Sonntagsgruß 21. Februar 2021

[19.02.2021]

Liebe Mitglieder unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Mit Aschermittwoch hat die 40-tägige Fastenzeit bis zum Osterfest begonnen. Vielleicht denken jetzt etliche: in Corona-Zeiten muss ich schon genug auf viele schöne Sachen verzichten und jetzt soll ich auch noch fasten?

Doch beim Fasten geht es nicht in erster Linie um das Verzichten, sondern darum, neu hinzuschauen – auf mich und mein Leben. Fasten will mir helfen, Altes oder einengende Gewohnheiten loszulassen und frei zu werden für Neues, für Veränderungen.

Das kann dadurch geschehen, dass ich weglasse, was mir nicht guttut – das ist bei jedem und jeder etwas anderes. Die Palette reicht von Alkohol und Süßigkeiten über bewussteres Essen bis zu weniger Autofahren oder Internet- und Handynutzung.

Es kann aber auch bedeuten, dass ich mir etwas Gutes tue, etwas, was mein Leben bereichert. Dieses „Plus-Fasten“ haben in den vergangenen Jahren viele Christ*innen für sich entdeckt. Die einen gehen jeden Tag spazieren, andere nehmen sich Zeit für einen Mittagsschlaf oder eine regelmäßige Gebetszeit. Man könnte jeden Tag mit einem lieben Menschen telefonieren, einfach wildfremden Menschen ein Lächeln schenken oder sich Zeit für ein Hobby nehmen: eine Sprache lernen, ein Instrument spielen, etwas Gutes kochen…

Ich möchte jeden Abend etwas aufschreiben, was ich an diesem Tag besonders wahrgenommen habe und dass mir Freude gemacht hat – auch wenn es nur etwas ganz Kleines war. So möchte ich bewusster leben und neu über Gott und seine Wunder staunen lernen.

Denn nicht ich und mein Fasten, sondern Gott soll im Zentrum dieser Wochen stehen. Deshalb sprechen Evangelische auch von „Passionszeit“, es geht um die Vorbereitung und das Einstellen auf das Leiden und Sterben Jesu Christi am Kreuz.

Doch ich höre schon wieder Einwände: von Leid und Tod sind schon die Nachrichten voll, nicht nur in Corona-Zeiten. Aber wenn in Jesus Christus Gott selbst Leid und Tod auf sich genommen hat und am Ostermorgen den Tod überwunden bzw. besiegt hat, dann heißt das für mich: selbst in schwierigen Zeiten, im Leiden und Sterben bin ich nicht allein, sondern Gott ist bei mir und leidet mit mir. Der Tod hat seine Macht verloren, weil auch er mich nicht von Gott trennen kann, sondern ich auch im Tod in Gottes Liebe geborgen bin.

In dieses Gottvertrauen möchte ich mich in der Passionszeit wieder neu einüben.

Gottes Zusage an den Psalmbeter gilt auch mir: „Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen. Ich will ihn sättigen mit langem Leben und will ihm zeigen mein Heil.“ (Psalm 91,15-16)

Einen gesegneten Sonntag und eine aufbauende Passionszeit,
Euer Pfarrer Peter Gabriel

Der Sonntagsgruß als pdf-Dokument zum Ausdrucken