Sonntagsgruß 14. März 2021

[12.03.2021]

Wie gut tut uns nicht manchmal eine Pause, ein Moment des Verschnaufens und des Rastens. Wir brauchen einen solchen Moment besonders dann, wenn das Hamsterrad keinen Stillstand kennt.

Sonntage sind solche Zeiten der Unterbrechung, sie bieten u.a. Raum für das, was während der Woche zu kurz kommt, wie z.B. sich entspannen, miteinander spielen, sich freuen über ein gemeinsames Essen usw. Der kommende Sonntag hat als Tag des Innehaltens, noch einen weiteren Akzent, nämlich den der Freude. Er führt die „Freude“ sogar in seinem Namen, denn er heißt auf lateinisch „lätare“, das meint „Freut euch“. Und worüber dürfen wir uns freuen? Z.B. über ein Fest, das das Herz erwärmt (Psalm 84) oder über Jerusalem, die Stadt, in der Frieden sich ausbreitet wie ein Strom (Jesaja 66, 10).

Und doch ist dieser Sonntag eingebettet in den großen Bogen der Passionszeit: Die Zeit für Jesus wird immer enger. Der Hohe Rat hat den Beschluss seines Todes gefällt. Und heute hören wir von Griechen, die ihn unbedingt noch sehen und mit ihm sprechen wollen, bevor alles zu spät ist. Jesus aber antwortet in Sätzen, die auf Anhieb (scheinbar) nicht passend sind: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es ein einzelnes Korn. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. Wem sein Leben über alles geht, der verliert es. Aber wer sein Leben in dieser Welt nicht für das Wichtigste hält, wird es bewahren bis ins ewige Leben.“

Jesus geht auf keinen Dialog mit den Griechen ein. Vielmehr packt er das Thema vom Leben in ein Bild, das einen Hoffnungskeim enthält: Das Weizenkorn ist nicht tot, im Ackerboden gewinnt es eine Gestalt, eine andere, von der es bisher nur träumen konnte.
Der Evangelist Johannes will seine Zuhörer immer wieder anspornen, bei der Begegnung mit Jesus, das Ende seines Weges nicht auszublenden. Dieses Ende könnte jede/r verstehen, weil für jede/n kein Weg am Ende vorbeiführt. Wenn das Weizenkorn in der Erde nicht für sich bleibt, geht das Leben nicht verloren. Johannes sagt damit: Wer das eigene Leben preisgibt, der gewinnt das ewige.

Hans Siller

Seit dem Reformationsfest 2014 hat Hans Siller als Lektor unserer Gemeinde mit uns an vielen Sonntagen sehr ansprechende Gottesdienste gefeiert und uns mit seinen tiefgehenden, dem Leben zugewandten Gedanken Kraft für die neue Woche zugesagt. Ja, Hans Siller hat uns viel Freude geschenkt und unsere Gemeinde sehr bereichert. Mit dem Abendmahls-Gottesdienst am Sonntag Lätare verabschiedet sich Hans Siller nun in die „Lektoren-Pension“.

Das ist für uns als Gemeinde ein Anlass, ihm unseren ganz herzlichen Dank für seinen Dienst auszusprechen und ihm im Gottesdienst Gottes Segen zuzusprechen!

Für seinen Lektoren-Ruhestand wünsche ich Hans Siller immer wieder neue und bereichernde Erfahrungen in der Begegnung mit Gott, Jesus Christus und in unserer Gemeinde – so wie es ihm der Apostel Paulus zusagt: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2.Kor, 5,17)

Euer Pfarrer Peter Gabriel

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