Sonntagsgruß 1. Sonntag nach Epiphanias

[09.01.2021]

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Am 30. Dezember 2020 hat der designierte US-Präsident Joe Biden noch erklärt, dass „die nächsten Wochen und Monate sehr hart werden“. Seit dem 06. Jänner 2021 wissen wir, dass das in seinem Land wohl nicht nur am Coronavirus liegt, sondern auch an den vergifteten Her- zen vieler Amerikaner. Trauriger Höhepunkt war die Erstürmung des US-Kapitols durch die Anhängerschaft Trumps. Diese Ereignisse sind letztendlich ein weiterer Beleg dafür, wie fili- gran und zerbrechlich unsere Welt ist. Aber so schwierig die Lage auch momentan sein mag, die „Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon“ (1. Johannes 2,8b). Das Licht scheint schon, wir brauchen nicht mehr zu warten, es ist schon da. Hören wir aus der Bibel, was Simeon dazu sagt (Lukas 2,25–35):

Damals lebte in Jerusalem ein Mann, der Simeon hieß. Er hielt Gottes Gebote und vertraute ganz auf ihn. So wartete er auf den Retter, den Gott seinem Volk Israel schickt. Der Heilige Geist leitete ihn. Und durch den Heiligen Geist hatte Gott ihn wissen lassen: „Du wirst nicht sterben, bevor du den Christus des Herrn gesehen hast.“ Jetzt drängte ihn der Heilige Geist, in den Tempel zu gehen. Gerade brachten auch die Eltern das Kind Jesus dorthin. Sie wollten die Vorschriften erfüllen, die im Gesetz für das Kind vorgesehen sind. Simeon nahm das Kind auf den Arm. Er lobte Gott und sagte: „Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden sterben, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, den du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, das für die Heiden leuchtet und deine Herrlichkeit aufscheinen lässt über deinem Volke Israel.“

Der Vater und die Mutter von Jesus staunten über das, was Simeon über das Kind sagte. Simeon segnete sie und sagte zur Mutter Maria: „Sieh‘ doch: dieses Kind ist dazu bestimmt, in Israel viele zu Fall zu bringen und viele aufzurichten. Es wird ein Zeichen Gottes sein, dem viele sich widersetzen. So soll ans Licht kommen, was viele im Innersten denken. Und für dich, Maria, wird es sein, als ob dir ein Schwert durch die Seele fährt.“

Es ist eine schöne Geschichte, dass Simeon sich über den kleinen Jesus so freut. Sein ganzes Leben hat er auf den Erlöser gewartet, dann sieht er ihn und freut sich. In dieser Geschichte kann man hautnah miterleben, wie sich die jahrelangen Hoffnungen eines Mannes letztendlich erfüllt haben. Das Warten, das Bangen und das Hoffen hat ein Ende. Aber das Gefühl der erfüllten Hoffnung ist oftmals ein flüchtiges. Wie hat es Goethe noch so schön formuliert: „Oh Augenblick! Verweile doch! Du bist so schön!“ Es liegt nicht in der Natur des Menschen, sich auf erfüllten Hoffnungen auszuruhen, vielmehr streben Menschen nach noch Höherem. Und grundsätzlich ist das eine gute Eigenschaft, denn ohne neuen Hoffnungen gäbe es keinen Fort- schritt. Man denke an all die Bereiche unseres Lebens, in welchen wir von diesem Streben profitieren.

Ich denke, dass es wichtig ist, sich an schöne Dinge, an Momente der Erfüllung zu erinnern. Das mag das schöne, wenn auch bescheidenere Weihnachtsfest gewesen sein, das kann auch die Erinnerung an die Liebe Gottes sein. Um diese Liebe braucht man nämlich nicht mehr hoffen, die hat Jesus bereits geschenkt. Sie kam ohne unser Zutun, wie das kleine Jesuskind in den Schoß des Simeons.

Ich wünsche euch eine gesegnete Woche!
Euer Vikar Thomas Müller

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