Sonntagsgruß für Sonntag Rogate

[07.05.2021]

Liebe Mitglieder unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

„Betet!“ – dieser Aufruf Gottes erreicht mich an diesem 5. Sonntag in der Osterzeit.

Beten – das bedeutet, ich wende mich an Gott, ich bin mit ihm im Gespräch.
Ich kann Gott Danke sagen, für etwas, was mir widerfahren oder geschenkt worden ist.
Ich möchte Gott loben für die besonders im Frühjahr so wunderbar sich entfaltende Schöpfung, für das Zwitschern der Vögel oder die Blütenpracht der Obstbäume.

Beten ist oft auch eine Bitte um etwas, z.B., dass ich wieder gesund werde oder ich einen Ausweg aus einer verzwickten Situation finde. Ich kann auch für andere Menschen beten und bitten, dass Gott ihnen hilft oder ihnen beisteht.

Manchmal ist in mir aber auch so viel Ärger und Enttäuschung, dass mein Gebet eher eine Klage über diese schreckliche Welt und ihre dummen Menschen wird, oder auch eine Anklage an Gott, weil ich ihn so wenig spüre oder sein Handeln nicht wahrnehme.

Doch ich frage mich: Passt Beten noch in unsere moderne, digitalisierte Zeit? Ist Beten nur etwas für Kinder oder ältere Menschen?
Wann und wo bete ich? Wie oft nehme ich mir Zeit zum Gespräch mit Gott?
Oft ist es wohl nur ein kurzes Stoßgebet oder ein schnelles „Gott sei Dank“.

Das ist ja in unsere schnelllebige Zeit genauso: Statt gemütlich und ausführlich zu essen gibt es Fast-Food vom Imbiss. Statt händisch einen langen Brief zu schreiben, nur eine kurze WhatsApp-Nachricht oder eine SMS oder anstatt eines ausführlichen persönlichen Gespräches eine Kurzabsprache am Telefon oder Handy.

Der heutige Sonntag Rogate macht mir neu Mut: Steig aus dem Hamsterrad des Alltags, aus dem Schnell-schnell, dem Multi-tasking und dem Druck, alles sofort erledigen zu müssen.

Stattdessen: Nimm dir Zeit zum Beten, zum Gespräch mit Gott. Komm zur Ruhe, sprich aus, was dir am Herzen liegt, was dich freut, ebenso wie das, was dir Sorgen macht, dich lähmt.

Nutze die Oase des Betens, um neue Kraft zu tanken, neue Einsichten zu gewinnen, vielleicht sogar die Lösung für ein Problem, für eine neue Ausrichtung deines Lebens.

Denn Beten ist nicht nur selber reden, sondern auch Hören auf das, was Gott mir sagen will – so wie in einem Gespräch.
Gottes Stimme – ich höre sie in den Worten der Bibel, im Gebet anderer Menschen, ja auch in der Stille, wenn ich nach meinen Worten schweigend vor Gott verharre.

Das wünsche ich mir für die kommende Woche: dass ich mich traue, mir mehr Zeit zu nehmen für das Gebet – sei es alleine oder auch im Kreis der Familie, im Gottesdienst oder mit Freunden und Freundinnen.

Im Gebet mit euch verbunden grüße ich euch herzlich,
Euer Pfarrer Peter Gabriel

Der Sonntagsgruß als pdf-Dokument zum Ausdrucken und Nachlesen