Sonntagsgruß 7. Februar 2021

[05.02.2021]

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Vergangene Woche haben wir uns von der diesjährigen Weihnachtszeit verabschiedet. Sicher jedoch nicht von der Weihnachtsbotschaft: Gott ist uns in Jesus Christus ganz nahe gekommen. Das zeigt uns seine große Sehnsucht, uns nahe zu bleiben, in all unse- ren Lebensbezügen. Jesus hat sie durchlebt – wie wir. Deshalb achten wir ja als seine Nachfolger auch besonders darauf, wie er selbst über eben diese Weihnachtsbotschaft, die gute Nachricht, das Evangelium gesprochen hat.

Zum heutigen Sonntag wird uns dazu ein Gleichnis ans Herz gelegt. Sehr gerne hat Jesus in Vergleichen und Bildern von unserem gemeinsamen himmlischen Vater und einem gelingenden Leben mit ihm erzählt. Sie laden uns dazu ein mitzudenken, die Alltagsbil- der in unsere Lebensgestaltung zu übertragen und dabei so manchen hinderlichen Auto- matismus zu erkennen. Als es Jesus einmal um die Art und Weise ging, wie wir als Menschen seine gute Botschaft aufnehmen, benutzte er folgenden Vergleich:

»Ein Bauer ging aufs Feld, um seine Saat auszusäen. Während er die Körner auswarf, fiel ein Teil davon auf den Weg. Die Körner wurden zertreten, und die Vögel pickten sie auf. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden. Die Körner gingen auf und vertrockneten schnell wieder, weil sie keine Feuchtig- keit hatten. Ein weiterer Teil fiel zwischen die Disteln. Die Disteln gingen mit auf und erstickten die junge Saat. Aber ein anderer Teil fiel auf guten Boden. Die Körner gingen auf und brachten hundert- fachen Ertrag.« Dann rief Jesus noch: »Wer Ohren zum Hören hat, soll gut zuhören.« (Lukas 8,5-8)

Die Perspektive, aus der ich auf dieses Bild schauen möchte, ist Jesu Wunsch des hun- dertfachen Ertrags. Im 4. Teil des Bodens wird dieser natürlicherweise erbracht. Die Saat geht auf, weil der Bereich optimal bereitet ist. Auf den anderen 3 Feld-Abschnitten haben die Samen nicht wirklich eine Chance bis hin zu ihrer Bestimmung zu gedeihen. Warum der Bauer trotzdem überall aussäht? Er kennt doch den Boden? Jesus sät seine gute Botschaft – dass Gott mich liebt, dass er mir nahe ist, dass er aufer- bauende Gedanken und gedeihliche Wünsche für mich hat – in alle Bereiche meines Lebensackers. Ich kenne die Teile meines Alltagsfeldes, auf denen sein Same keimt und gedeiht: im Gebet, im Gottesdienst, beim bewussten Beschäftigen mit geistlicher Lite- ratur oder Musik, beim Austausch mit mir vertrauten Mitmenschen.

Der Vergleich vom vierfachen Ackerboden macht mich darüber hinaus aufmerksam auf so manchen Automatismus, der sich eingespielt hat: Lebensbereiche in denen andere mir die göttlichen Ermutigungen „zertreten“ und „wegpicken“, solche denen ich selbst keine „Feuchtigkeit“ zukommen lasse, manchmal sind es auch Ablenkungen, Stress und Sorgen unter denen Gottes inspirierende Saat wie unter „Disteln erstickt“. Sehr gerne mag ich diese Automatismen immer wieder durchbrechen!

Herzliche Einladung, mit mir zu beten:

  • Du sprichst, guter Gott, und wer dich hört, sieht die Welt mit neuen Augen.
  • Du sprichst, treuer Gott, und wer auf dich hört, findet neue Wege.
  • Du sprichst, barmherziger Gott, und wer dir zuhört, dessen Herz richtest du neu aus.
  • Sprich zu uns und befähige uns zu hören, auf dass deine Saat gedeihe.
  • Amen.

Pfarrer Jens-Daniel Mauer

Der Sonntagsgruß als pdf zum Ausdrucken