{"id":11521,"date":"2022-09-26T00:00:17","date_gmt":"2022-09-25T22:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=11521"},"modified":"2022-09-02T17:36:37","modified_gmt":"2022-09-02T15:36:37","slug":"biologie-der-beruehrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=11521","title":{"rendered":"Biologie der Ber\u00fchrung"},"content":{"rendered":"<p>[26.09.2022]<\/p>\n<figure id=\"attachment_11522\" aria-describedby=\"caption-attachment-11522\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11522\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ursula_brandweiner-459x600.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"392\" srcset=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ursula_brandweiner-459x600.jpg 459w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ursula_brandweiner-783x1024.jpg 783w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ursula_brandweiner-230x300.jpg 230w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ursula_brandweiner-1175x1536.jpg 1175w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ursula_brandweiner.jpg 1192w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11522\" class=\"wp-caption-text\">Ursula Brandweiner<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das F\u00fchlen ist das Stiefkind unter unseren Sinnen. Verglichen mit Sehen, H\u00f6ren, Riechen oder Schmecken gilt es als \u201eniedere Wahrnehmung\u201c. Dabei ist die Haut mit bis zu zwei Quadratmetern Oberfl\u00e4che und bis zu zehn Kilogramm Gewicht unser gr\u00f6\u00dftes Sinnesorgan. Diese besteht aus drei Schichten, in denen sich mehrere Millionen Sinneszellen, die Rezeptoren, befinden. Sie nehmen Reize von au\u00dfen auf und leiten sie als elektrische Impulse an das R\u00fcckenmark weiter, das wiederum dem Gehirn meldet, was &#8222;drau\u00dfen&#8220; passiert. Allerdings befinden sich nicht an jeder K\u00f6rperstelle gleich viele Rezeptoren.<\/p>\n<p>Mach doch einen Versuch: Stich dich mit zwei spitzen Bleistiften gleichzeitig in die Fingerkuppe. Du wirst schon bei sehr geringen Abst\u00e4nden die zwei Einstichstellen unterscheiden k\u00f6nnen. Wiederholst du das Gleiche am R\u00fccken, stellt du fest, dass du erst dann beide Stiche wahrnimmst, wenn diese mehrere Zentimeter auseinander liegen.<\/p>\n<p>Damit das Gehirn zwischen den Informationen \u00fcber Temperatur, Druck, Vibration, Ber\u00fchrung und Schmerz unterscheiden und eine passende Reaktion veranlassen kann, besitzt der K\u00f6rper verschiedene spezialisierte Rezeptoren. Diese Rezeptoren reagieren unterschiedlich lang. Kurze Reaktionen haben Rezeptoren f\u00fcr Ber\u00fchrung und Vibration. Daher k\u00f6nnen wir beim Tasten schnell kleine Unterschiede wahrnehmen. Druck- und Schmerzrezeptoren reagieren manchmal l\u00e4nger anhaltend.<\/p>\n<p>Unser Gehirn ist in der Lage, allt\u00e4gliche, &#8222;unwichtige&#8220; Reize, wie die Ber\u00fchrung der Kleidung auf der Haut oder den Druck unserer F\u00fc\u00dfe auf dem Boden aus unserem Bewusstsein auszublenden, sodass wir uns ganz auf das Steinchen im Schuh oder die Stecknadel im Hemdkragen konzentrieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Als Reaktion auf Sinnesreize sch\u00fcttet unser Gehirn wichtige Botenstoffe aus. Bei anhaltenden Schmerzen steigt die Produktion von Stresshormonen, w\u00e4hrend angenehme Ber\u00fchrungen und Umarmungen die Aussch\u00fcttung von Wohlf\u00fchl- und Bindungshormonen, wie z.B. Oxytocin, ausl\u00f6sen. Diese k\u00f6nnen das Wohlbefinden steigern, den Blutdruck senken und die Bindungsf\u00e4higkeit unterst\u00fctzen. Vor allem bei Babys sind Ber\u00fchrungen sehr wichtig f\u00fcr die Entwicklung des Gehirns und die Aussch\u00fcttung von Wachstumshormonen. Das v\u00f6llige Fehlen liebevoller Ber\u00fchrungen dagegen verz\u00f6gert nicht nur die Entwicklung und verursacht seelische Sch\u00e4den, sondern kann sogar zum Tode f\u00fchren.<\/p>\n<p>Ein besonders bemerkenswertes Beispiel f\u00fcr die Wichtigkeit von Ber\u00fchrungen bei Babys ist die \u201eK\u00e4nguru-Methode\u201c (so genannt, weil sie der Art \u00e4hnelt, wie K\u00e4ngurus ihre Jungen tragen). Diese wurde erstmals bei Fr\u00fchgeborenen in den 1970er Jahren in Bogota, Kolumbien, angewandt, um den hohen Infektions- und Sterblichkeitsraten in Krankenh\u00e4usern aufgrund von \u00dcberf\u00fcllung und Knappheit an Brutk\u00e4sten zu begegnen. Die M\u00fctter wurden ermutigt, ihre Babys 24 Stunden Haut an Haut auf dem Brustkorb gebunden zu tragen. Erkrankungen und Sterblichkeit bei den S\u00e4uglingen gingen rasch zur\u00fcck. Seit dieser Zeit konnte durch viele Untersuchungen gezeigt werden, dass sich Sterblichkeit, Infektionen, Schwere von Infektionen sowie Dauer des Klinikaufenthalts durch die K\u00e4nguru-Methode verringern und sich gleichzeitig die Mutter-Kind-Bindung, das Stillen und die Zufriedenheit der Mutter verbessert hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[26.09.2022] Das F\u00fchlen ist das Stiefkind unter unseren Sinnen. Verglichen mit Sehen, H\u00f6ren, Riechen oder Schmecken gilt es als \u201eniedere Wahrnehmung\u201c. 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