Sonntagsgruß 19. September 2021

[17.09.2021]

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

Ich vermute, etliche von euch kennen das um 1541 entstandene Morgenlied des Konstanzer Reformators Johannes Zwick:
All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu; sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag.
O Gott, du schöner Morgenstern, gib uns, was wir dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.“ (EG 440,1)

Der Dichter des Themenliedes dieses Sonntags besingt Gottes Gnade und Treue. Er macht mir Mut, wenn ich am Morgen – hoffentlich ausgeschlafen und gut erholt aufstehe, mich nicht nur am neuen Tag und meinem Leben zu erfreuen, sondern auch daran zu denken und dafür zu danken, dass Gottes Güte dafür „verantwortlich“ ist. Denn es ist ja nicht selbstverständlich, dass es wieder einen neuen Morgen gibt, mir ein weiterer Lebenstag geschenkt wird.

Deshalb bestärkt mich der Liedtext darin, immer wieder auf Gott zu hoffen und ihn zu bitten, mich mit seiner Gnade und Liebe zu beschenken. Mich einem Gott anzuvertrauen, der treu zu mir steht und mich nicht fallen lässt.

Treue – ich mag diesen eher altmodischen Begriff. Für mich bedeutet er: da steht jemand zu mir, auch mit meinen Eigenheiten oder wenn ich versage und schuldig werde. Da geht jemand an meiner Seite, ist wichtiger Teil meines Lebens – und ich spiele in seinem Leben eine zentrale Rolle.

So verhält sich Gott gegenüber uns Menschen: treu ist er an meiner Seite – so sagt es der Beter in den Klageliedern (3,24): „Der Herr ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen.
Das Morgenlied von Johannes Zwick fußt ebenfalls auf Worten aus den Klageliedern (3,22-23): „Die Güte des Herrn ist’s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.

Der Beter dieser Worte weiß, wie schwierig das Leben sein kann, wie böse und finster der Alltag mir manchmal begegnet, so dass ich mich gefangen und eingemauert fühle. Doch aus der Klage gegenüber Gott wächst dann die Hoffnung auf ihn, ja sogar das Lob Gottes. Da ist die Glaubensgewissheit: „Denn der Herr ist freundlich dem, der auf ihn harrt.“ (Klagelieder 3,25)

Ich wünsche mir und euch ein Stück dieses Gottvertrauens – jeden Morgen neu! Die Zuversicht, dass Gott mich nicht im Stich lässt und mir immer wieder mit Güte und Liebe begegnet.

Euer Pfarrer Peter Gabriel

Die Sonntagsgedanken als pdf-Dokument zum Herunterladen, Nachlesen und Ausdrucken.