Sonntagsgedanken 1. Sonntag im Advent

[27.11.2020]

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

 Es ist Advent, die Zeit der Vorbereitung auf den adventus domini – lateinisch für die „Ankunft des Herrn“. Alle Jahre wieder kommt Er, und doch jedes Mal auf eine gewisse Weise unerwartet.

Im heurigen Corona-Jahr empfinden wir das zumindest besonders zutreffend: Kein Flanieren in den adventlichen Einkaufsstraßen, keine großen Adventsmärkte, unser eigener Bastelkreis-Pfarrhaus-Basar mit dem legendären Adventssingen entfällt, überhaupt sind unsere traditionell-liebgewonnenen Gottesdienste in der besinnlichen Schaitbergerkirche ausgesetzt, nicht zuletzt fehlen 2020 die mit beruflichen, vereinlichen oder freundschaftlichen Weihnachtsfeiern prall gefüllten Terminkalendern!

Wo ist denn da noch etwas erwartbar? Worauf ist Verlass? – „Auf die Botschaft!“ – so lesen wir den Propheten Sacharja uns zurufen. Ja, die Botschaft, die Mission des Ankommenden, die wird in der Tat allerseits sehnsüchtig erwartet …

9 Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. 10 Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde. (Prophetenbuch Sacharja 9)

 Dieser König, Dein Weihnachts-König, IST zu Dir GEKOMMEN. Und er will jedes Jahr neu bei dir ankommen. Mit seiner verlässlichen Botschaft: FRIEDE.

Wir erwarten keinen kriegerischen Heeresführer, hoch zu Ross, unnahbar, der etwa nach kriegerischem Sieg triumphal zurückkehrt. Nein, unser König kommt zu uns nach Österreich, in unsere gesundheitlich und wirtschaftlich krisengebeutelte Lebenssituation. Sinnbildlich demütig, auf einem dienenden Esel, wendet er sich helfend den unter Untergerechtigkeit Leidenden zu. Der auseinanderklaffenden sozialen Schere wirkt er mit seinem pointierten Regierungsprogramm entgegen: „er wird Frieden gebieten“. Mit anderen Worten: Gott unser Herr beauftragt uns, dich und mich, adventliche Friedensstifter zu sein. Wir, die wir überwiegend mit Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit gesegnet sind, dürfen am königlichen Regierungsprogramm mitwirken, indem wir Friedfertigkeit von unserm König lernen. Eine großartige Wertschätzung! Freue dich sehr!

 Die bevorstehende Adventszeit bietet hervorragende Bedingungen für diesen Lehr-, Lern- und Friedensprozess. Lasst uns im Fehlen so mancher Traditionen die Besinnungs-Chance sehen, auf was es dem Ankommenden letztlich ankommt. Nämlich wie wir, in seinem Sinne, Frieden stiften können: ihn in seiner verlässlichen Ankunft in unseren Herzen willkommen heißen, anderen unsere Hilfe zukommen lassen, sozialer Ungerechtigkeit, ja Unfrieden entgegen wirken …

Ein Interaktions-Angebot in der geöffneten Schaitbergerkirche will dabei unterstützen. Zahlreiche Stationen – alleine oder als Familie zu begehen – dürfen uns vom 1. bis inklusive 2. Adventssonntag zur Inspiration werden. Auf dass unsere Vorfreude wächst und wir ins Jauchzen kommen! Denn:   Der König kommt – jetzt erst recht!

Pfarrer Jens-Daniel Mauer &
Gemeindepädagogin Susanne Zippenfenig

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