{"id":18703,"date":"2026-07-17T08:59:37","date_gmt":"2026-07-17T06:59:37","guid":{"rendered":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=18703"},"modified":"2026-07-17T09:16:48","modified_gmt":"2026-07-17T07:16:48","slug":"zur-zeit-nicht-erreichbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/?p=18703","title":{"rendered":"Zur Zeit nicht erreichbar &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>[17.07.2026]<\/p>\n<h3>Vom Segen und Fluch der Erreichbarkeit<\/h3>\n<p><em>Was wohl w\u00e4re, wenn es keine Smartphones g\u00e4be? Was wohl wird, wenn sie sich immer st\u00e4rker zum Fluch entwickeln? Und wie es gelingt, in einer Zeit der dauerhaften Verf\u00fcgbarkeit eine Balance zu finden? Zwischen Erreichbarkeit, dem Wunsch nach Kommunikation, N\u00e4he und Austausch und dem Bed\u00fcrfnis nach Ruhe und Stille? Damit setzt sich Stanislaus Klemm auseinander. Er ist Diplompsychologe und Theologe und arbeitete in der Suchttherapie, in der \u00f6kumenischen Telefonseelsorge Saar sowie in der Lebensberatung des Bistums Trier in Neunkirchen.<\/em><\/p>\n<h3>Was w\u00e4ren wir eigentlich ohne \u2026<\/h3>\n<figure id=\"attachment_18708\" aria-describedby=\"caption-attachment-18708\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-18708 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/handy-1-300x245.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"245\" srcset=\"https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/handy-1-300x245.png 300w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/handy-1-600x490.png 600w, https:\/\/hallein-evangelisch.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/handy-1.png 891w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18708\" class=\"wp-caption-text\">KI generiertes Bild<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ja, die Menschen w\u00e4ren arm dran, wenn sie sie nicht mehr h\u00e4tten, die kleinen technischen Wunder: die Handys, Smartphones, Tablets&#8230; Es gibt in Deutschland mehr aktive Mobilfunkanschl\u00fcsse als Einwohner. Wenn die Menschen sie nicht h\u00e4tten, w\u00e4ren sie in mancher Notsituation noch darauf angewiesen, irgendwo eine freie, funktionierende Telefonzelle zu finden. Sie w\u00e4ren nicht mehr an jedem Ort, in jeder Situation kurzfristig erreichbar f\u00fcr all die Menschen, die sie lieben und sch\u00e4tzen, die f\u00fcr sie einen lieben Gru\u00df haben, die einen akuten Rat, eine schnelle Hilfe, eine dringende Auskunft m\u00f6chten. Und wir k\u00f6nnten sie auch nicht erreichen. Eltern h\u00e4tten wieder Angst und Sorgen, wenn ihre halbw\u00fcchsigen Kinder abends noch au\u00dfer Hause sind. Keine M\u00f6glichkeit mehr, von jedem Ort, aus jeder denkbaren Situation, dringende Anrufe abzusetzen, um in akuten Notf\u00e4llen sofort einen Notarzt, eine Rettungsstelle, Beratungsstelle, ein Sorgentelefon oder ein Taxi zu erreichen. Jede M\u00f6glichkeit sofort erreichbar zu sein oder andere erreichen zu k\u00f6nnen, ist ein wahrer Segen. Eine Errungenschaft, die viele wohl nicht missen m\u00f6chten.<\/p>\n<h3>Wenn das aber so weitergeht \u2026<\/h3>\n<p>Wenn es da nicht jene unerw\u00fcnschte Erfahrung g\u00e4be, dass alles, was sich heute als Segen erweist, morgen zum Fluch ausarten w\u00fcrde! Wenn das Handy klingelt, zucken Menschen spontan zusammen, sind genervt und gestresst. Manche bef\u00fcrchten vielleicht, ein \u201eMitteilungs-Manager\u201c zu sein. Von dem rund um die Uhr volle Aufmerksamkeit verlangt wird: Handyanrufe, SMS, Mails, Messenger, Internetanrufe. Es sind interne Nachrichten, Neuigkeiten. Manchmal Albernheiten, Nichtigkeiten, \u00dcberfl\u00fcssiges und \u00dcberdr\u00fcssiges in den so genannten \u201eSozialen Netzwerken\u201c. Alles will sofort die volle Aufmerksamkeit. Es w\u00e4chst der \u201eTerror der Erreichbarkeit\u201c, des \u201eJetzt! H\u00f6r zu! Schau hin!\u201c. Selbst, wenn die Menschen selbst nicht angerufen werden, sind sie gezwungen, sich das st\u00e4ndige \u201eGebimmel\u201c der Umgebung anzuh\u00f6ren oder dem genervten \u201eFingergewische\u201c zuzusehen. Manche f\u00fchlen sich wie gefangen, wenn nach Dienstschluss der Chef oder die Chefin \u201eausnahmsweise\u201c Anwesenheit und Zusatzleistung erwartet. Manche fragen sich: \u201eH\u00f6rt das denn nie auf? Wo bleibe ich? Mit meinem Wunsch nach Ruhe und Stille. Mit meinem Wunsch nachzudenken, verarbeiten zu k\u00f6nnen? Mit meinem Bed\u00fcrfnis nach Abstand, Respekt und n\u00f6tiger Distanz?\u201c<\/p>\n<h3>Ein Gleichgewicht suchen<\/h3>\n<p>Schon der griechische Philosoph Aristoteles empfahl seinem Sohn Nikomachos eine sehr kluge Lebensregel. Er weist darauf hin: \u201eAlles, was im Leben einen Wert hat, kann durch ein Zuviel oder ein Zuwenig zerst\u00f6rt werden.\u201c Hier geht es um die \u201egoldene Mitte\u201c, die zu finden im Alltag oft sehr schwer f\u00e4llt. Es gilt, eine Balance herzustellen zwischen den unterschiedlichen lebenswichtigen Bed\u00fcrfnissen nach N\u00e4he und Distanz. Ein Gleichgewicht, das manchmal dem schwierigen Akt eines Seilt\u00e4nzers gleicht, verbunden mit der st\u00e4ndigen Gefahr, in die eine oder andere Richtung abzust\u00fcrzen. Schnell und m\u00fchelos erreichbar zu sein, das entspricht dem Bed\u00fcrfnis nach Sicherheit und Verl\u00e4sslichkeit. Es sind Gef\u00fchle, f\u00fcr den anderen wichtig zu sein, gebraucht zu werden. Es sind W\u00fcnsche nach Kommunikation, N\u00e4he und Austausch. Auf der anderen Seite sp\u00fcren Menschen das Bed\u00fcrfnis nach Ruhe, Stille, Schutz und Respekt. Ein unkontrolliertes und manchmal ausuferndes Zuviel oder Zuwenig eines dieser Bed\u00fcrfnisse erzeugt allzu leicht eine einseitige Haltung. Es kommt nicht nur in der Seele zu schmerzhaften \u201eHaltungssch\u00e4den\u201c, es kann schnell zu einer Abh\u00e4ngigkeit und krankmachenden Sucht f\u00fchren. Der Absturz in das Loch des \u201eAusgebrannt Seins\u201c droht. Wer auf seine innere Stimme und die Signale des eigenen K\u00f6rpers achtet, erf\u00e4hrt deutliche Hinweise, in welche Richtung er entgegensteuern sollte oder muss.<\/p>\n<p><em>Stanislaus Klemm, Diplompsychologe und \u2013theologe, In: Pfarrbriefservice.de<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>[17.07.2026] Vom Segen und Fluch der Erreichbarkeit Was wohl w\u00e4re, wenn es keine Smartphones g\u00e4be? Was wohl wird, wenn sie sich immer st\u00e4rker zum Fluch entwickeln? 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