{"id":17327,"date":"2025-11-24T00:00:33","date_gmt":"2025-11-23T23:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=17327"},"modified":"2025-10-30T23:39:08","modified_gmt":"2025-10-30T22:39:08","slug":"man-hoert-nur-mit-dem-herzen-gut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=17327","title":{"rendered":"Mit dem Herzen h\u00f6ren (1)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-11655\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/schwaiger_hartmut_F.png\" alt=\"\" width=\"237\" height=\"290\" \/>[24.11.2025]<\/p>\n<h3>\u201eMan h\u00f6rt nur mit dem Herzen gut\u201c<\/h3>\n<p>Wer kennt ihn nicht, diesen ber\u00fchmten Satz aus dem \u201eKleinen Prinz\u201c von Antoine de Saint-Exup\u00e9ry? Tief hat er sich eingegraben in unser kollektives, aufgekl\u00e4rtes, europ\u00e4isches Bewusstsein und steht so f\u00fcr das tief empfundene Sehnen des Menschen nach dem Guten. Nicht der Verstand ist es, der uns letztlich f\u00fchrt, sondern das Herz, unser F\u00fchlen und Empfinden.<\/p>\n<p>Ein sch\u00f6ner Satz.<\/p>\n<p>Etwas anders hat es Botho Strau\u00df, einer der bekanntesten Gegenwartsdramatiker, ausgedr\u00fcckt, in seinem Prosaband \u201ePaare, Passanten\u201c, in dem er Alltagsbeobachtungen hintergr\u00fcndig betrachtet und reflektiert:<br \/>\n\u201eAbgabe von Intelligenz des Geistes (der Kritik) an die Intelligenz der Sensualit\u00e4t. Hitchcocks \u201aV\u00f6gel\u2018 werden l\u00e4nger in uns lebendig bleiben als Brechts \u201aMutter Courage\u2018. Das eine geh\u00f6rt zu unseren Mythen, das andere zu unseren Studien.\u201c<\/p>\n<p>Was Strau\u00df damit sagen will, ist etwas, was die Psychologie und die Hirnforschung schon lange wissen: Das, was wir f\u00fchlen, bleibt tiefer in uns haften als das, was wir rational mit dem Gehirn durch Nachdenken erfassen.<\/p>\n<p>Eigentlich eine gute Botschaft, oder? Denn wenn man \u201enur mit dem Herzen\u201c gut h\u00f6rt und wenn die Gef\u00fchle m\u00e4chtiger sind als der Verstand, dann m\u00fcsste doch alles stets gut sein \u2013 oder zumindest werden?<\/p>\n<p>Nun, das gilt leider nur bedingt. Und der Irrtum dieses Gedankens liegt eben in der Definition des Begriffs \u201eHerz\u201c. Mit dem Herzen h\u00f6ren setzt in unserem Verst\u00e4ndnis voraus, dass wir ein gutes Herz haben, das uns stets die richtige Richtung weist. In so einem guten Herzen leben Liebe und Mitgef\u00fchl \u2013 was kann da noch schiefgehen?<\/p>\n<p>Eben das, was Botho Strau\u00df anspricht: Das Herz als Synonym f\u00fcr unsere Gef\u00fchle und Empfindungen ist eben auch mehr als nur \u201edas Gute\u201c. Auch Angst, Hass, Rachedurst, Trotz und Wut sind Gef\u00fchle. Und die leiten uns nicht immer richtig (manchmal aber wohl auch, wenn wir sie als Teil unseres Wesens akzeptieren).<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass unser Herz, unser positives Herz im Sinne von Exup\u00e9ry, eben auch gelenkt werden kann und muss. Wie wir f\u00fchlen, was wir empfinden, wie es also in unserem Herzen aussieht, ist beeinflussbar, ist ver\u00e4nderbar.<\/p>\n<p>Und hier kommt dann wieder der Verstand ins Spiel. Die Menschenrechte beispielsweise sind nicht nur ein Produkt unseres tiefen Mitf\u00fchlens mit anderen, sie sind auch Produkt einer rationalen Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten des Lebens. In Strau\u00df\u2019 Sinne sind sie also Teil unserer \u201eStudien\u201c, unseres Nachdenkens. Doch unser Herz \u2013 zumindest, wenn es Angst hat \u2013 kann sich diesen Erkenntnissen verschlie\u00dfen. Die Angst vor dem Fremden ist so eine Angst, die uns oft das Tor zum Verstand verschlie\u00dft.<\/p>\n<p>Diese Angst zu \u00fcberwinden ist schwer. Der Verstand ist in diesem Zusammenhang oft wie ein Bergarbeiter, der sich nur m\u00fchsam und langsam durch eine dicke Felswand arbeitet \u2013 und oft, wenn die Gef\u00fchle in Aufruhr geraten, l\u00f6st das einen Felssturz aus, und er beginnt wieder von vorne, als h\u00e4tte er bisher nichts erreicht.<\/p>\n<p>\u201eMan h\u00f6rt nur mit dem Herzen gut\u201c bleibt ein wunderbarer Satz. Aber wir sollten uns bewusst sein, dass wir daran arbeiten k\u00f6nnen und m\u00fcssen, was und wie unser Herz h\u00f6rt \u2013 und dass das nicht immer leicht ist.<\/p>\n<p>Die Richtung daf\u00fcr \u2013 wir nennen es meist Ethik und Moral \u2013 entsteht in beiden Bereichen: im Herz und im Verstand.<\/p>\n<p><em>Hartmut Schwaiger<\/em><\/p>\n<p>Beitragsbild: Pfeffer in gemeindebrief.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[24.11.2025] \u201eMan h\u00f6rt nur mit dem Herzen gut\u201c Wer kennt ihn nicht, diesen ber\u00fchmten Satz aus dem \u201eKleinen Prinz\u201c von Antoine de Saint-Exup\u00e9ry? 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