Sonntagsgruß 12. September 2021

[10.09.2021]

Gruß für den 15. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Im vergangenen Urlaub habe ich mich der etwas älteren Vergnügungsliteratur hingegeben. Es war mir eine Freude, den dritten Teil Winnetou von Karl May zu lesen. Beeindruckend ist mir noch die Szene in Erinnerung geblieben, als Old Shatterhand seinem Blutsbruder Winnetou, dem Häuptling der Apachen-Indianer, von seinem christlichen Glauben erzählt. Er erzählt seinem Freund von der Leichtigkeit seines Glaubens und gebraucht dabei die Worte aus der Bbel: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ (Matthäus 11,28).

Sorgen soll man sich als Christin oder Christ bekanntlich keine machen. Das so genannte„Gottvertrauen“ lässt uns leicht durchs Leben schreiten. Sorgen sind etwas für „Anfänger“ im Glauben. Oder für Leute, die das mit dem Glauben noch nicht richtig kapiert haben. So habe ich mir das zumindest über Jahre hinweg gedacht. Ich dagegen bin und war stets ein Mensch von jener Sorte, die sich ständig Sorgen machen. Manche Sorgen mögen berechtigt sein: Wie wird mein Stundenplan ausschauen? Wie „zach“ wird das Schuljahr werden? Manche Sorglosigkeit rächt sich sogar gelegentlich: Vor einem Jahr hätte ich nicht darauf gewettet, dass uns ein weiterer Lockdown bevorstehen würde. Was sagt also die Heilige Schrift noch zum Thema Sorgen? Im Bibelspruch für diese Woche steht folgendes geschrieben:

Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch“ (1. Petrus 5,7).

Darf ich mir als Christenmensch denn überhaupt Sorgen machen? Sind Sorgen nicht etwas schlechtes? Ich komme wieder zu Karl Mays Fantasieroman Winnetou III zurück und male mir aus, wie das Leben im „wilden Westen“ und vor gut 150 Jahren wohl so gewesen sein mag. Und mir fallen viele Dinge ein, die mir meine Sorgen mickrig erscheinen lassen: Echten Hunger kenne ich nicht, an Wasser mangelt es mir nicht, in die Schule dürfen alle Menschen ungeachtet von Geschlecht oder Hautfarbe, medizinische Versorgung ist mir nicht unerreichbar usw. Sorglos macht mich dieser Vergleich aber nicht – ich bilde mir meine Sorgen schließlich nicht ein.

Diese Beispiele zeigen mir aber, dass man in vergangenen Tagen durchaus sorgenvoll war und dass es keine Glaubenssache ist, ob man nun Sorgen hat oder nicht. Sorgen haben Menschen immer schon gehabt und sie werden sie auch künftig haben. Im christlichen Glauben haben Sorgen nur nicht das letzte Wort. Sie sollen nicht unser Leben bestimmen. Hoffnung soll vielmehr das Leben bestimmen. Man kann seine Sorgen in folgende Hoffnung hineinlegen: Sorge, Not und Tod werden letztendlich vergehen. Das hat Christus am Ostermorgen bewiesen. All meine Sorgen lege ich vor Gott hin. Sie verschwinden dadurch nicht, aber ich bin geborgen in christlicher Hoffnung.

Euer Vikar Thomas Müller

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