{"id":16992,"date":"2025-07-29T11:37:14","date_gmt":"2025-07-29T09:37:14","guid":{"rendered":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=16992"},"modified":"2025-07-29T11:38:29","modified_gmt":"2025-07-29T09:38:29","slug":"duerfen-christen-hassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=16992","title":{"rendered":"D\u00fcrfen Christen hassen?"},"content":{"rendered":"<p>[29.07.2025]<\/p>\n<p class=\"p1\">\u201eWir wissen, wo du wohnst, und werden dich t\u00f6ten!\u201c Solche Nachrichten werden im Internet t\u00e4glich vielfach verschickt. Sie werden Hatespeech (Hassrede) genannt. Aber nicht nur im Internet scheint Hass derzeit Konjunktur zu haben. In Medien, in Klassenzimmern oder auf Demos: Judenhass, Hass auf Politiker, Schwulenhass oder Hass auf Klimaaktivisten \u2013 die Formen sind vielf\u00e4ltig. Hass entsteht langsam, bleibt lange und f\u00fchrt nie zu etwas Gutem. Hass ist das Gegenteil von Liebe. Wie ist es im Christentum? Schon im Alten Testament steht: \u201eLiebe deinen N\u00e4chsten wie dich selbst.\u201c Die Antwort auf unsere Frage scheint also nahezuliegen: Ein Christ hat zu lieben und darf nicht hassen. Aber so einfach ist es nicht, denn Hass ist als Emotion etwas, was sich nicht verhindern l\u00e4sst. Wie Menschen sich verlieben, ob sie wollen oder nicht, so k\u00f6nnen sie sich auch \u201everhassen\u201c \u2013 wie es der spanische Philosoph Jos\u00e9 Ortega y Gasset einmal gesagt hat. Es w\u00e4re also unmenschlich, einem Christen das Hassen zu verbieten. Trotzdem steht der Hass dem christlichen Grundgebot der N\u00e4chstenliebe entgegen. Christen sollten sich dem Hass also nicht hingeben \u2013 falls er aufkommt. Hass als verboten zu brandmarken, macht es aber nur schlimmer. Hass ist eigentlich gesellschaftlich tabuisiert. Doch ist das Erkennen und Verstehen die einzige M\u00f6glichkeit, Hass zu beseitigen. Und das ist dringend notwendig, denn Hass ist tats\u00e4chlich gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p class=\"p1\">Hass richtet sich nicht auf eine Eigenschaft des Gegen\u00fcbers, sondern auf das Hassobjekt als Ganzes. Jemanden zu hassen bedeutet, ihn zerst\u00f6ren zu wollen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Jesus hat die N\u00e4chstenliebe erweitert: \u201eLiebt eure Feinde\u201c, sagt er sogar. Was f\u00fcr eine Zumutung! Und trotzdem steckt hier ein wichtiger Hinweis darauf, wie mit Hass umzugehen ist. Als die alttestamentlichen K\u00f6nige David und Saul sich bekriegen und umzubringen versuchen, bekommt David die M\u00f6glichkeit, Saul aus dem Hinterhalt zu t\u00f6ten. Saul ist in eine H\u00f6hle gegangen, um sich zu erleichtern \u2013 ein urmenschliches Bed\u00fcrfnis. David schleicht sich an, t\u00f6tet Saul dann aber nicht \u2013 in diesem merkw\u00fcrdigen Moment in der H\u00f6hle wird aus dem Feind ein Mitmensch. David tritt vor Saul und erz\u00e4hlt ihm, dass er die Chance hatte, ihn zu t\u00f6ten. Daraufhin l\u00e4sst auch Saul sein Schwert fallen. Dazu geh\u00f6rt Mut, denn Saul h\u00e4tte auch anders reagieren k\u00f6nnen. Die neue EU-Verordnung DAS (Digital Services Act) richtet sich nicht umsonst gegen Hass im Internet. Hier ist es einfacher, die Empathie auszuschalten, den anderen nicht als Mitmenschen zu sehen und so hassen zu k\u00f6nnen. Gut, dass die Politik dagegen vorgeht. Ein christlicher Blick f\u00fcgt aber hinzu, dass auch die Hassenden Menschen sind, die es zu lieben gilt. Jeder Mensch hasst einmal, nur mit Empathie und Verzeihen \u2013 wie in der Geschichte von David und Saul \u2013 kann die Spirale des Hasses gebrochen werden.<\/p>\n<p class=\"p1\">Konstantin Sacher<\/p>\n<p class=\"p1\"><em>Aus: \u201echrismon\u201c, das evangelische Monatsmagazin der Evangelischen Kirche. www.chrismon.de<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[29.07.2025] \u201eWir wissen, wo du wohnst, und werden dich t\u00f6ten!\u201c Solche Nachrichten werden im Internet t\u00e4glich vielfach verschickt. Sie werden Hatespeech (Hassrede) genannt. Aber nicht nur im Internet scheint Hass derzeit Konjunktur zu haben. 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