mir auch den Weg ans Licht zeigen.

Wenn das kein Grund zum Jubeln ist – Jubilate!

Peter Pröglhöf