{"id":11282,"date":"2022-07-25T13:06:11","date_gmt":"2022-07-25T11:06:11","guid":{"rendered":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=11282"},"modified":"2022-09-14T13:52:23","modified_gmt":"2022-09-14T11:52:23","slug":"in-bewegung-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=11282","title":{"rendered":"In Bewegung bleiben!"},"content":{"rendered":"<p>[25.07.2022]<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-11655 size-full\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/schwaiger_hartmut_F.png\" alt=\"\" width=\"237\" height=\"290\" \/>Der aktuelle Gemeindebrief widmet sich einem spannenden Thema, indem er uns offen fragt, jeden Einzelnen von uns: \u201eWas w\u00fcnschst du dir von deiner Kirche?\u201c. Allein die Frage kann schon Anlass zur Kritik sein und ist es auch immer wieder im allt\u00e4glichen religi\u00f6sen Diskurs.<\/p>\n<p>Darf man sich von \u201eder Kirche\u201c \u00fcberhaupt etwas w\u00fcnschen? Ist es nicht vielmehr so, dass Kirche mit der Heiligen Schrift die Normen vorzugeben hat, nach denen wir uns richten? Letztlich ist das die zentrale Diskussion, die Kirche und Religion in unserer modernen Zeit ausmacht. Wie gehen wir mit der Autorit\u00e4t Kirche um? Wie gehen wir mit der Interpretation der Heiligen Schrift um? Wieviel Freiraum haben wir und wo endet er?<\/p>\n<p>Die Beantwortung dieser Fragen h\u00e4ngt sehr stark mit dem eigenen, pers\u00f6nlichen Glauben, der eigenen religi\u00f6sen Tradition und Erziehung zusammen \u2013 und genau das macht die Diskussion manchmal auch sehr schwierig.<\/p>\n<p>Schauplatzwechsel: Islam. Seit Jahren k\u00e4mpft ein sehr engagierter islamischer Theologe, Mouhanad Korchide, daf\u00fcr, dass der Koran nicht mehr streng w\u00f6rtlich interpretiert werden d\u00fcrfe, sondern dass seine Aussagen historisch-kritisch zu bewerten sind. Wenn Sie sich einmal damit besch\u00e4ftigen wollen, wie der Islam aus einer solchen Sicht verstanden werden k\u00f6nnte, dann lesen Sie sein Buch \u201eIslam ist Barmherzigkeit\u201c!<\/p>\n<p>Wir Christen haben diese historisch-kritische Aufarbeitung Heiliger Schriften schon l\u00e4nger, aber auch bei uns ist sie nicht unumstritten.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich (und dazu ermuntert ja dieser Gemeindebrief) w\u00fcnsche mir von meiner Kirche diesen Mut, Religion permanent weiterzuentwickeln, alte Denkmuster kritisch zu betrachten und immer wieder auch abzulegen. Gandhi hat einmal gesagt, dass Konsequenz keine absolute Tugend ist, sondern dass es ebenso konsequent ist, sich zu \u00e4ndern, wenn man etwas als falsch erkennt. Man sei dann zwar nicht konsequent gegen\u00fcber der eigenen \u00dcberzeugung, aber konsequent gegen\u00fcber der Wahrheit (so wie man sie nach bestem Wissen und Gewissen zu erkennen versucht).<\/p>\n<p>Der griechische Schriftsteller Nikos Katzantzakis, der durch sein Buch \u201eAlexis Sorbas\u201c weltber\u00fchmt wurde, schrieb auch den Roman \u201eDie letzte Versuchung Christi\u201c. Dieses Buch wurde 1954 vom Papst auf den Index der verbotenen B\u00fccher gesetzt, weil Katzantzakis Darstellung der Ereignisse im Leben Jesu sich zu weit von der \u201eerlaubten\u201c katholischen Lehre entfernten und also die Lekt\u00fcre sch\u00e4dlich sei. Und tats\u00e4chlich: Manche von seinen Thesen, die er in diesem Buch entwickelt, fordern das allgemein \u00fcbliche Verst\u00e4ndnis von Christus und Christsein ziemlich heraus. Aber wer es mit offenem Interesse liest \u2013 und auch das m\u00f6chte ich empfehlen \u2013 wird feststellen, dass hier ein Christ seine Gedanken \u00fcber das Neue Testament darbietet, die einer zutiefst aufrichtigen pers\u00f6nlichen Auseinandersetzung mit unserer Heiligen Schrift entspringen.<\/p>\n<p>Und wieder: Diesen Mut w\u00fcnsche ich mir von \u201eKirche\u201c, einen solchen Diskurs anzunehmen und zu f\u00fchren. Weil er Kirche weiterentwickeln kann, sofern wir ihn zulassen.<br \/>\nGerade in der heutigen Zeit, wo wir darum k\u00e4mpfen, dass Menschenrechte, Menschenw\u00fcrde und Freiheit nicht unter die R\u00e4der kommen, m\u00fcssen wir meines Erachtens \u2013 gerade in der Religion \u2013 das verteidigen, was uns diese Errungenschaften gebracht hat: Die Aufkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Und es war Gotthold Ephraim Lessing, der damals die \u201eRingparabel\u201c ins Zentrum der Religionsdiskussion ger\u00fcckt hat, jenes wunderbare Gleichnis \u00fcber den Umgang der Religionen miteinander. In dieser Ringparabel lautet \u2013 sinngem\u00e4\u00df \u2013 die Schlussfolgerung so:<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen jetzt nicht feststellen, welche Religion die richtige ist. Aber wir k\u00f6nnen jede Religion an ihren Taten messen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich bedeutet das auch ganz wesentlich, dass ich mir eine Kirche, eine Religion w\u00fcnsche, die tatkr\u00e4ftig darum ringt, jeden Tag aufs Neue den richtigen Weg zu finden und nicht in permanenter Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung glaubt, ihn schon gefunden zu haben. Oder gar, ihn anderen aufzwingen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 14\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><em>Hartmut Schwaiger<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[25.07.2022] Der aktuelle Gemeindebrief widmet sich einem spannenden Thema, indem er uns offen fragt, jeden Einzelnen von uns: \u201eWas w\u00fcnschst du dir von deiner Kirche?\u201c. 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