Sonntagsgruß 28. Februar 2021

[26.02.2021]

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

God has a dream – Gott hat einen Traum. Er lädt uns ein, mit ihm zu träumen. Die Verwirklichung des Traums ist möglich durch ihn. Tatsächlich verfolgt er seinen Traum mit uns – er will ihn sogar durch uns verwirklichen. Ziemlich kühn, finde ich, denn Gott träumt von umfassendem Frieden, einem Frieden von ‚tierischer‘ Qualität. Aber lest selbst:

Dann ist der Wolf beim Lamm zu Gast, und der Leopard liegt neben dem Böckchen. Ein Kalb und ein junger Löwe grasen miteinander, ein kleiner Junge hütet sie. Kuh und Bär weiden zusammen, ihre Jungen liegen nebeneinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Ein Säugling spielt am Loch der Natter. Ein kleines Kind streckt seine Hand aus über der Höhle der Giftschlange. Man tut nichts Böses und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg. Denn das Land ist erfüllt von Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer voll Wasser ist. (Jesaja 11,6-9)

Als Jung&Alt-Team haben wir uns diesen Bibeltext für den Gottesdienst ausgesucht. Aus Interesse an der ‚Bedeutung von Tieren in der Bibel‘ hat er uns fasziniert: Wilde Tiere haben ihre Triebe im Griff. Offensichtlich so zuverlässig, dass sogar kleine Kinder mit ihnen spielen gelassen werden. Diese Vorstellung von friedlich zusammenlebenden Jagd- und Beutetieren kehrt doch die uns bekannten, natürlichen Verhältnisse völlig um!

Jesaja überlieferte diesen Traum Gottes einst in wahrlich friedlosen Zeiten. Das Königreich Israel wurde kriegerisch eingenommen von den Assyrern. Juda, mit seiner Hauptstadt Jerusalem stand ebenfalls unter enormem außenpolitischen Druck. Auf Gottes Auftrag hin prangerte Jesaja öffentlich Verfehlungen des Volkes in sozialer und religiöser Hinsicht an. Die Starken und besser Gestellten übervorteilten die anderen – es herrscht Ungerechtigkeit und Unfriede. Ist das nicht in unserer Zeit ähnlich?!

„Gott schaut da nicht einfach drüber weg!“ ruft Jesaja seinen Landsleuten zu, und das gilt auch uns. „Gott selbst wird in seiner Barmherzigkeit eingreifen und Recht schaffen.“ In den Versen, die den tierisch-göttlichen Friedenstraum einleiten (1-5), lesen wir von einem Gottgesandten, der diese Ungerechtigkeit aufbrechen wird. Nicht etwa kriegerisch, sondern durch sein Vorbild in Wort und Tat.

Jesus Christus hat den göttlichen Traum aufgenommen und in seiner Lebenszeit verkörpert. Er ermutigt uns, mit ihm diesen Traum zu leben. Durch seinen Geist befähigt er uns, die wir ihm nachfolgen, einen Beitrag zur Verwirklichung beizutragen. In unseren friedlosen Bezügen – in uns selbst, unseren Familien, unseren Verantwortungsbereichen – möchte ER mit und durch uns Frieden wirken. Lassen wir uns doch von seinem Traum anstecken! Wie formuliert es Paulus einmal:

„Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an, sondern lasst euch von Gott verändern, damit euer ganzes Denken neu ausgerichtet wird.“ (Römer 12,2)

Pfarrer Jens-Daniel Mauer

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