Sonntagsgruß für 20. Juni 2021 – Versöhnungsfreude!

[18.06.2021]

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Meine 6-jährige Tochter Mila ist für mich ein Vorbild in Sachen Versöhnung. Im Moment ist sie in einer Phase, in der sie ganz viel selbst bestimmen will. Als Papa finde ich das klasse! Ich freue mich, dass sie sich und ihre Gefühle behauptet. Ich wünsche mir und vielmehr ihr, dass sie sich ihrer bewusst wird und dabei das notwendige Selbstbewusstsein für ihren Platz in der Welt entwickelt. Ich will sie dabei unterstützen und fördern.

Nichtsdestotrotz führt dieser Prozess unweigerlich zu Meinungsverschiedenheiten, nicht selten zu Konflikten, manchmal zu Streit. Als Eltern haben wir die Verantwortung, unsere Kinder zu begleiten. Immer wieder bedeutet das auch, sie aus unserer Erfahrung heraus zu schützen. Beispielsweise bei Fragen nach ausgewogenem Essen oder auch im Umgang miteinander. Wenn es dann mal wieder zur unvermeidbaren Meinungsverschiedenheit kommt, kann unser jeweiliges Sich-behaupten schon mal laut werden …

Ich gestehe, ganz oft ist es meine Mila, der es nach einem verärgerten Rückzug schneller als mir gelingt, wieder auf mich zuzugehen, in der Regel mit offenen Armen, einem sehnsüchtigen Blick und mit den Worten: „Papa, wieder versöhnen!?“ Sich dann in die Augen zu schauen und Versöhnung auszusprechen – ein tolles Gefühl!

Ein weiteres Vorbild in Sachen Versöhnung ist für mich der biblische David. Was hat der doch für intensive emotionale Auf und Abs mit unserem himmlischen Vater erlebt! Wie kein anderer in den Schriften des Alten Testaments gewährt er uns Einblick. Viele bekannte Psal- men, in denen Versöhnungserlebnisse beschrieben werden, sind ihm zugeschrieben. Er zeigt uns darin, dass er sich selbst bewusst wird, selbstbewusst seine Verfehlungen beim Namen nennt und um Versöhnung bittet.

Was mich beim Lesen dieser Gebete so fasziniert, ist die Freude, die David über das Versöhnen ausdrückt. Eine Freude, aus Dankbarkeit und Erleichterung, ja aus Befreiung heraus, die fast immer in ein Schwärmen übergeht. Gerichtet sind seine Gebete an Gott, den Versöhner schlechthin. Von ihm lernt David Versöhnung. Von unserm Gott will auch ich immer wieder Versöhnung erlebend erlernen. Ich weiß: Versöhnung mit Gott befreit mich, fürs Versöhnen mit den Menschen um mich rum. Ich will mich vom neuen Wochenpsalm ermutigen lassen, meine Versöhnungsbereitschaft zu stärken.

Ich lege uns allen die ersten Verse von Davids „Hohelied der Barmherzigkeit Gottes“ ans Herz (Psalm 103,1-8).  Lasst uns mit David ins Schwärmen kommen über Gottes Versöhnungsbereitschaft …

Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,
der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.
Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun.
Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.
Amen.

Pfarrer Jens-Daniel Mauer

Der Sonntagsgruß als pdf-Dokument zum Nachlesen und Ausdrucken