Sonntagsgruß zum 5. Juni 2022

[03.06.2022] Pfingstfest

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

„Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nehmt hin den Heiligen Geist!“ (Johannes 20,21-22) – diese Worte Jesu an seine Jünger und Jüngerinnen sind Teil der Pfingstgeschichte des Johannes.

Während der Evangelist Lukas in der Apostelgeschichte erzählt, wie die Jünger*innen mit Gottes Heiligem Geist erfüllt werden, der wie mit Feuerzungen und heftigem Sturm auf sie herabfällt, sie begeistert und befähigt, von Jesus und seiner Auferstehung zu predigen (Apg. 2), ist es bei Johannes der auferstandene Jesus Christus selbst, der ihnen Gottes Heiligen Geist zusagt!

Dieser Geist Gottes ist einerseits von den 3 Weisen, wie Gott sich uns zeigt, am wenigsten „greifbar“, andererseits ist es gerade die Wirkweise Gottes in mir.

Gott hat in Jesus nicht nur Menschengestalt angenommen, sondern er ist in jeden Menschen eingegangen, ist in mir spürbar, erfahrbar, „in mir drin“.

Das spannt den Bogen zum Anfang der Bibel, als Gott den Menschen zu seinem Eben- oder Spiegelbild schafft. Der Mensch also als Gegenüber, als Entsprechung zu Gott, der sogar einen Funken von Gott, von Gottes Kraft und Weisheit in sich trägt. Was für eine Zusage, was für ein Geschenk!

Doch ich empfinde mich oft als wenig geistvoll, von Gottes Geist geprägt, sondern folge eher meinem eigenen Willen – und handele dann nicht im Sinne Gottes, indem ich andere verletzte und enttäusche, zu wenig auf mich selbst achte oder mich zu sehr in den Mittelpunkt stelle. Gott lässt mir diese Freiheit und hofft doch, dass ich mich immer wieder seiner Liebe und seinem Geist öffne.

Deshalb ist es gut, dass nach der Taufe als Feier der geistbegabten Segnung mir immer wieder Gottes „übertragen“ oder „eingepflanzt“ wird: bei jedem Segnungsakt, besonders bei der Konfirmation, die wir an diesem Pfingstwochenende feiern dürfen!

Gottes Geist verändert und verwandelt mich – immer wieder neu. Ich spüre inneren Frieden, weil ich mich in Gott geborgen weiß, und darauf vertraue: ich bin Gottes geliebtes Kind. So versuche ich, mit Respekt und Frieden anderen Menschen zu begegnen. Das ist wohl das wichtigste, was wir Menschen immer wieder lernen müssen: Friedlich und mit Wertschätzung einander begegnen – im Kleinen wie im Großen.

Deshalb täte uns ein Schulfach Friedenserziehung gut! Und vielleicht auch ein Erwachsenen-Führerschein für den achtsamen Umgang miteinander.

Diesen Frieden und die Liebe Gottes in die Welt hineinzutragen, das erlebe ich als besondere Mission, als Auftrag von uns Christinnen und Christen!

In diesem Sinne wünsche ich euch ein gesegnetes, geisterfülltes Pfingstfest!
Euer Pfarrer Peter Gabriel