Sonntagsgruß für Sonntag Misericordias Domini

[16.04.2021]

Liebe Mitglieder unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Misericordias Domini, die Güte oder auch die Barmherzigkeit des Herrn – so lautet der Name des zweiten Sonntags nach Ostern, der auch als „Sonntag vom Guten Hirten“ bezeichnet wird.

Im Mittelpunkt dieses Sonntags steht der wohl bekannteste aller Psalmen, der Psalm 23: „Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Mich fasziniert dieses alte Gebet jüdischer Männer und Frauen immer wieder, weil es so lebensnah ist und zugleich von einem starken Gottvertrauen zeugt. Da schaut ein Mensch auf sein Leben, auf all das Gute, dass er erleben durfte und noch darf. Das sind nicht nur die materiellen Dinge, sondern auch die innere Zufriedenheit, das Glück und der Sinn – das alles steckt für mich in dem wundervollen Lutherwort „erquicken“.

Aber dieser Mensch weiß auch um die dunklen Stunden in seinem Leben, die Ängste und Sorgen, Krankheiten, Traurigkeit oder Gefahren. Und auch die Zeiten, wo andere Menschen ihm das Leben schwer machen. Doch sie vertraut: Gott ist nicht nur ein „Schön-Wetter-Gott“, sondern gerade in schwierigen Lebenssituationen bei mir. Ja, gerade dann kommt er mir ganz nah – so wird aus der Anrede „Der Herr“ das vertrauensvolle „Du“, das „Du bist bei mir!“

So hatte es auch Mose am Dornbusch erlebt, als er nach dem Namen Gottes fragte, und zur Antwort bekam: „Ich bin für dich da!“
Der oder die Beter*in des Psalms geht aber noch einen Schritt weiter, schaut voller Hoffnung voraus auf Zeit nach dem Tod. Er ist gewiss, auch dann ist Gott da, umfängt sie mit seiner Liebe und Güte, immer wird er im Haus Gottes geborgen und geschützt sein.

Das Bild Gottes als guten Hirten gefällt mir sehr! Denn ein verantwortungsvoller Hirte schaut nicht nur auf das Wohlergehen seiner Schafe, er rettet sie auch aus Gefahr, sucht eines, das auf Abwege geraten ist, macht den Kummer oder die Verwundung des Schafes zum eigenen und schafft Abhilfe. Ja so ein Hirte ist immer für mich da, hat immer Zeit, er opfert sich sogar für mich auf.

In Jesus ist uns Menschen dieser wunderbare Gott besonders nahe gekommen, deshalb sagt Jesus von sich selbst: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ (Johannes 10,11)

Ich wünsche mir und uns dieses Gottvertrauen des Psalmbeters
Euer Pfarrer Peter Gabriel

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