Sonntagsgruß für Sonntag Kantate

[30.04.2021]

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Gerne teile ich mit euch einige Gedanken zum neuen Wochenpsalm. Als Gesangs- und Gebetsbuch des Volkes Israel spielt der Psalter auch für uns Christen eine herausragende Rolle in unserer Glaubenspraxis. Die 150 lyrischen Erfahrungsberichte halten einen Schatz an Inspirationen aus dem Reichtum des Lebens bereit. Wir finden Impulse für die Fülle unseres je eigenen Alltags. Ein großartiges, ja ein göttliches Phänomen!

Ergänzend zum Bibeltext möchte ich euch eine Übertragung des 98. Psalm von Peter Spangenberg (kürzlich verstorbener ev. Pfarrer, Autor, Uni-Dozent) zu Gemüte führen:

Lasst eure Herzen sprechen
Singt Gott ein neues Lied; denn er überschüttet uns mit Geschenken aus seiner Hand, mit Geschenken des Lebens. Er sorgt für neue Hoffnung durch seine große Kraft. Er gibt sein Ziel für ein rundes und erfülltes Leben bekannt und läßt die Völker wissen, was er sich unter Gerechtigkeit vorstellt. Er vergißt nicht, was er für das Volk Israel getan hat, als er es in die Freiheit führte und in der Wüste bei ihm blieb: mit seiner ganzen Zuwendung und Treue.

Das muß sich doch herumsprechen in der Welt!

Laßt eure Herzen sprechen, ihr Menschen, singt, lacht, freut euch, tanzt und macht Musik. Musik mit allen Instrumenten, die ihr findet. Das Brausen des Meeres ist die schönste Begleitung, das Plätschern der Bäche ist wie Gesang, und die Kuppen der Berge strahlen wie frohe Gesichter. Denn Gott wird kommen und nachsehen, wer zu ihm gehalten hat und wer nicht. Danach wird er urteilen, weil so sein Recht ist.

Während ich diese Zeilen (ab)schreibe, muss ich schmunzeln. In meinem Kopf entstehen Bilder von uns als Gemeindeglieder: Jede und Jeder beginnt mit einem Mal zu singen, fröhlich zu tanzen, sich selbst mit nahen Gegenständen musikalisch zu begleiten – Stifte als Trommelschlegel, die Pfeffermühle als Rassel, der Wasserhahn als Regenmacher, den Schlagbohrhammer als Soloeinlage…

Könnt ihr auch das Bild vor eurem inneren Auge sehen? Oder ist es sogar schon real? Was ich mich auf den Moment schon jetzt freue, wenn wir wieder miteinander, beieinander, ohne Einschränkungen musizieren und vor allem singen werden!!! Wahrscheinlich wird’s ein bisschen organisierter ablaufen. Hoffentlich aber wird uns die selbe Motivation antreiben: Die Freude und die Dankbarkeit, ja die Begeisterung,

  • dass Gott uns mit Gutem überschüttet,
  • dass wir unseren Blick auf seine Kraft richten und uns zum Musizieren zumute ist,
  • dass unsere Herzen erfüllt sind von Gott geschenkter Hoffnung und Zuversicht.

Das muß wird sich doch herumsprechen in der Welt um uns herum!

Davon bin ich überzeugt. Darin – so meine ich – wird auch ein wertvoller Aspekt von dem spürbar, was er (Gott) sich unter Gerechtigkeit vorstellt: ein „Zueinanderhalten“.

Pfarrer Jens-Daniel Mauer

Der Sonntagsgruß als pdf-Dokument zum Nachlesen und Ausdrucken