{"id":10817,"date":"2022-05-04T00:00:33","date_gmt":"2022-05-03T22:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=10817"},"modified":"2022-05-04T17:45:34","modified_gmt":"2022-05-04T15:45:34","slug":"schoepfungsmythos-und-menschenpflichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=10817","title":{"rendered":"Sch\u00f6pfungsmythos und Menschenpflichten"},"content":{"rendered":"<p>[04.05.2022]<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-3151\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/w_guttmann.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"342\" \/>Prolog:<\/strong> Heute ist Freitag, der 4. Februar 2022, und in wenigen Stunden werden die 24. Olympischen Winterspiele in Peking er\u00f6ffnet. Die Medien haben uns in den letzten Tagen auf dieses Ereignis verst\u00e4rkt vorbereitet. Aber im Gegensatz zu fr\u00fcheren Olympiaden standen dieses Mal weniger die teilnehmenden Sportler als vielmehr die Rahmenbedingungen der Spiele im Fokus ihrer Berichterstattung &#8211; die strikten Regeln des autokratischen, chinesischen Staates und vor allem die Situierung und Architektur der Sportst\u00e4tten. Bald wurde klar, dass die vom Internationalen Olympischen Komitee bei der Vergabe eingeforderte Nachhaltigkeit leider schon im Vorfeld ad absurdum gef\u00fchrt wurde. Die Nachnutzung der gesamten Region und ihrer sportlichen und touristischen Infrastruktur ist vorerst noch unbekannt, die biologische Nachhaltigkeit aber bleibt durch die teilweise Zerst\u00f6rung eines Naturschutzgebietes durch gigantomanischen Sportst\u00e4ttenbau und ausschlie\u00dflicher Abh\u00e4ngigkeit von Kunstschnee bereits jetzt unerf\u00fcllt.<\/p>\n<p><strong>Zur\u00fcck in den Alpen:<\/strong> Als Vorsitzender der \u00f6rtlichen Alpenvereinssektion Hallein und deren Naturschutzreferent wurde ich eingeladen, zum Thema \u201eSch\u00f6pfung\u201c und ihrer Bewahrung einige Einblicke und Fakten, die sich auch aus meiner Funktionst\u00e4tigkeit ergeben, diesem Gemeindebrief beizusteuern.<\/p>\n<p>Unsere Alpen sind ein einzigartiges, \u00f6kologisches System mit vier Grundfunktionen: Naturraum, Lebensraum, Kulturraum und Wirtschaftsraum: Und dieses sensible Gebilde sollte idealerweise im Gleichgewicht sein.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich waren die Alpen ein wenig begehrter Lebensraum, f\u00fcr die Menschen ein Hindernis und eine \u00dcberquerung \u00e4u\u00dferst beschwerlich. Von fr\u00fchen historischen St\u00e4tten der Metallgewinnung abgesehen, wurden erst ab dem Mittelalter Landwirtschaft, Jagd und Bergbau eine Existenzgrundlage f\u00fcr eine Dauerbesiedelung durch Menschen. Die Hochgebirgs- regionen mit ihren Gefahren blieben weiterhin unber\u00fchrt.<\/p>\n<p>Erst im 18. und 19. Jahrhundert begann die gezielte Erkundung der Gebirgsregionen. Sport, Forscherdrang und Naturerlebnis waren die Triebkr\u00e4fte. Erst jetzt kam es zu den ersten Besteigungen von markanten Gipfeln (1786 Mont Blanc, 1800 Gro\u00dfglockner, 1832 Dachstein) und der Bau von Eisenbahnlinien (1854 Semmeringbahn, 1860 Westbahn, 1884 Arlbergbahn) erleichterte zeitlich und finanziell die Anreise in die Bergregionen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10819 size-large aligncenter\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Bildschirmfoto-2022-03-11-um-12.30.20-1024x709.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"709\" srcset=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Bildschirmfoto-2022-03-11-um-12.30.20-1024x709.png 1024w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Bildschirmfoto-2022-03-11-um-12.30.20-600x415.png 600w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Bildschirmfoto-2022-03-11-um-12.30.20-300x208.png 300w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Bildschirmfoto-2022-03-11-um-12.30.20.png 1112w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/> Die Gr\u00fcndung des \u00d6sterreichischen Alpenvereins im Jahre 1862 war ein \u201eKind seiner Zeit\u201c, in der die erschwerten Lebensbedingungen ausgel\u00f6st durch die Industrielle Revolution eine wachsende Naturbegeisterung der Bev\u00f6lkerung zur Folge hatten. Die Sch\u00f6nheiten der Landschaft, die Urgewalten der Natur, Sonnen-Auf- und Unterg\u00e4nge bekamen pl\u00f6tzlich eine nie gekannte, emotionelle Bedeutung. Auf diesem Hintergrund entstanden auch in unserer n\u00e4heren Umgebung \u00d6AV-Sektionen in Salzburg (1870), Berchtesgaden (1875), Golling (1880) und Hallein (1884).<\/p>\n<p>Waren bei der Gr\u00fcndung des \u00d6AV noch Aufgaben, wie \u201edie Kenntnis von den Alpen zu verbreiten, die Liebe zu ihnen zu f\u00f6rdern und die Bereisung zu erleichtern\u201c, als Vereinszweck festgeschrieben, so wurde in den folgenden Jahrzehnten deutlich, dass der Alpenverein f\u00fcr den st\u00e4ndig wachsenden Tourismus nun Lenkungsma\u00dfnahmen vorzuschlagen hatte und die Rolle als \u201eAnwalt der Alpen\u201c \u00fcbernehmen musste. So wurde im Jahr 1927 in seine Vereinssatzung die \u201eErhaltung der Urspr\u00fcnglichkeit und Sch\u00f6nheit des Hochgebirges\u201c als Ziel aufgenommen, 1970 ein umfangreiches Naturschutzprogramm festgeschrieben und 2013 das erweiterte \u201eGrundsatzprogramm zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung des Alpenraumes sowie zum umweltvertr\u00e4glichen Bergsport\u201c zusammen mit dem \u201eDeutschen Alpenverein\u201c und dem \u201eAlpenverein S\u00fcdtirol\u201c einstimmig beschlossen.<\/p>\n<p>Als anerkannte Umweltorganisation hat der \u00d6AV seit 1994 bei Projekten mit erheblichen Umweltauswirkungen &#8211; wie Stra\u00dfen, Schigebiete, Kraftwerke, Windr\u00e4der, Hochwasserschutz, Stromleitungen, Industrieanlagen, usw. &#8211; laut Umweltvertr\u00e4glichkeits-Gesetz UVP-G-2000 Parteienstellung im Genehmigungsverfahren.<\/p>\n<p>In Bezug auf die Sch\u00f6pfungsgeschichte im ersten Buch Mose, in der die \u201eErschaffung der Welt\u201c abgebildet wird, k\u00f6nnte man nach heutiger biologischer Klassifizierung ihren Zustand nach f\u00fcnf Tagen als prim\u00e4re Wildnis bezeichnen, eine Wildnis, die man derzeit in Mitteleuropa nur mehr selten findet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-10820 size-large\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Bildschirmfoto-2022-03-11-um-12.30.08-1024x713.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"713\" \/>In den beiden Pongauer Sulzbacht\u00e4lern im Nationalpark Hohe Tauern sind wir in der gl\u00fccklichen Lage, noch knapp 7000 Hektar prim\u00e4re Wildnis als Sonderschutzgebiet ausweisen zu k\u00f6nnen. \u201eNatur Natur sein lassen\u201c gilt hier als Motto, \u201eAufr\u00e4umungsarbeiten\u201c nach Unwettern erledigen in diesen Biotopen nicht Menschen mit Kettens\u00e4gen, sondern Heerscharen von Tieren und Pflanzen. Wir erleben dabei eine hohe Biodiversit\u00e4t (Artenvielfalt) in einem scheinbaren Chaos \u2013 eine phantastische, ungewohnte \u00c4stethik!<\/p>\n<p>Hingegen bezeichnet man eine R\u00fcckf\u00fchrung von bereits vom Menschen genutzten Gebieten in ein unbeeinflusstes \u00d6kosystem, quasi ein nachtr\u00e4gliches Verwildern, als \u201esekund\u00e4re Wildnis\u201c.<\/p>\n<p>Am sechsten Tag schuf Gott den Menschen als sein Ebenbild und hat ihm Pflichten zum Bebauen und Bewahren auferlegt. Durch Rodung und Urbarmachung entstanden allm\u00e4hlich erste Kulturlandschaften, wie wir sie etwa von unseren Almen kennen.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte diese Natur- und Kulturr\u00e4ume auch mit den Kern- bzw. Au\u00dfenzonen unserer Nationalparks vergleichen. Ihre Erforschung und ihr Schutz geh\u00f6ren zu den Kernaufgaben der Abteilung Naturschutz und Raumplanung des \u00d6AV.<\/p>\n<p>Das eingangs beschriebene, sensible, \u00f6kologische System unserer Alpen ger\u00e4t heute zusehends in ein eklatantes Ungleichgewicht. Die \u00dcbernahme von Schutzaufgaben und Probleml\u00f6sungen stellt f\u00fcr alpine Vereine eine immer gr\u00f6\u00dfer werdende Herausforderung dar. Diese zu bew\u00e4ltigen, gelingt oft nur durch eine verst\u00e4rkte Zusammenarbeit mit befreundeten Organisationen, wie den \u00d6sterreichischen Naturfreunden, dem Naturschutzbund oder dem Umweltdachverband.<\/p>\n<p>Die vermeintliche \u201eKrone der Sch\u00f6pfung\u201c Mensch hat sich der Herrschaft \u00fcber die Natur bem\u00e4chtigt und Jahrhunderte lang haben sich auch christliche Kirchenv\u00e4ter und Kirchenlehrer ihr Beherrschungszenario zurechtgelegt, w\u00e4hrend philosophische Str\u00f6mungen diese Entwicklung zeitgleich infrage stellten. Ethisch und im Sinne des Humanismus sind heute Grundwerte, wie der Respekt vor der W\u00fcrde aller Gesch\u00f6pfe, in fast allen nationalen Verfassungen verankert. Einen Markstein stellt die \u201eAllgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenpflichten\u201c durch die Vereinten Nationen im Jahre 1997 dar. Diese fordert die Ehrfurcht vor dem Leben und schlie\u00dft Menschen, Tiere, Pflanzen, Erdboden, Wasser und Luft mit ein.<\/p>\n<p>Von Paul Claudel (1868 bis 1955), einem franz\u00f6sischen Schriftsteller, Dichter und weitgereisten Diplomaten im konsularischen Dienst, findet man in seinem reichen literarischen Werk auch diese bemerkenswerte Aussage:<\/p>\n<p><strong>Bevor man die Welt ver\u00e4ndert, w\u00e4re es vielleicht doch wichtiger, sie nicht zugrunde zu richten!<\/strong><\/p>\n<p><em>Wolfgang Guttmann<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[04.05.2022] Prolog: Heute ist Freitag, der 4. Februar 2022, und in wenigen Stunden werden die 24. 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