Sonntagsgruß für den Totensonntag

[19.11.2020]

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

„Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Ps. 90,12) – herzlich grüße ich euch mit diesem Psalmwort am letzten Sonntag im Kirchenjahr!

In diesen Novembertagen zwischen Allerheiligen und dem Ewigkeitssonntag erinnern wir uns besonders an unsere Verstorbenen, beschäftigt uns in Zeiten der Corona-Pandemie der Tod vielleicht mehr als sonst. Zu unseren persönlichen Erinnerungen an einen lieben Menschen und der bleibenden Traurigkeit kommen Fragen: Was kommt nach dem Tod, wo sind unsere Verstorbenen, wie sieht ein Leben nach dem Tod aus?

In einem Brief an die christliche Gemeinde in Korinth schreibt der Apostel Paulus, wie er sich das Leben nach dem Tod vorstellt. Er glaubt fest an eine leiblich-körperliche Auferstehung. In der Übersetzung der Basisbibel heißt es (1.Korinther 15,35-38.42-44):

35Jetzt könnte man natürlich fragen: »Wie werden die Toten auferweckt? Mit was für einem Körper werden sie wiederkommen?« 36Was für eine dumme Frage! Das, was du säst, kann nur lebendig werden, wenn es zuvor gestorben ist. 37Und was du säst, ist ja nicht die ausgewachsene Pflanze. Du säst nur ein nacktes Samenkorn, zum Beispiel vom Weizen oder von irgendeiner anderen Pflanze. 38Aber Gott gibt ihm die Gestalt, die er vorgesehen hat. Und zwar jeder Samenart ihre eigene.

42So ist es auch mit der Auferstehung der Toten: Das Leben, das hier auf der Erde gesät wird, ist vergänglich. Aber das Leben, zu dem wir auferweckt werden, ist unvergänglich! 43Das Leben, das hier gesät wird, ist armselig. Aber das Leben, zu dem wir auferweckt werden, ist erfüllt von Gottes Herrlichkeit. Das Leben, das hier gesät wird, ist schwach. Aber das Leben, zu dem wir auferweckt werden, ist voller Kraft. 44Gesät wird ein natürlicher Leib. Auferweckt wird ein vom Geist Gottes neu geschaffener Leib. Wie es einen natürlichen Leib gibt, so gibt es auch einen vom Geist Gottes neu geschaffenen Leib.

Für mich ist das eine befreiende und erlösende Botschaft! Ich muss nicht in immer wieder neuen Körpern hier auf dieser Erde verbringen, um mich zu „verbessern“, sondern ich bin ein einmaliger, besonderer Mensch – mit Körper und Seele, beides gehört zu mir, macht mich, meine Identität aus. Und die bleibt – auch nach dem Tod, auch im neuen Leben bei Gott. Meine Körperlichkeit gehört zu mir – und ist von Gott gut geschaffen, auch wenn ich natürlich mit zunehmendem Alter auch die „Schwachstellen“ merke… – Paulus drückt das mit den Worten „vergänglich, armselig, schwach und natürlich“ aus. Wie wunderbar, dass Gott mir in seiner Ewigkeit einen neuen, unvergänglichen Leib schenkt.

Wie das Weizenkorn im Winter die Dürre überdauert, sich in der Erde verwandelt, um dann als große Weizenpflanze empor zu wachsen, so geschieht es auch mit meinem Körper im Sarg oder in der Urne. Auch wenn ich es mir nicht vorstellen kann, im toten Menschen ist noch Leben und auf ihn wartet neues Leben bei Gott! Da gibt es eine Kontinuität zwischen dem Leben hier und dort, meinem jetzigen und dem neuen Körper. Zugleich ist es auch ein Akt, in dem Gott etwas Neues schafft. Nach dem Tod wartet auf mich eine spannende, neue Zeit, in ganz enger Verbindung mit Gott, da darf ich seine Liebe noch intensiver erfahren.

Mich trösten und ermutigen diese Gedanken des Paulus – im Blick auf meinen eigenen Tod und in Erinnerung an die Menschen, die mir schon zu Gott vorausgegangen sind.

So wünsche ich euch viel Kraft und Segen!
Euer Pfarrer Peter Gabriel

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