{"id":11881,"date":"2022-12-22T00:00:37","date_gmt":"2022-12-21T23:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=11881"},"modified":"2022-12-21T13:09:09","modified_gmt":"2022-12-21T12:09:09","slug":"weihnachten-im-wandel-der-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=11881","title":{"rendered":"Weihnachten im Wandel der Zeit"},"content":{"rendered":"<p>[23.12.2022]<\/p>\n<p>Die &#8222;Urchristen&#8220; feierten kein Weihnachten. Einerseits lehnten sie das Feiern von Geburtstagen als heidnisch ab, andererseits wussten sie nicht, wann Jesus geboren wurde. Heute nimmt man an, dass seine wahre Geburt im Jahre 4 oder gar 7 vor dem sp\u00e4ter festgelegten Termin stattfand. Erst im 4. Jahrhundert setzte sich langsam der sp\u00e4te Dezember als zu feiernder Geburtstermin von Jesus durch. Eine Rolle spielte wohl auch die N\u00e4he zur Wintersonnenwende, die laut julianischem Kalender auf den 25. Dezember f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Weihnachten feierte man anfangs sehr schlicht. Die Christen versammelten sich zu einem Gottesdienst \u2013 das war Weihnachten. Ostern hatte f\u00fcr die Menschen damals mehr<br \/>\nBedeutung.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-11882 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/christmas-734208_1280-300x363.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"363\" srcset=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/christmas-734208_1280-300x363.png 300w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/christmas-734208_1280-600x726.png 600w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/christmas-734208_1280-846x1024.png 846w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/christmas-734208_1280.png 1058w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Erst im ausgehenden Mittelalter wurde Weihnachten als Fest wichtiger. Das war der Startpunkt f\u00fcr viele Traditionen. Der Baum zum Beispiel, als wichtiges Symbol unserer heutigen Weihnachten, ist seit der Zeit Martin Luthers bekannt, auch wenn er damals noch auf dem Hof stand. Der damalige Charakter von Weihnachten war der eines Dorffestes. Die Historikerin Renate Reuther erz\u00e4hlt dazu in einem ihrer B\u00fccher: \u201eDie Leute zogen durchs Dorf, klopften \u00fcberall an und \u00fcbermittelten Segensw\u00fcnsche. Als Dank bekamen sie Lebkuchen, Stollen, Schnaps oder Wein. Alles Gesammelte wurde in einem gro\u00dfen Gelage gemeinsam verzehrt.\u201c<\/p>\n<p>Die Besinnlichkeit hielt erst im Lauf des 19. Jahrhunderts Einzug in deutsche Familien. Die b\u00fcrgerliche Kleinfamilie als Keimzelle der Gesellschaft war das Produkt eines erstarkenden B\u00fcrgertums, das sich neben dem Adel etablieren wollte. Die Gro\u00dffamilie hatte keinen Bestand mehr, da die Menschen vermehrt in die St\u00e4dte zogen &#8211; eine Folge der Industrialisierung. Der Fokus verschob sich also von der Dorfgemeinschaft hin zur Familie&#8230; Und der Baum r\u00fcckte vom Hof ins Wohnzimmer. Allm\u00e4hlich wurde Weihnachten zu dem, was es heute ist bzw. noch ist: Ein Fest der b\u00fcrgerlichen Behaglichkeit rund um die \u201eFrohe Botschaft\u201c.<\/p>\n<p>Schenken war schon damals Teil des Festes. Anfangs wurden nur Kinder beschenkt. Diese sch\u00f6ne Grundidee, damit Weihnachtsfreude zu verbreiten, ist heute leider zur Konsum-Orgie verkommen. Der Kommerz hat dieses Frieden und Einkehr vermittelnde Fest zu einer schrillen, oberfl\u00e4chlichen Gesch\u00e4ftsidee gemacht. Ein bewusstes Gegensteuern w\u00e4re dringlich. K\u00f6nnten wir nicht zum Brauch der Anf\u00e4nge zur\u00fcckzukehren und nur Kinder beschenken? Verknappung t\u00e4te uns doch allen gut. Man kann dabei nur gewinnen, n\u00e4mlich mehr Zeit, Freude und damit Lebensqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Auch der Freiburger Theologe Stephan Wahle sieht die heutige Weihnacht kritisch. Er spricht von einer \u201enachchristlichen\u201c Kultur: \u201eDen Menschen heute kommt christliches Wissen abhanden. Viele erinnern sich nur vage an christliche Br\u00e4uche, geschweige denn an deren Herkunft und Inhalte. Religi\u00f6ser Gehalt tritt zur\u00fcck, eine farbige Kulisse bleibt stehen \u2013 Weihnachten wird zum Wohlf\u00fchl-Programm.\u201c Er erg\u00e4nzt aber: \u201eAuch wenn der klassische religi\u00f6se Kern des Weihnachtsfestes in den Hintergrund ger\u00e4t, ist dem Menschen heute die Sehnsucht nach Sinn nicht abhandengekommen. Deshalb darf auch eine \u201aReligiosit\u00e4t der Sehnsucht\u2018 als menschliche Grunddimension gelten. Es ist kein Wissen, mehr die Ahnung, dass ein Mensch gewordener Gott, wie ihn die Kirche zu Weihnachten feiert, f\u00fcr den Menschen das Gl\u00fcck schlechthin bedeuten kann.\u201c<\/p>\n<p><em>Helga Schinninger<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[23.12.2022] Die &#8222;Urchristen&#8220; feierten kein Weihnachten. Einerseits lehnten sie das Feiern von Geburtstagen als heidnisch ab, andererseits wussten sie nicht, wann Jesus geboren wurde. 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