Sonntagsgruß 2.Sonntag nach Epiphanias

[15.01.2021]

Liebe Mitglieder unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

In der Zeit nach dem Epiphaniasfest bedenken wir, wie Gottes Dasein und seine Liebe in unserer Welt deutlich werden, wie das Licht, das im Kind in der Krippe aufleuchtet, in mein Leben scheint.

Die biblischen Texte dieser Zeit verkünden, Jesus ist der Sohn Gottes, der Herr der Welt. Diese christliche Erkenntnis kann nur „gebrochen“, nur als Geheimnis erkannt werden, z.B. beim Evangelisten Johannes am Kreuz. Doch schon im Leben Jesu bekomme ich immer wieder einen Vorgeschmack auf seine Verherrlichung, ja auch einen Vorgeschmack auf das Leben in Fülle, die Freude, die er mir schenken will.

Vielleicht ist es wie bei einer Weinprobe: ich bekomme einen Vorgeschmack auf den leckeren, guten Wein, aber es braucht noch Zeit, bis ich ihn nach ausreichender Lagerung bei mir daheim genießen kann.

Um Wein als Zeichen von Lebensfülle und ausgelassener Feierfreude geht es auch in der Geschichte von der Hochzeit in Kana (Johannes 2,1-11), bei der sowohl Jesus als auch seine Mutter dabei sind. Während Jesus und seine Jünger zur Hochzeit geladen waren, als Gäste des Brautpaares, das jedoch gar nicht in Blick kommt, könnte Maria auch als Nachbarin mitgearbeitet haben, damit das Fest gelingt. Das erklärt auch, warum die Diener ihren Anweisungen folgen. Diese unterschiedlichen Rollen drücken sich in der eher schroffen Antwort Jesu an seine Mutter aus „Was ist mit dir und mit mir?“ oder auf heute übertragen „Lass mich doch in Ruhe feiern!“ Aber Marias Vertrauen ist ungebrochen, sie begleitet Jesus auf seinem Weg und glaubt an ihn.
Das Fest jedoch steht kurz vor dem Abbruch, denn der Wein geht zu Ende. Wasser statt Wein – das klingt für mich wie Lockdown statt fröhlicher Faschingsfeier, wie Distanzlernen statt Schulschiwoche, wie Kurzarbeit statt Erholung mit Urlaubsgeld…

Aber dann die unerwartete Wende und kaum erklärbare Verwandlung: es gibt sogar noch besseren Wein in überbordend großer Menge. Der Wein in den Krügen für die Reinigung heißt: Wir sind schon rein – durch Jesu Dasein, die Zeit der Vorbereitung ist nun vorbei, jetzt können wir Hochzeit feiern, weil Gottes Herrlichkeit offenbar ist.

Solche überschießenden Momente des Lebens, in denen es mehr gibt als das Lebensnotwendige kommen oft unerwartet, wie ein Geschenk, als Zeichen von Gottes Eingreifen: ein Fest, zu dem ich gar nicht gehen möchte – doch dann wird es ein wunderbar entspannter Abend. Eine eher zufällige Begegnung – doch bald merke ich, da ist mehr zwischen ihm und mir – Liebe auf den ersten Blick, die Liebe meines Lebens. Eine Aufgabe gelingt mir nicht, ich scheitere, bekomme eine Arbeitsstelle nicht – aber im Nachhinein geht mir auf: wie gut hat es das Leben mit mir gemeint, wie behutsam hat mich Gott geführt, denn was ich stattdessen bekommen oder erlebt habe, füllt mich so sehr aus und schenkt mir Lebensfreude.

Ich habe es immer wieder erlebt: Gott schenkt mir Leben in Fülle. Es gibt viele Orte und Gelegenheiten, an denen ich Gottes Dasein und Liebe spüren kann.

Diese Erfahrung wünsche ich euch auch!

Euer Pfarrer Peter Gabriel

Der Sonntagsgruß zum Ausdrucken