{"id":1740,"date":"2017-04-04T05:05:04","date_gmt":"2017-04-04T05:05:04","guid":{"rendered":"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=1740"},"modified":"2017-05-03T09:30:44","modified_gmt":"2017-05-03T09:30:44","slug":"das-teppichverbot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=1740","title":{"rendered":"Das Teppichverbot"},"content":{"rendered":"<p>[2017-04-04]<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 48\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><a href=\"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?attachment_id=1743\" rel=\"attachment wp-att-1743\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1743 alignnone\" src=\"http:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/A_screenshot_04.04.17-11.46.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"587\" srcset=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/A_screenshot_04.04.17-11.46.jpg 900w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/A_screenshot_04.04.17-11.46-600x391.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a>Vor langer, langer Zeit gab es einmal ein Land, in dem herrschte ein junger K\u00f6nig. Dieser junge K\u00f6nig hatte eine wunderbare, bildh\u00fcbsche und blitzgescheite K\u00f6nigin, die ihm half, sein Land umsichtig und weise zu regieren. Eines Tages aber geschah ein f\u00fcrchterliches Ungl\u00fcck. Der K\u00f6nig hatte, um seinen Palast zu versch\u00f6nern, auf allen Treppen herrliche Teppiche auslegen lassen. Gerade als aber der letzte Teppich verlegt worden war, trat die K\u00f6nigin aus ihrem Schlafgemach, um in den Thronsaal zu ihrem Gatten zu gehen. Dabei beachtete sie die neuen Teppiche nicht, stolperte am Treppenrand, st\u00fcrzte die ganze lange Treppe hinunter und brach sich das Genick.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Wehklagen erhob sich da im ganzen K\u00f6nigreich! Nicht nur der arme K\u00f6nig weinte bitterlich, sondern auch das ganze Volk, denn die K\u00f6nigin war \u00fcberaus beliebt gewesen. Und so geschah es, dass der K\u00f6nig drei Tage nach der Beerdigung seiner geliebten Frau vor allem Volk ein neues Gesetz verk\u00fcndete, das das Auslegen von Teppichen in seinem gesamten Reich verbot und unter schwere Strafe stellte. Der K\u00f6nig setzte sogar ein eigenes Amt ein, das \u00fcber die Einhaltung dieses Gesetzes wachen sollte.<\/p>\n<p>So vergingen die Jahre.<\/p>\n<p> Der K\u00f6nig lebte in stiller Trauer, das Volk gew\u00f6hnte sich daran, dass es eben nun in keinem Haus mehr Teppiche geben durfte und das Teppichamt wachte dar\u00fcber, dass auch wirklich alle B\u00fcrger des Landes sich an dieses Gesetz hielten.<br \/> Freilich fanden viele es schade, dass es dieses strenge Gesetz gab, denn die B\u00f6den waren seither \u2013 vor allem im Winter \u2013 viel k\u00e4lter. Und die H\u00e4user waren nicht mehr so gem\u00fctlich wie fr\u00fcher, denn die W\u00e4rme, die Weichheit und die bunten Farben der Teppiche fehlten. Aber so war es eben und nach einigen Jahren schien es allen so, als w\u00e4re es schon immer so gewesen.<\/p>\n<p> Eines Tages kam ein Fremder in die Stadt, ein geheimnisvoller Fremder, der von weit her zu kommen schien und er kam mit einem Wagen, der fest verschlossen war, sodass niemand sehen konnte, was sich in diesem Wagen befand. Er sagte nur, darin sei Ware aus dem Morgenland, die er dem K\u00f6nig anbieten wolle. Der K\u00f6nig, der neugierig wurde, als er die Kunde h\u00f6rte, lie\u00df den Mann zu sich bringen. Wie erschrak er aber, als er die Ware sah! Der Mann war n\u00e4mlich der ber\u00fchmteste Teppichkn\u00fcpfer des Morgenlandes und alle seine Ware waren&#8230; Teppiche! Sofort wollte der K\u00f6nig den Mann wieder fortschicken, doch da sprach dieser: \u201eHochgeehrter K\u00f6nig! Ich kenne euer Schicksal und doch bin ich hier her gekommen, denn ich m\u00f6chte euch einen Teppich zum Geschenk machen, den ich, als ich von eurem Ungl\u00fcck h\u00f6rte, f\u00fcr euch gemacht habe.\u201c Und er zog einen Teppich hervor, der war aus feinster Wolle gefertigt. Und als er ihn dem K\u00f6nig zeigte, da wurde dieser ganz blass, denn in diesen Teppich eingewoben war das Antlitz der verstorbenen K\u00f6nigin. Und es war so sch\u00f6n, dass der K\u00f6nig seinen Blick nicht mehr abwenden konnte und sich ganz in dieses Bildnis verlor.<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 49\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>In stiller Trauer sa\u00df er da, aber auch mit einem Gef\u00fchl im Herzen, als sei seine Frau wieder zu ihm zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n<p> Nach kurzer Zeit trat sein Minister zu ihm heran und \u00fcsterte ihm zu: \u201eMajest\u00e4t, das ist ein Teppich, ein verbotener Teppich. Denkt an Euer Gesetz! Wir m\u00fcssen sofort das Teppichamt rufen!\u201c<\/p>\n<p>Da blickte der K\u00f6nig auf, als erwache er aus einem langen Traum. Er blickte den Minister an, dann den Fremden und schlie\u00dflich wieder den Teppich. Lange \u00fcberlegte er und sagte dann: \u201eNein. Wenn es solche Teppiche geben kann, dann muss mein Gesetz falsch sein.\u201c<\/p>\n<p>Und so kam es, dass der K\u00f6nig noch am selben Tag sein altes Gesetz \u00e4nderte. Von diesem Tag an waren Teppiche wieder erlaubt, wor\u00fcber sich viele B\u00fcrger freuten, da ihre H\u00e4user nun wieder bunter, gem\u00fctlicher und im Winter w\u00e4rmer wurden. Das Teppichamt aber blieb erhalten. Allerdings bekam es eine neue Aufgabe, n\u00e4mlich die, dass im ganzen Land die Kunst des Teppichkn\u00fcpfens nach der Art des Fremden gelehrt wurde.<\/p>\n<p>Und wenn du heute bei einem H\u00e4ndler einen wirklich kunstvoll gekn\u00fcpften Teppich siehst, dann stammt er sicher aus dem Lande des traurigen K\u00f6nigs.<\/p>\n<p>Hartmut Schwaiger<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[2017-04-04] Vor langer, langer Zeit gab es einmal ein Land, in dem herrschte ein junger K\u00f6nig. 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