{"id":12751,"date":"2023-02-28T22:37:36","date_gmt":"2023-02-28T21:37:36","guid":{"rendered":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=12751"},"modified":"2023-10-20T12:06:57","modified_gmt":"2023-10-20T10:06:57","slug":"fulminanter-start-der-fastenaktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=12751","title":{"rendered":"(1) Fulminanter Start der Fastenaktion"},"content":{"rendered":"\n<p>Die 32. Fastenaktion legte am 1. Abend einen fulminanten Start hin. Dem Vorbereitungsteam gelang es mit dem K\u00e4rntner Diplomaten Dr. Valentin Inzko einen exzellenten Referenten einzuladen, der die \u00fcber 90 Besucher in der HTL in Hallein bei seinem Vortrag in den Bann zog.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12754\" aria-describedby=\"caption-attachment-12754\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12754 size-large\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_a-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_a-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_a-600x400.jpg 600w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_a-300x200.jpg 300w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_a-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_a.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-12754\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Valentin Inzko<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Vortragende ging auf etliche Beispiele ein, wie es in der Vergangenheit gelungen ist, Frieden zu schaffen, ohne das Waffen verwendet wurden. Es kamen aber auch Beispiele auf den Tisch, bei denen es darum ging, bereits kriegerische Auseinandersetzungen in einen (dauerhaften) Frieden zu \u00fcberf\u00fchren. Und nat\u00fcrlich nahm der aktuelle Ukraine-Krieg breiten Raum im Vortrag und in der anschlie\u00dfenden Diskussion ein.<\/p>\n<p>Dr. Valentin Inzko war in seiner langen und erfolgreichen Berufslaufbahn u.a. Diplomat. Den H\u00f6heunkt in seiner beruflichen Laufbahn stellte seine Arbeit\u00a0 als\u00a0 &#8222;Hoher Repr\u00e4sentant der UN&#8220; in Bosnien und Herzegowina dar, eine Aufgabe, die er bis 2021 inne hatte. Daneben ist Dr. Inzko Obmann des Rates der K\u00e4rntner Slowenen. Ausgezeichnet wurde er u.a. mit dem Gro\u00dfen Silbernen Ehrenzeichen f\u00fcr Verdienste um die Republik \u00d6sterreich.<\/p>\n<p>Interessierte haben die M\u00f6glichkeit, den Vortrag (ohne Diskussion) in Ruhe anzuh\u00f6ren (Dauer: 41:26).<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-12751-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01.mp3\">https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01.mp3<\/a><\/audio>\n<p>Wer lieber nachlesen will, dem wird nachstehend eine zusammenfassung des Vortrags angeboten.<\/p>\n<h3>Eine Gerechtigkeit, die zu lange dauert, ist keine Gerechtigkeit!<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-12770 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_e-300x225.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_e-300x225.png 300w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_e-600x450.png 600w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_e-1024x768.png 1024w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_e-678x509.png 678w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_e-326x245.png 326w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_e-80x60.png 80w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_e.png 1337w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Wenn man verhandelt, muss man in einer Position der St\u00e4rke sein. Man braucht eine &#8222;Flotte&#8220; im Hafen, die im Hafen vor Anker liegt, nicht gebraucht wird, aber einen starken Eindruck hinterl\u00e4sst &#8211; auch wen die Flotte den &#8222;Hafen&#8220; nie verlassen hat. Diese Position der St\u00e4rke kann eine bessere Vorbereitung sein, es k\u00f6nnen v\u00f6lkerrechtliche Argumente, es k\u00f6nnen moralische Argumente sein oder auch milit\u00e4rische Erfolge. Intzko sieht sich als Verfechter von friedensstiftenden milit\u00e4rischen Operationen und auch von friedenserhaltenden Operationen.<\/p>\n<p>In Bosnien Herzegowina war Intzko \u00fcber 16 Jahre lang t\u00e4tig und konnte dort sehen, wie internationale Truppen mit \u00fcber 60.000 Mann friedensstiftend t\u00e4tig waren. Auch dort war ein fr\u00fcchterlicher Krieg im Laufen, der 100.000 Tote gekostet hat; w\u00fcrde das auf die Ukraine umgerechnet, w\u00fcrde das den Tod von 1 Million Opfer bedeuten.<\/p>\n<p>Es gab in diesem Krieg unz\u00e4hlige Vermittlungsversuche, die alle allerdings scheiterten. Es gab sogar Pl\u00e4ne, die beiden Staaten, durch eine Demarkationslinie zu trennen wie am Beispiel von Nord und S\u00fcdkorea.<\/p>\n<p>Erst sehr sp\u00e4t im Jahr 1995 intervenierte die NATO, nachdem der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Mitterand verstorben war, der zuvor einen Einsatz verhinderte. D.h. manchmal kann man Frieden mit Waffen schaffen und manchmal muss man das sogar tun. Diese These steht scheinbar im Widerspruch zum Titel des Abends &#8222;Frieden schaffen ohne Waffen&#8220;.<\/p>\n<p>Frieden ohne Waffen zu schaffen ist m\u00f6glich, aber nur in Ausnahmef\u00e4llen, wobei es solche Ausnahmen gibt.<br \/>\nEine M\u00f6glichkeit, Frieden ohne Waffen zu schaffen, sind internationale Schiedsgerichte. Solche Schiedsgerichte gibt es hundertfach, da sie Probleme in der Regel schneller l\u00f6sen und das auch mit deutlich weniger Einsatz von Finanzen. Genf und Z\u00fcrich z\u00e4hlen zu den f\u00fcnf meist gew\u00e4hlten Schiedsgerichten in der Welt. Solche Schiedsgericht arbeiten in der Regel sehr schnell und sind schneller als zum Beispiel Gerichte in \u00d6sterreich. Am Beispiel des ehemaligen Finanzministers Grasser mit einer Verfahrensdauer von \u00fcber acht Jahren ist zu erkennen, dass diese Verfahren in \u00d6sterreich oft viel zu lange dauern. Eine Gerechtigkeit, die zu lange dauert, ist keine Gerechtigkeit!<\/p>\n<h3>Schiedgerichte sind schnell(er)<\/h3>\n<p>Wenn Staaten ein Schiedsgericht anrufen, dann ist die Entscheidung dieses Schiedsgerichtes wirksam und ist auch eine Vollstreckung dieses Entscheides zul\u00e4ssig.<\/p>\n<p>Der Streit zwischen Slowenien und Kroatien um die Bucht von Piran ist ein Beispiel eines gelungenen Einsatzes eines Schiedsgerichtes. Dabei ging es um den Grenzverlauf vor allem im Meer. Unter anderem ging es da auch um den Hafen Koper, der gr\u00f6\u00dfte Hafen Europas, der sogar bedeutender ist als der Hafen in Hamburg. Zig tausende Autos werden \u00fcber diesen Hafen in Richtung Asien und umgekehrt verschifft, daher war diese Seegrenze f\u00fcr Slowenien sehr wichtig. Nachdem \u00fcber Jahrzehnte Vermittlungsversuche scheiterten, kam es nach einer Volksabstimmung zu diesem Einsatz eines internationalen Schiedsgerichtes. Das kroatische Parlament hat dann aber den Entschluss gefasst, dieses Verfahren zu beenden, aus diesem auszusteigen, nachdem vertrauliche Informationen einen Verlust beim Schiedsgericht erwarten lie\u00dfen. Wobei eine Besonderheit eines Schiedsgerichtes darin besteht, dass man daraus nicht &#8222;aussteigen&#8220; kann. Das ist ein Beispiel, wo ein solches Verfahren schief gegangen ist; aber es gibt ein Urteil und fr\u00fcher oder sp\u00e4ter werden die beiden L\u00e4nder dieses Urteil auch anerkennen. Wie oft im Leben wird man daf\u00fcr einen guten Zeitpunkt abwarten m\u00fcssen. Nachdem beide L\u00e4nder im Schengen-Verband sind und Grenzen deshalb facto gar nicht mehr existieren sind die Chancen daf\u00fcr schon recht gut.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel von Konfliktl\u00f6sung ohne Waffen war der Konflikt zwischen Chile und Argentinien (&#8222;Bibelkonflikt&#8220;) am &#8222;Ende der Welt&#8220;. Bei diesem Konflikt ging es um einige Inseln und um den Meereszugang f\u00fcr Argentinien. Vermittelt hat in diesem Fall der Vatikan, dem es gelungen ist, dass die Konfliktparteien auf Gewalt verzichten. 1984 konnte dieser Konflikt f\u00fcr abgeschlossen erkl\u00e4rt werden. Chile bekam die Inseln zugesprochen und Argentinien die vollen maritimen Rechte inkl. der Fischereirechte. Aus diesem Vertrag wurde in der Zwischenzeit ein Friedens- und Freundschaftsvertrag zwischen den beiden L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Daneben gibt es weitere Varianten, sowohl blutige als auch friedliche. Die bekannteste Variante ist wohl die zwischen den &#8222;neuen&#8220; Staaten Tschechien und Slowakei. Diese Trennung war so friedlich, dass manche Menschen bedauern, dass diese L\u00e4nder \u00fcberhaupt auseinander gegangen sind. Die beiden L\u00e4nder sind heute &#8222;dicke Freunde&#8220;, die bei der UNO immer gleich abstimmen und auch bei Friedensmissionen immer gemeinsam auftreten.<\/p>\n<h3>Friedliches Auseinandergehen ist m\u00f6glich<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_d.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-12771 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_d-300x389.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"389\" srcset=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_d-300x389.png 300w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_d-600x778.png 600w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_d-789x1024.png 789w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_d.png 794w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Bereits vor mehr als hundert Jahren kam es zu einem friedlichen Auseinandergehen im Jahr 1905, als Norwegen von Schweden unabh\u00e4ngig wurde. Auch Finnland bekam seine Unabh\u00e4ngigkeit relativ friedlich, indem Russland Finnland im Jahr 1918 anerkannt hat. Aus dieser Zeit vor der Unabh\u00e4ngigkeit von Russland gibt es in Finnland sogar noch einige orthodoxe Kirchen.<\/p>\n<p>Anders verhielt sich die Sowjetunion im Jahr 1939 zu Beginn des 2. Weltkrieges, wo Russland versuchte, Finnland zu annektieren. Die Finnen leisteten heroischen Widerstand, verloren aber bis zu 12 % des Territoriums an die UdSSR mit einem Anteil von gut 20% der Industrie Finnlands, rund 96.000 Soldaten mussten dabei sterben. Finnische Verhandler gelten seither als die h\u00e4rtesten Verhandler \u00fcberhaupt und Finnland hat deshalb seine \u00fcber 1.300 km lange Grenze zur Russland massiv gesch\u00fctzt. Damit will Finnland vorbereitet sein auf einen eventuellen russischen Angriff. Verst\u00e4rkt werden diese Verteidigungsbem\u00fchungen durch den angepeilten Eintritt in die NATO, ein Plan, den auch die bis jetzt neutralen Schweden haben. Die erste &#8222;Anerkennung&#8220; der Sowjetunion 1918 war friedlich, da u.a. Lenin diese Freiheit f\u00fcr die Finnen und deren Volksgruppen und V\u00f6lker wollte.<\/p>\n<p>Nach dem Ende des 2. Weltkriegs bekam Russland als &#8222;Belohnung&#8220; f\u00fcr den Sieg \u00fcber Hitler-Deutschland als einziges Land 3 Sitze in der UNO, einen f\u00fcr Russland, einen f\u00fcr Wei\u00dfrussland und einen f\u00fcr die Ukraine (!), d.h. also schon damals wurde die Ukraine als &#8222;eigene&#8220; Nation von Russland definiert.<\/p>\n<p>Auch in der Ukraine geht es aktuell um ca. 17-20% des ukrainischen Territoriums. Einige Politiker sind der Ansicht, die Ukraine sollte auf einige Territorien des Friedens willen verzichten, insbesondere auf die Krim. Das w\u00e4re jedoch gegen alle Regeln des V\u00f6lkerrechtes, gegen alle internationalen Vertr\u00e4ge und auch gegen bilaterale Vertr\u00e4ge die Russland mit der Ukraine unterzeichnet hat. Beispielhaft hier 6 solcher Vertr\u00e4ge, die Russland schon jetzt allesamt gebrochen hat:<\/p>\n<ol>\n<li>UN-Charta<\/li>\n<li>Die Satzung der Vereinten Nationen, die auch von der Unverletzlichkeit der Grenzen spricht.<\/li>\n<li>Die &#8222;Schlussakte von Helsinki&#8220; im Juli 1975, wo neben der Unverr\u00fcckbarkeit der Grenzen u.a. auch Reisefreiheit zugestanden wurde<\/li>\n<li>Die &#8222;Pariser Charta f\u00fcr ein neues Europa&#8220; im Jahr 1990. Auch diese spricht von der Unverr\u00fcckbarkeit und Unverletzlichkeit der Grenzen.<\/li>\n<li>Am 2. Dezember 1991 hat Russland die Ukraine offiziell als eigenen Staat anerkannt.<\/li>\n<li>Das &#8222;Budapester Memorandum&#8220; vom 2. Dezember 1994. Mit diesem Memorandum haben die Ukraine auf Atomwaffen verzichtet, von Russland haben sie im Gegenzug &#8222;Garantien f\u00fcr die Staatsgrenzen&#8220; von Russland erhalten.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Daraus ist schon erkennbar, wieviel eine Unterschrift Russlands bzw. von Pr\u00e4sident Putin wert ist. Pr\u00e4sident Putin hat alle (!) Vertr\u00e4ge gebrochen, alle, die es gibt.<\/p>\n<p>Nachdem Russland keinen Zugang mehr hatte zur Schwarzmeerflotte und zu einem ordentlichen Hafen (Sevastopol) gab im Jahr 1995 es einen weiteren Vertrag mit der Ukraine, wo die Russen unterschrieben haben, dass sie in Sevastopol &#8211; in der Ukraine &#8211; ihre Flotte weiter behalten d\u00fcrfen. Auch damit haben sie die Ukraine als eigenen Staat anerkannt.<\/p>\n<p>Trotz aller bilateraler und internationaler Vertr\u00e4ge sind die Russen schon im Jahr 2014 in der Krim einmarschiert, ein &#8222;Spaziergang&#8220;, der in 1-2 Wochen vorbei war. Die russische Armee wurde mehr oder weniger freundlich begr\u00fc\u00dft und die Ukraine \u00fcberrumpelt. Noch fr\u00fcher, im Jahr 2008 hat Russland bereits einen Teil von Georgien unrechtm\u00e4\u00dfig besetzt, die internationale Gemeinschaft hat da zugesehen und so gut wie nicht reagiert &#8211; dabei ging es um Prinzipien. Es kann und darf nicht sein, dass ein Land einfach sich an anderen L\u00e4ndern &#8222;bedient&#8220;. Trotz dieser Perspektiven wurde mit Angela Merkl die Nordstream2-Pipeline geplant und \u00fcber die Okkupation der Krim hinweg geschaut. Es muss daher nicht verwundern dass Putin gemeint hat, es geht auch dieses Mal locker und schnell mit der Besetzung der Ukraine. Bezeichnend daf\u00fcr die Tatsache, dass bei russischen Soldaten, die in Gefangenschaft gerieten, &#8222;Paradeuniformen&#8220; f\u00fcr eine Siegesparade und so gut wie kein Proviant gefunden wurden. \u00dcbersehen hat Putin allerdings, dass die Ukraine aus der Krim-Besetzung gelernt und in den 9 Jahren seither massiv aufger\u00fcstet haben. Das f\u00fchrte dazu, dass der Vormarsch der Russen gestoppt werden konnte. So gelang es der Ukraine, die furchterregende 60 km lange Panzerkolonne der Russen erfolgreich anzugreifen und ihnen schwere Verluste zuzuf\u00fcgen. Auch die Einnahme eines Flughabens nahe Kiew durch Fallschirmj\u00e4ger konnte abgewehrt werden. Trotzdem ist es Russland gelungen, viele Gebiete zu erobern, die aber zum Teil von der Ukraine r\u00fcckerobert werden konnten.<\/p>\n<h3>Das M\u00e4rchen von den Nazis in der Ukraine<\/h3>\n<p>Die &#8222;Entnazifizierung der Ukraine&#8220; gilt laut Putin ja als Rechtfertigung f\u00fcr diesen Krieg, was aber einfach gelogen und gegen alle Fakten ist. Vermutlich haben die Russen im ersten Kriegsjahr nicht einen Nazi gefunden, und selbst wenn es dort Nazis bzw. rechtsextreme Personen gibt &#8211; so 1-2% gibt es \u00fcberall &#8211; w\u00e4re das eine Sache der Gerichte der Ukraine und ganz sicher nicht der Russen. Paradox wird diese &#8222;Begr\u00fcndung&#8220; mit der Tatsache, dass der Pr\u00e4sident der Ukraine, Selensky, selbst Jude ist und einige seiner Verwandten sogar beim Holocaust umgekommen sind. Alles in Allem ein sehr schwaches Argument f\u00fcr einen Krieg. Putin wollte die Ukraine auch de-ukrainisieren mit der Behauptung, die Ukraine w\u00e4re kein wirklicher Staat, die Ukrainer w\u00e4ren kein richtiges Volk und ukrainisch keine richtige Sprache. Das mag alles stimmen, ist aber trotzdem keine Rechtfertigung f\u00fcr Krieg. Wie w\u00e4re es dann zB. mit Argentinien, das keine eigene Sprache hat (dort wird spanisch gesprochen)? Das alles ist doch kein Argument, dass ein Land in ein anderes einmarschiert und behauptet, das ist unser Territorium und wir wollen euch wieder zur\u00fcckf\u00fchren in die Sowjetunion. Die Ukrainer wollen das aber nicht, sie wollen nicht leben wie in Sibirien, sie wollen &#8222;westlich&#8220; leben. Das hat Putin massiv gest\u00f6rt, denn Meinungsfreiheit, freie Zeitungen freie Fernsehsender, freie Internet, das alles will er f\u00fcr &#8222;seine&#8220; Bev\u00f6lkerung nicht.<\/p>\n<p>Auch die Behauptung, die Krim w\u00e4re immer russisch gewesen, ist nicht haltbar. Die Krim war einmal russisch, einmal ottomanisch, einmal tartarsich, einmal war sie griechisch (viele griechische St\u00e4dtenamen verweisen heute noch auf diese Zeit und es gibt auch eine griechische Minderheit). Dieses historische Argument k\u00f6nnte auch Deutschland verwenden und K\u00f6nigsberg zur\u00fcckverlangen. \u00d6sterreich k\u00f6nnte S\u00fcdtiol zur\u00fcckverlangen, Orban Teile von Rum\u00e4nien usw. Was w\u00e4re dann das Ergebnis: Chaos auf der ganzen Erde.<\/p>\n<p>Ein positives Beispiel ist Tirol mit Nordtirol, Osttirol und S\u00fcdtirol, es gibt um keinen Millimeter ge\u00e4nderte Grenzen und es ist trotzdem eine Region, mit einer gemeinsamen W\u00e4hrung (so wie fr\u00fcher in \u00d6sterreich-Ungarn), diese Art der Gemeinsamkeit ist die Zukunft, damit Streitereien um Quadratkilometer \u00fcberwunden werden. Ggfs. muss man Minderheiten einfach gr\u00f6\u00dfere Rechte geben.<\/p>\n<h3>Wie kann man einen Krieg beenden?<\/h3>\n<p>Kriege enden nat\u00fcrlich, wenn einer aufh\u00f6rt, so wie bei einem Streit in der Familie. Dort endet Streit auch dann, wenn einer aufh\u00f6rt &#8211; am besten der, der den Streit begonnen hat.<\/p>\n<p>Kriege k\u00f6nnen aber auch enden, wenn der Schw\u00e4chere aufh\u00f6rt. Das klingt aber nach Kapitulation.<\/p>\n<p>Kriege enden auch, wenn die politische Macht der Machthaber bedroht ist. Dieser Punkt ist in Russland noch nicht erreicht. Wenn es soweit ist, wird Putin den Druck in Moskau sp\u00fcren, nicht in der Ukraine. Er wird dann aufh\u00f6ren, wenn &#8222;zu Hause&#8220; die Bedrohung bzw. der Druck zu gro\u00df wird. Oder auch dann, wenn er das Risiko einer Niederlage sehen wird, dann wird er verhandeln.<\/p>\n<p>Die Suche nach einer Einigung kann aber erst beginnen, wenn der verlustreiche Krieg &#8222;reif&#8220; ist. So muss auch die Zeit f\u00fcr Verhandlungen &#8222;reif&#8220; sein (Wiliam Zartmann, Konfliktforscher), dieser Moment ist derzeit noch nicht gekommen.<\/p>\n<p>Der Krieg kann auch enden bei einer verlustreichen und f\u00fcr beide Seiten aussichtslosen Pattsituation &#8211; wie bei einem Schachspiel, wenn keiner mehr die Partie gewinnen kann. In diesem Fall besteht aber auch die M\u00f6glichkeit, dass die Ukraine weiter k\u00e4mpfen w\u00fcrde, denn es geht ja um ihre Heimat. Der gel\u00e4ufige Satz stimmt schon: &#8222;Wenn Russland den Krieg verliert, hat es den Krieg verloren. Wenn die Ukraine den Krieg verliert, hat es die Ukraine verloren.&#8220; Deshalb wird die Ukraine auch nicht aufh\u00f6ren, wenn es zu einer Pattsituation kommt. Schon Napoleon sagte einmal: &#8222;Jemand der die Heimat verteidigt, ist dreimal st\u00e4rker als der Angreifer.&#8220;<\/p>\n<h3>Atommacht Russland<\/h3>\n<p>Oft wird behauptet, dass eine Atommacht einen Krieg nicht verlieren kann. Dem ist nicht so. Atomm\u00e4chte haben schon etliche Kriege verloren:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Sowjetunion in Afghanistan<\/li>\n<li>Der erste Krieg Russlands gegen die Tschetschenien (den zweiten Krieg aber haben sie gewonnen)<\/li>\n<li>Frankreich hat Algerien verloren, obwohl seit 1960 Atommacht<\/li>\n<li>Die Briten konnten nicht verhindern, dass das britische Empire zerf\u00e4llt<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Einsatz von Atomwaffen in der Ukraine wird Russland nicht den Krieg gewinnen lassen, es w\u00e4re aber ein enormer Schlag gegen den Status Russlands. Russland w\u00fcrde dann wohl auf den Status von Nordkorea oder noch schlimmer abrutschen.<\/p>\n<p>Putin darf auch deshalb nicht gewinnen, weil es ein weltweites Signal w\u00e4re, dass die Macht st\u00e4rker ist als das Recht. In einer zivilisierten Gesellschaft muss das Recht st\u00e4rker sein als die Macht (oder das Milit\u00e4r). Putin kann nicht mehr gewinnen, das ist allen klar. Er darf aber auch nicht verlieren, denn dann w\u00e4re auch er weg, wenn er den Krieg verlieren w\u00fcrde. Putin darf nicht verlieren, kann aber auch nicht gewinnen. Deshalb darf man die Ukraine nicht entmutigen und darf auch Russland nicht ermutigen! &#8222;Am Dnjepr-Fluss messen die Despotie und die Demokratie ihre Kr\u00e4fte&#8220;, so der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Macron in einer \u00c4usserung. &#8222;Wir m\u00fcssen von einer stabilen Weltordnung ausgehen, und wenn Russland den Krieg gewinnt, gibt es diese Weltordnung nicht mehr&#8220;, so ebenfalls der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident.<\/p>\n<p>Wenn es einmal zu Verhandlungen kommen wird &#8211; und jeder Krieg ist mit Verhandlungen zu Ende gegangen &#8211; werden die Ukraine nat\u00fcrlich verlangen die R\u00fcckgabe der besetzten Gebiete, die R\u00fcckkehr der vertriebenen Ukrainer, die Gr\u00fcndung eines internationalen Strafgerichtshofes wegen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Sie werde Reparationszahlungen verlangen, denn ein gro\u00dfer Teil des Landes besteht nur mehr aus Ruinen. Und da stellt sich die grunds\u00e4tzliche Frage: Welches Recht haben die Russen (selbst wenn sie irgendwelche historischen Rechte h\u00e4tten), Spit\u00e4ler, Kinderg\u00e4rten, Theater usw. zu zerst\u00f6ren bzw. ganze St\u00e4dte zu zerst\u00f6ren? Und ebenfalls verlangen wird die Ukraine eine Pr\u00e4senz der NATO, wenn nicht \u00fcberhaupt eine Mitgliedschaft. Denn die Ukraine wird russischen Unterschriften und Garantien aus Erfahrung nicht mehr glauben.<\/p>\n<h3>Zum Ende ein christlicher Ansatz.<\/h3>\n<figure id=\"attachment_12775\" aria-describedby=\"caption-attachment-12775\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_f.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12775 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_f-300x349.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_f-300x349.png 300w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_f-600x698.png 600w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/fa2023_01_f.png 634w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-12775\" class=\"wp-caption-text\">Pastoralassistentin Andrea Leisinger von der r.k. Stadtpfarre Hallein f\u00fchrte souver\u00e4n durch den gelungenen Abend<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auch wenn es sich bei de Kriegsparteien um verschiedene Gruppierungen handelt, sind ja doch alle &#8222;Christen&#8220;. Christus hat gesagt, dass auf das Prinzip &#8222;Auge um Auge&#8220; etwas anderes folgen soll. In der Bergpredigt hat er gesagt, &#8222;wenn jemand auf deine rechte Wange schl\u00e4gt, so wende ihm auch die andere Wange zu&#8220;. Das ist aber nicht alles. Im Johannes-Evangelium reagiert Jesus beim Kreuzweg folgenderma\u00dfen: &#8222;Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach! Wenn es aber recht war, warum schl\u00e4gst du mich?&#8220;. Genau das kann auch jeder Ukrainer sagen, der angegriffen wird. Das w\u00e4re wohl der christliche Ansatz, denn wir k\u00f6nnen ohnehin nicht tolerieren, warum unsere Br\u00fcder und Schwestern sterben, nur weil jemand so wahnsinnig war und den Krieg begonnen hat. Am Ende wird es hoffentlich so weit sein, dass wir alle sagen werden k\u00f6nnen &#8222;Der Friede sei mit dir!&#8220; &#8211; auch unter den Orthodoxen, unter den Christen, damit wieder eine Br\u00fcderlichkeit aufkommt zwischen dem ukrainischen und dem russischen Volk. Das wird sehr sehr lange dauern, vielleicht 100 Jahre, aber vielleicht wird auch dieser Augenblick kommen.<\/p>\n<p><strong>Der Friede sei mit euch!<\/strong><\/p>\n<p><em>Dr. Valentin Inzko<\/em> (zusammengefasst von Helmut Meisl)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Die 32. Fastenaktion legte am 1. Abend einen fulminanten Start hin. Dem Vorbereitungsteam gelang es mit dem K\u00e4rntner Diplomaten Dr. Valentin Inzko einen exzellenten Referenten einzuladen, der die \u00fcber 90 Besucher in der HTL in <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=12751\" title=\"(1) Fulminanter Start der Fastenaktion\">[&#8230;]<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":8,"featured_media":12759,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":{"0":"post-12751","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-fastenaktion-archiv"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12751","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12751"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12751\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12991,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12751\/revisions\/12991"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/12759"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12751"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12751"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12751"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}