Gruß zum Weihnachtsfest 2020

[23.12.2020]

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.“ (Lk. 2,1) – wir alle kennen den Beginn der Weihnachtsgeschichte, wie Lukas sie uns erzählt. Auch Josef und die schwangere Maria müssen sich auf den Weg nach Bethlehem machen, wo das vom Engel verheißene Kind in einem Stall zur Welt kommt – „denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“

Der Evangelist macht mit seiner Geschichte deutlich, wie sehr wir Menschen von den Mächtigen und Regierenden bestimmt werden, unser Leben von ihnen reglementiert wird. Für Menschen in Not, für den Durchschnittsbürger ist oft wenig Platz in dieser Welt. Ich empfinde die Worte des Lukas gerade im Corona-Jahr 2020 hoch aktuell.

In diesen Tagen sind wir aufgefordert, uns zum Testen anzustellen. Viele Gesetze und Verordnungen schränken unser Privatleben, unser Reisen, unsere persönlichen Freiheiten massiv ein. Für viele Menschen in unserem Land und weltweit bedeutet das „Zusperren“ aber auch eine wirtschaftliche und soziale Krise. Wo ist Platz für diejenigen unter uns, die vor dem Konkurs ihres Geschäftes stehen oder wegen Kurzarbeit ihren Lebensstandard einschränken müssen? Wo gibt es einen Ort zum Auftanken für diejenigen, die in Spitälern und Seniorenheimen bis an ihre Grenzen arbeiten oder im home-office und gleichzeitiger Kinderbetreuung ausbrennen? Wer lindert die Einsamkeit der älteren Menschen, die aus Furcht vor Ansteckung kaum noch ihr Haus verlassen und niemanden mehr treffen?

Trotz aller Maßnahmen haben unsere Regierenden Weihnachten wie es sonst war nicht „retten“ können, aber dafür gilt gerade in diesem Jahr: Weihnachten rettet! Die Weihnachtsgeschichte des Lukas ist für mich eine Geschichte voller Hoffnung! Sie entzündet Licht inmitten der Dunkelheit! Denn das Kind kommt trotz widriger Umstände dennoch gesund zur Welt – und erfreut nicht nur seine Eltern. Ja, eine Geburt zeugt davon: das Leben behält die Oberhand – auch in Dunkelheit und Zeiten der Krise. Das Geschenk des Lebens erfahren zuerst diejenigen, auf die sonst immer vergessen wird, die Hirten am Rande der Gesellschaft. Oder heute der Sozialhilfeempfänger, die um Asyl Ansuchende, der Mensch ohne Obdach, eine, die keinen Sinn mehr in ihrem Leben sieht…

Wie den Hirten wird ihnen – und mir! – zugesagt: Hab keine Angst! Gott ist da – auch für dich! Gott kommt dir ganz nah, umgibt dich mit seiner Liebe, seinem Licht, schenkt dir neue Kraft. Dafür steht das kleine Jesuskind in der Krippe.

Denn das macht Weihnachten aus: dieses Kind ist nicht irgendein Kind, sondern in ihm kommt Gott in Menschengestalt auf die Erde, wird Mensch – wie du und ich. Das Jesuskind sagt mir: Gott weiß um deine Not, deine Sorgen, deine Ängste – und will dir neu Hoffnung schenken! So bin ich voller Hoffnung, dass auch dieses andere Weihnachten ein erfüllendes, mich an-rührendes Fest wird, dass es auch ein Leben nach Corona geben wird und hoffentlich bald eine uns schützende Impfung.

Letztlich gilt: alles liegt in Gottes Hand, ihm allein gilt die Ehre. Darauf will ich vertrauen!
Ein gesegnetes, besinnliches Weihnachtsfest!

Euer Pfarrer Peter Gabriel

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