Sonntagsgruß 7. März 2021

[05.03.2021]

Liebe Mitglieder unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Okuli – so lautet der Name dieses 3. Sonntages in der Passionszeit. Das bezieht sich auf den Psalmvers „Meine Augen sehen stets auf den Herren; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.“ (Psalm 25,15)

Mich mit meinen Augen und Ohren, meinen Sinnen, Gedanken und Gefühlen auf Gott auszurichten – dazu macht mir dieser Sonntag Mut. Es geht um einen Perspektivwechsel! Ich schaue nicht nur auf mich, meine Sorgen, auf meine Alltagsgeschäfte, sondern ich richte meinen Blick aus auf Gott und auf das, was er mir zu sagen hat.

Wenn ich Gott oder Jesus fest im Blick behalte, dann vertreibt das meine Angst und Unmögliches lässt sich verwirklichen, ja dann bekommt mein ganzes Leben eine andere Ausrichtung, ein Ziel. Simon Petrus erlebt das, als er den Blick fest auf Jesus gerichtet, tatsächlich über das Wasser gehen kann.

Im Evangelium dieses Sonntags (Lukas 9,57-62) spricht Jesus das einem Bauern zu.

Wenn du eine Furche auf deinem Feld ziehst, dann schau nicht zurück, ob es gut gelungen ist, schau auch nicht, ob deine Frau dir zuwinkt, sondern behalt den Punkt im Auge, den du dir ausgesucht hast, damit deine Furche gerade wird.

Weiters macht Jesus Menschen Mut, nicht zurück, sondern nach vorne zu schauen, nicht auf den eigenen Vorteil oder auf das Einhalten gewohnter Konventionen zu achten, sondern im Schauen auf Gott das Neue zu wagen.

Jesus ist bei dieser sehr radikalen Nachfolge-Rede von dem Vertrauen getragen, dass Gottes Herrschaft schon jetzt angebrochen ist, dass Gott jetzt die Welt und die Lebensverhältnisse, ja jeden einzelnen Menschen verändern und neu machen will. Das bedeutet, es ist keine Zeit mehr zu verlieren, falsche Rücksichtnahmen sind nicht am Platz.

So radikal verstehe ich mein Christsein meistens nicht, ich habe mich gut eingerichtet in meinen Bequemlichkeiten… Wie Jesus und seine Jünger*innen ohne festen Wohnsitz herum zu ziehen, meine Familie zu verlassen und bedingungslos Jesus nachzufolgen, das kann ich mir schlecht vorstellen. Aber ich habe große Sympathien für diesen Jesus, wie er von Gott erzählt, auf alle Menschen zugeht und sie in die Gottesgemeinschaft einlädt!

Dazu passt der Predigttext aus dem Epheserbrief (Eph. 5,1-2+8-10), der mir neu die Gewissheit schenkt: du bist doch Gottes geliebtes Kind, du lebst nicht mehr in der Finsternis, in der alten Welt, sondern in Gottes Licht. Deshalb kannst du dir auch Jesus zum Vorbild nehmen, bist fähig, Gott nach zu ahmen.

Wie sieht das heute aus, wenn ein Mensch Gott nachahmt, im Sinne Gottes lebt? Wer mag, kann mir gerne schreiben, wie er bzw. sie diese Frage für sich beantwortet.

Ich grüße euch mit dem biblischen Wort für die neue Woche: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lukas 9,62)

Ich wünsche euch neue Einsichten und einen gesegneten Sonntag,
Euer Pfarrer Peter Gabriel

 

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