{"id":16430,"date":"2025-03-30T00:00:41","date_gmt":"2025-03-29T23:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=16430"},"modified":"2025-03-30T10:00:40","modified_gmt":"2025-03-30T08:00:40","slug":"wie-dalete-arbeitet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=16430","title":{"rendered":"Wie DALETE arbeitet"},"content":{"rendered":"<p>[30.03.2025]<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich der Fastenaktion 2025 wurde u.a. \u00fcber die konkrete Arbeit von DALETE berichtet. Sie k\u00f6nnen den Vortrag der Diakoniebeauftragten Dr.<sup>in<\/sup> Edda B\u00f6hm-Ingram hier jederzeit anh\u00f6ren oder auch die nachstehenden Informationen lesen.<\/p>\n<p>[player id=&#8217;16406&#8242;]<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Zum Verst\u00e4ndnis von &#8222;Armut&#8220; (materielle\/immaterielle Armut)<\/h3>\n<h4>Materielle Armut<\/h4>\n<ul>\n<li>Armut bedeutet f\u00fcr mich, nicht genug von dem zu haben, was man dringend zum Leben braucht:\n<ul>\n<li>Nahrung: Wir leben in einem Land, in dem niemand Hunger leiden m\u00fcsste. Und doch gibt es in unserer Gesellschaft Menschen, die sich und ihre Familie nicht t\u00e4glich ausreichend mit Lebensmittel versorgen k\u00f6nnen. Viele Lebensmittel sind f\u00fcr sie nicht erschwinglich, was zu Mangelern\u00e4hrung und dadurch bedingt zu verst\u00e4rkter Anf\u00e4lligkeit von Krankheiten f\u00fchren kann,<\/li>\n<li>Kleidung: Zu mir kommen Menschen in die Beratung, die im Winter Sommerschuhe anhaben oder bei Regenwetter mit nassen F\u00fc\u00dfen in ihren Stoffturnschuhen bei mir sitzen &#8211; es ist oft das einzige paar Schuhe, das sie besitzen.<\/li>\n<li>Wohnung: Angemessener Wohnraum ist f\u00fcr viele Menschen nicht leistbar, weil die Mieten im Verh\u00e4ltnis zum verf\u00fcgbaren Einkommen viel zu hoch sind. Ich habe Menschen kennengelernt, die mehr als die H\u00e4lfte ihres Einkommens f\u00fcr Miete und Betriebskosten ausgeben. Wenn dann unerwartete Ausgaben auf sie zukommen &#8211; beispielsweise, wenn der K\u00fchlschrank kaputt geht &#8211; m\u00fcssen sie sich entscheiden, ob die Miete weiterbezahlt oder ein neuer K\u00fchlschrank angeschafft wird. Und werden die Mietr\u00fcckst\u00e4nde zu gro\u00df, dann droht Delogierung und Wohnungsverlust&#8230;.<\/li>\n<li>Ausreichende gesundheitliche Versorgung: Auch ein prinzipiell gut funktionierendes Gesundheitssystem kann die gesundheitlichen Folgen von Mangelern\u00e4hrung nicht verhindern. Lebensmittel werden immer teurer, das Geld reicht dann oft nur noch f\u00fcr \u201ebillige Lebensmittel&#8220; &#8211; Obst und Gem\u00fcse z\u00e4hlen da gerade nicht unbedingt dazu. Unregelm\u00e4\u00dfiges Essen und unausgewogene Ern\u00e4hrung sowie der t\u00e4gliche Kampf, irgendwie \u201e\u00fcber die Runden zu kommen&#8220;, zehrt an der k\u00f6rperlichen aber auch an der psychischen Gesundheit. Wenn dann lange Krankenst\u00e4nde auch noch dazu f\u00fchren, dass der Arbeitsplatz verloren geht, wird es schwer, im Leben wieder gut Fu\u00df zu fassen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Immaterielle Armut<\/h4>\n<ul>\n<li>Teilhabe an der Gesellschaft: Nicht dem Beruf nachgehen zu k\u00f6nnen, der den eigenen F\u00e4higkeiten entspricht, an vielen Freizeitaktivit\u00e4ten nicht teilnehmen zu k\u00f6nnen (Sportveranstaltungen, Kino, Konzert, Theater) nicht mobil zu sein (sich keine \u00d6ffi-Tickets oder dort, wo es notwendig ist, kein Auto leisten zu k\u00f6nnen) und nicht am politischen Leben teilnehmen zu k\u00f6nnen (z.B. Wahlrecht) f\u00fchren zum R\u00fcckzug und in letzter Konsequenz zu Vereinsamung. Dann ist nicht mehr der t\u00e4gliche Kampf um&#8217;s \u00dcberleben im Vordergrund sondern die dr\u00e4ngenden Fragen sind:\n<ul>\n<li>Was ist der Sinn in meinem Leben ?<\/li>\n<li>Was bin denn ich \u00fcberhaupt noch wert?<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Ich nehme wahr, dass die soziale Ausgrenzung der Menschen, die sich in ihrer Not an uns wenden, f\u00fcr die meisten schwerer zu ertragen ist als die materielle Not, aufgrund der sie uns eigentlich aufsuchen. Soziale Ausgrenzung bedeutet, dass sie nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen k\u00f6nnen und beispielsweise kein Geld daf\u00fcr da ist, dass sie ihren Kindern irgendwelche \u201eExtras&#8220; g\u00f6nnen zu k\u00f6nnen. Soziale Ausgrenzung erfahren aber auch viele kranke, \u00e4ltere und gebrechliche Menschen, die es dann letztendlich aus eigener Kraft nicht (mehr) schaffen, Kontakt mit anderen Menschen zu halten.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Spannungsfeld zwischen Verwaltung und Bek\u00e4mpfung von Armut<\/h3>\n<ul>\n<li>Wir leben in einem Sozialstaat, der zur Armutsbek\u00e4mpfung soziale Sicherheitssysteme eingef\u00fchrt hat:\n<ul>\n<li>Rente, Arbeitslosenversicherung, Arbeitsmarktprogramme, Sozialhilfe,<br \/>\nKindergeld und der universelle Zugang zu Gesundheits-Dienstleistungen und Bildung. Aber warum gibt es dann trotzdem so viele Menschen die armutsgef\u00e4hrdet sind bzw. in Armut leben (Beispiele: Mindestrentner:in, Berufst\u00e4tige im Niedristlohnsegment, psychisch oder k\u00f6rperlich erkrankte Menschen, die von der Invalidit\u00e4tspension leben m\u00fcssen und Menschen, die keinen Zugang zu unserem Sozialsystem haben)<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Wir nehmen die ungerechte Verteilung der vorhandenen Mittel in \u00d6sterreich und somit auch bei uns im Tennengau wahr und versuchen, Schritte zur Bek\u00e4mpfung von Armut zu setzen. In vielen Bereichen dienen die ergriffenen Ma\u00dfnahmen aber nur dazu, die Menschen \u201e\u00fcber Wasser zu halten&#8220;. Eine echte Verbesserung ihrer Situation, geschweige denn, dass sie ein Leben wie DU und ICH f\u00fchren k\u00f6nnen, erreichen wir durch die derzeit angebotenen Sozialleistungen kaum.<\/li>\n<li>Es ist \u201eimmer zu wenig&#8220; was wir in \u00d6sterreich und somit auch im Tennengau f\u00fcr einen Ausgleich zwischen Armen und Reichen tun! Der wichtigste Schritt zu einer besseren Bek\u00e4mpfung von Armut w\u00e4re meines Erachtens, die Verteilung der in unserem Land zur Verf\u00fcgung stehenden Ressourcen anzusehen und Hilfeleistungen verst\u00e4rkt in die Richtung \u201eHilfe zur Selbsthilfe&#8220; zu lenken.<\/li>\n<li>Die soziale Sicherheit hat vorrangige Bedeutung im Hinblick auf die Wahrung des sozialen Zusammenhalts, die Pr\u00e4vention gegen prek\u00e4re Lebensumst\u00e4nde, Armut und soziale Ungleichheit. Wie weit dienen die derzeit ergriffenen Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung der Armut aber auch der Emanzipation des Menschen? Wie weit k\u00f6nnen sie ein selbstbestimmtes Leben f\u00fchren, weil ihnen Handlungsspielr\u00e4ume (zur\u00fcck)gegeben werden und sie Entscheidungsfreiheit (zur\u00fcck)gewinnen?<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Grenzen des eigenen Arbeits-bzw. Verantwortungsbereiches hinsichtlich der Armutsbek\u00e4mpfung, die Relevanz von Netzwerken und DALETE als Good practice-Beispiel im Tennengau:<\/h3>\n<p>Als Evang. Pfarrgemeinde Hallein nehmen wir seit jeher die Not der Menschen in unserem Umfeld wahr und versuchen, sie bestm\u00f6glich zu unterst\u00fctzen. Gleichzeitig m\u00fcssen wir akzeptieren, dass wir nur einen geringen Teil dazu beitragen k\u00f6nnen, ihre Not zu lindern. Wir sind bei unseren Hilfeleistungen auf das soziale Netzwerk im Tennengau angewiesen und sind Teil dieses Netzwerkes.<br \/>\nWie tragen wir als Evang. Pfarrgemeinde in Hallein konkret zur Armutsbek\u00e4mpfung beitragen:<\/p>\n<ul>\n<li>DALETE\n<ul>\n<li>als Drehscheibe f\u00fcr soziale Anliegen, eingebettet in das Soziale Netzwerk Tennengau<\/li>\n<li>Zeit-, Sach- und Geldspenden &#8211; je nach Anfrage, immer im Rahmen der uns zur Verf\u00fcgung stehenden Ressourcen\n<ul>\n<li>Teilhabe an der Gesellschaft &#8211; als ersten und f\u00fcr uns wichtigsten und am h\u00e4ufigsten angefragten Punkt, was Hilfeleistungen betrifft:\n<ul>\n<li>Professionell begleitete FW-Arbeit durch die FW-Koordinatorin<\/li>\n<li>Matching zwischen FW und Menschen, die bei uns um Hilfe anfragen<\/li>\n<li>Begleitung und Hilfeleistung nur in dem Ausma\u00df, in dem sie unbedingt erforderlich ist, und immer mit dem Fokus \u201eHilfe zur Selbsthilfe&#8220;!<\/li>\n<li>Angebot von Seelsorge einerseits und Gespr\u00e4che zur Abkl\u00e4rung der sozialen Situation inklusive entsprechender Hilfestellung andererseits<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Lebensmittel -&gt; Ausgabe von Lebensmittelgutschein und \u201eK\u00fchlschrank im Pfarrhof&#8220;<\/li>\n<li>Kleidung -&gt; -&gt; konkrete Aufrufe um Sachspenden auf der Homepage unserer Pfarrgemeinde<\/li>\n<li>Wohnung -&gt; Hilfe bei Wohnungssuche, Ausf\u00fcllen von WBH-Antr\u00e4gen etc., Kontaktaufnahme mit Vermietern, um Delogierung durch das Angebot von Ratenzahlungen zu verhindern aber auch finanzielle Hilfe bei Kautionszahlungen und ausst\u00e4ndigen Mieten (z.T. r\u00fcckzahlbar in Raten)<\/li>\n<li>Ausreichende gesundheitliche Versorgung &#8211; &gt; Hilfe bei Unterst\u00fctzungantr\u00e4gen (z.B. Notfallsfonds der \u00d6GK) sowie Kosten\u00fcbernahme von Selbstbehalten bei medizinischen Bedarfen<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Text erstellt anl\u00e4sslich des Vortrages am 25. M\u00e4rz 2025.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[30.03.2025] Anl\u00e4sslich der Fastenaktion 2025 wurde u.a. \u00fcber die konkrete Arbeit von DALETE berichtet. Sie k\u00f6nnen den Vortrag der Diakoniebeauftragten Dr.in Edda B\u00f6hm-Ingram hier jederzeit anh\u00f6ren oder auch die nachstehenden Informationen lesen. 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