Sonntagsgruß zum 3. Juli 2022

[01.07.2022] 3. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Dr. Peter Gabriel

Vor einigen Monaten habe ich auf dem Weg in die Altstadt meinen Schlüsselbund verloren, er ist mir wohl beim Radfahren aus der Hosentasche gefallen. Zigmal bin ich die kurze Strecke abgefahren und abgegangen, um das Verlorene zu suchen. Das ist ganz menschlich, dass ich mich nach Kräften bemühe, etwas wieder zu finden.

Manche Menschen sind nicht nur auf der Suche nach Dingen, sondern auf der Suche nach einer Arbeitsstelle, einem Partner, einer Partnerin fürs Leben, auf der Suche nach Glück und Zufriedenheit, nach einem erfüllten und sinnvollen Leben, auf der Suche nach einem liebenden, sie annehmenden Gott.

So geht es auch dem Zöllner Zachäus, den all sein Reichtum nicht glücklich macht und der deshalb auf einen Baum klettert, um Jesus zu sehen. Denn er hat gehört, wie Jesus von einem Gott erzählt, der alle Menschen annimmt. Das darf Zachäus dann auch erleben, als Jesus mit seinen Jüngern und Jüngerinnen bei ihm zu Gast ist.

Am Ende seines Besuches sagt Jesus, wie er sich und seinen Auftrag versteht. Dieses biblische Wort aus dem Lukasevangelium ist der Spruch für diesen Sonntag und die neue Woche (Lukas 19,10):
„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“

Es ist also nicht nur menschlich, sondern auch göttlich, mit großer Energie, Geduld und viel Aufwand diejenigen Menschen zu suchen, die von ihrem Lebensweg abgekommen sind. Menschen, die sich selbst, ihr Glück, ihre Lebensaufgabe, ja ihr Vertrauen auf Gott verloren haben.

Das ist für mich eine freudige und tröstliche Botschaft! Denn ich hoffe darauf: Gott sucht auch mich, wenn ich vom rechten Weg abkomme, nicht mehr weiter weiß, auch wenn ich manchmal zweifele oder mit Gott hadere, weil mein Leben nicht so verläuft, wie ich es mir erträumt habe.

Aber das Jesuswort spornt mich auch an, in der Nachfolge des Menschensohnes Jesus auf andere zuzugehen, denen es nicht so gut geht wie mir, die „verloren“ sind. Ich will versuchen, ihnen zu helfen, ein besseres, zufriedeneres Leben zu führen. Ich will sie ermuntern, immer wieder ihr Vertrauen auf Gott zu werfen.

Denn das ist ja die Verheißung dieses Bibelwortes: die von Gott Gefundenen werden selig, also glücklich, gehalten, in Gott geborgen sein! Und es ist immer wieder neu Gott selbst, der auf die Suche geht, der niemanden aufgibt und Menschen findet!

Auf solch einen wunderbaren Gott will ich immer wieder vertrauen!
Euer Pfarrer Peter Gabriel