Sonntagsgruß 2. Sonntag nach Weihnachten

[02.01.2021]

Liebe Mitglieder unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Wo ist Jesus? Zweitausend und neun Jahre später stellen wir uns diese Frage immer noch! Wo ist Jesus? Im biblischen Wort für diesen Sonntag, Lukas 2, 41-52, haben Maria und Josef Jesus drei Tage lang gesucht. Sie haben wie immer das Passafest in Jerusalem gefeiert und sind nach Hause nach Nazareth gegangen – ohne es zu wissen ohne ihr Kind. Was geht durch den Kopf eines zwölfjährigen Knaben? Was geht durch die Köpfe seiner schockierten Eltern? Sie haben sich umgedreht und sind zu Fuß wieder retour nach Jerusalem gegangen. Nach drei Tagen haben sie ihn im Tempel gefunden – dort mitten unter den Lehrern. Seine Mutter fragte, warum er ihnen so etwas angetan hat, und er fragte zurück, warum sie ihn gesucht haben! Haben sie nicht gewusst, dass er sein muss in dem, was seines Vaters ist? Die Antwort von Jesus hat Maria nicht verstanden, aber sie hat seine Worte in ihrem Herzen behalten.

Der Dichter, Khalil Gibran, hat in seinem Buch „Der Prophet“ geschrieben „Deine Kinder sind nicht deine Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst. Sie kamen durch dich, aber nicht von dir, und obwohl sie bei dir sind, gehören sie dir nicht.“ Vielleicht haben Maria und Josef dies kurz vergessen. Alle von uns über Zwölf wissen es aber – Kinder gehen ihren eigenen Weg. Ob die Erziehungsberechtigen einverstanden sind, das steht nicht in Frage. Die Sehnsucht des Lebens kommt irgendwann hervor.

2021 hat gerade begonnen. Dennoch bleibt die alte Frage. Wo ist Jesus? Ich bin mal so mutig und sage: schau in den Spiegel. Dort ist die Antwort. Schau tief in diese schönen Augen. Ihr Weg ist anders als meiner, anders als der ihrer Nachbarn, anders als der ihrer Eltern oder Verwandtschaft oder Freunde. Es ist deiner; leicht oder schwierig, aber niemals ohne Jesus (wie bei Maria und Josef).

2021 ist hier – mit neuen Erwartungen, neuen Träumen, neuen Wünschen, neuer Motivation. Sei mutig! Lass dich Jesus im Spiegel sehen, vertiefe dich auch in das, was unseres Vaters ist. Nimm dir ein paar Minuten Zeit, täglich, auf der Suche nach Jesus. Er ist da! Überall. In jedem Spiegel. Er ist dort in allem was des Vaters ist.

Jesus sitzt noch im Tempel. Nehmt euch Zeit, Jesus zu suchen, ihn kennenzulernen, Gottes Wort zu lesen, Fragen zu stellen, seine Antworten wahr zu nehmen.

Wenn wir uns Zeit nehmen, Jesus jeden Tag im Spiegel anzuschauen, dann werden wir ihn auch in den Augen von anderen finden. Wir werden Jesus jeden Tag wahrnehmen. Wir müssen ihn nicht suchen, er ist dort, wo er sein soll. Er ist dort in allem, was seines Vaters ist. Sein Tempel ist überall. Die Gnade Gottes macht unsere Augen und Ohren auf und öffnet unsere Herzen. Sein Wort ist in uns eingepflanzt und, wie bei Maria, können wir es in unserem Herz behalten. Dadurch werden die anderen ihn auch in uns sehen. Am Ende des Jahres werden wir nicht fragen, wo ist Jesus? Die Antwort steht fest und ist mutig im Spiegel enthalten.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre Euere Herzen und Sinne in Jesus Christus jeden Tag ins neue Jahr.
Amen!

Suzsanne Arensmeyer

Sonntagsgruß als pdf-Dokument zum Ausdrucken